Doppelpass diskutiert über Tuchel als Wenger-Nachfolger
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München - SPORT1-Experte Marcel Reif beleuchtet in seiner Kolumne die Absage von Thomas Tuchel beim FC Bayern und macht sich für Manuel Neuer beim DFB-Team stark.

Hallo Fußball-Freunde,

ich habe die kolportierte Absage von Thomas Tuchel beim FC Bayern mit großem Interesse verfolgt, und Jupp Heynckes bleibt auch nicht bei den Bayern. Hätte der Triple-Coach nochmal zugesagt, wäre ich vom Glauben abgefallen. Der Umbruch bei Bayern muss kommen.

Auch deswegen bereitet mir die endlos dauernde Trainersuche des Rekordmeisters Sorgen. Weiß der Klub überhaupt, wo er hin will? Wenn man ganz oben mitspielen will, muss man Spieler wie Neymar holen. Denn Geld schießt natürlich Tore.

Sagt man aber, wir machen den Irrsinn nicht mit, dann muss man auch damit leben, dass es Trainer gibt, die sagen: "Mit so einem Kader kann ich keinen Platz unter den ersten Vier in der Champions League garantieren."

Stand heute sehe ich nur noch zwei Trainerkandidaten als potentielle Heynckes-Nachfolger. Mauricio Pochettino von Tottenham Hotspur ist nicht dabei. Der kann abwarten, ob er bei den Spurs bleibt oder nach Paris oder Madrid geht. Und deutsch spricht er auch nicht.

Somit müsste alles auf eine Entscheidung zwischen Ralph Hasenhüttl und Niko Kovac hinauslaufen: Die beiden sind doch die natürlichen Verdächtigen, mit denen der FC Bayern reden sollte.

Ein weiteres großes Thema in der Bundesliga-Pause ist das DFB-Team. Die WM 2018 in Russland steht vor der Tür und das Rennen um die WM-Tickets ist so spannend wie nie zuvor. Bundestrainer Joachim Löw hat die Qual der Wahl. 

Wenn ich Löw wäre, würde ich Manuel Neuer mitnehmen, auch wenn er nicht spielen könnte. Man müsste dann für ihn nur eine neue Rolle schaffen. Er ist viel zu wichtig für die Mannschaft - Neuer weiß, was nötig ist, um einen Titel zu holen.

Für WM-Held Mario Götze von Borussia Dortmund sehe ich im Moment keinen Platz bei der Weltmeisterschaft. Ein solches Turnier kann nicht dazu dienen, einen Spieler aufzufangen. Gerade in der Offensive gibt es aktuell viel stärkere Spieler.

Das sieht man allein schon bei der Stürmerfrage: Timo Werner ist gesetzt, während Sandro Wagner und Mario Gomez um das zweite WM-Ticket kämpfen - warum aber nicht beide mitnehmen? 

Thomas Müller ist kein Mittelstürmer. Wenn man ihn ganz vorne reinstellt, tut man keinem einen Gefallen. Er schießt seine Tore nicht, wenn er in der Spitze auf Bälle wartet.

Insgesamt hat die DFB-Elf auf dem Weg nach Russland noch eine Menge zu tun. In vielen Bereichen ist es noch nicht genug. Nach dem WM-Titel haben es vor allem die Bundesliga-Klubs (mit Ausnahme der Bayern, die längst auf einem anderen Planeten spielen) verpasst zu sagen, wie Fußball gespielt wird - und zwar mit dem Ball und nicht immer nur ohne ihn.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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