Basler: So lief der Meyer-Poker wirklich
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München - Max Meyer wird Schalke 04 am Saisonende ablösefrei verlassen. Doch vorher bewerfen beide Parteien einander mit Dreck. SPORT1 kennt Hintergründe.

Als Lautsprecher ist Max Meyer in Gelsenkirchen bislang nicht aufgefallen. Umso bemerkenswerter waren seine Aussagen, die am späten Sonntagabend in der Bild nachzulesen waren.

"In letzter Zeit fühlt sich das für mich alles nur noch wie Mobbing an", erklärte der viermalige Nationalspieler zu seiner letzten Saison auf Schalke, dem Klub seiner Jugend.

"Ich wollte einfach nicht mehr bei Schalke bleiben und unter Herrn Heidel arbeiten." Für ihn stelle sich die Situation so dar, dass ihm der seit Sommer 2016 amtierende Sportvorstand "vom ersten Tag an gesagt hat, ich könne gehen. Das, was war, würde nicht zählen. Die Nationalelf schon gar nicht."

Harte Vorwürfe, die Meyer einen Tag später eine Suspendierung durch seinen Arbeitgeber eingebracht haben. 

"Dieses Vorgehen und diese Aussagen können wir nicht tolerieren. Noch mehr als die unzutreffenden Behauptungen stören uns die Mobbing-Vorwürfe, die wir aufs Schärfste zurückweisen. Schalke 04 hat sich gegenüber Max Meyer immer korrekt verhalten", konterte Heidel in einem Vereins-Statement.

Meyer fliegt bei Schalke raus

Meyer erhebt Vorwürfe

Er sei "nicht mehr erwünscht" gewesen und habe "verkauft werden sollen", wird Meyer weiter zitiert. "Als ich da nicht mitgemacht habe, sollte ich verlängern."

Nachdem er ein entsprechendes Angebot aber abgelehnt habe, sei Trainer Domenico Tedesco zu ihm gekommen und habe gesagt, dass er "mir keine Hoffnung auf viel Spielzeit macht". In den jüngsten drei Partien kam Meyer nicht mehr zum Einsatz.

Schalke widersprach Meyers Darstellung im Statement vom Montagabend entschieden.

"Weder Sportvorstand Christian Heidel (im Sommer 2016), noch Chef-Trainer Domenico Tedesco am 1. Juli 2017 haben Max Meyer aufgefordert, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen", erklärten die Königsblauen.

Stattdessen habe Tedesco ihm wie allen Spielern "vor Saisonbeginn eine realistische Einschätzung bezüglich ihrer sportlichen Perspektiven gegeben", Meyer dann aber "aufgrund von guten Trainingsleistungen" in einer neuen Rolle im defensiven zentralen Mittelfeld zum Stammspieler gemacht".

Alte Fehde zwischen Heidel und Wittmann

Ausbootung, Mobbing - das ist die Version des Spielers Max Meyer oder vielleicht auch eher seines Beraters Roger Wittmann. Der hatte vor Heidels Amtszeit deutlich mehr Klienten im königsblauen Dress und daher auch mehr Einfluss auf Schalke.

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Zu Heidel hatte er dagegen schon zu Mainzer Zeiten ein eher distanziertes Verhältnis, seit dort eine Vertragsverlängerung mit Eric Maxim Choupo-Moting gescheitert war und der heutige Stürmer von Stoke City stattdessen nach Schalke transferiert wurde. 

In diesem nun öffentlichen Schlagabtausch geht es darum, wer den Schwarzen Peter in der Angelegenheit Meyer zugeschoben bekannt bekommt.

Das sagt die Vereinsseite:

"Der Berater von Max Meyer hat am 12. Januar ein bis 15. Februar befristetes Angebot für Max Meyer erhalten und uns am 15. Februar per E-Mail davon in Kenntnis gesetzt, dass Max das Angebot aufgrund der Befristung nicht annehmen wird", sagte Sportvorstand Heidel.

Konkret: Das Arbeitspapier soll mit 5,5 Millionen Euro dotiert gewesen sein und hatte nach dem feststehenden Abgang von Leon Goretzka als Zeichen dienen sollen, dass die Schalker ihren Identifikationsfiguren durchaus eine Zukunft bieten können.

Doch wie bei Thilo Kehrer, dem dann letzten verbleibenen Wittmann-Klienten auf Schalke, um dessen Verlängerung des auslaufenden Vertrags bis 2019 der Klub bislang ebenfalls vergeblich kämpft, ließ der Berater den Klub abblitzen.

"Der Zug des Geldes hat die Emotionen überholt", hatte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies Meyer kürzlich bei Sky ins Stammbuch geschrieben. Man habe gerne verlängern wollen. Aber bei Goretzka und Meyer "ging das nicht, da waren die Berater intensiv eingebunden." 

Das sagt die Spielerseite:

"Mir ging es nie um Geld, sonst hätte ich ja das zweite, verbesserte Angebot angenommen", reagierte Meyer auf die jüngsten Anwürfe. "Deshalb finde ich es auch eine Sauerei von Clemens Tönnies, es im TV so hinzustellen, als ob es mir nur um Geld ginge."

Schützenhilfe bekam der 22-Jährige im CHECK24 Doppelpass von SPORT1-Experte Mario Basler. "Max Meyer hat ein E-Mail-Angebot bekommen, aber sie haben nie persönlich gesprochen", erklärte der frühere Nationalspieler, der übrigens mit der Schwester Wittmanns liiert ist.

"Max Meyer wollte nicht bleiben, und Herr Heidel hat zweimal ein Angebot per Mail geschickt. Vorher hat er von Herrn Heidel erzählt bekommen, dass er nicht gut genug ist", ergänzte der Quasi-Schwager.

Tedesco habe inhaltlich Vergleichbares geäußert. "Wenn er in Schalke nicht mehr wertgeschätzt wird, ist es logisch, dass er geht", fand Basler. 

Was bleibt?

In dieser Angelegenheit gibt  es nur Verlierer. Der Verein verliert ablösefrei einen selbst ausgebildeten Nationalspieler, der nach seiner Suspendierung kein Spiel mehr für Schalke bestreiten wird.

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Meyer dürfte aufgrund seiner sportlichen Qualitäten keine Probleme haben, bei einem ambitionierten und zahlungskräftigen Klub unterzukommen. Weil beide Attribute grundsätzlich aber auch auf den angehenden Champions-Teague-Teilnehmer Schalke zutreffen, steht Meyer nun als Raffzahn da.

Und als potenziell charakterlos, weil er - wie der Klub mittlerweile bestätigte - Trainer Tedesco nach dem Spiel gegen den Hamburger SV Anfang April, als er zur Halbzeit ausgewechselt wurde., mitteilte, er habe "mit Schalke abgeschlossen".

Einen daraufhin für diesen Montag anberaumten Gesprächstermin bei Heidel habe er abgesagt. Tedesco hatte ihn für das Spiel aus vermeintlichen gesundheitlichen Gründen aus dem Kader gestrichen. Diese bestritt bestritt Meyer öffentlich, nachdem er einen auf Anraten von Tedesco anberaumten Termin für eine MRT-Untersuchung verweigert hatte.

Es gibt sicher noch mehr schmutzige Wäsche, die sich öffentlich waschen ließe. Daher ist es womöglich wirklich das Beste für alle Beteiligten, wenn das Kapitel Max Meyer auf Schalke bald ad acta gelegt wird.

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