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Am Tag seines brisanten Interviews wird Max Meyer aus Schalkes Profiteam verbannt. Christian Heidel wehrt sich gegen die Vorwürfe und erklärt Hintergründe.

Seit Montag ist klar: Das Verhältnis zwischen Max Meyer und dem FC Schalke 04 findet kein schönes Ende.

Am Tag der Mobbing-Vorwürfe des Spielers suspendierte der Klub Meyer, der dadurch kein Spiel mehr für Schalke bestreiten wird - nach neun Jahren im Verein und fünfeinhalb Spielzeiten als Profi.

Doch was steckt wirklich hinter der Suspendierung - und wie konnte es so weit kommen?  SPORT1 zeigt die Brandherde in der Causa Meyer.

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Vertragsgespräche und Zoff mit Berater Wittmann

Die ersten Risse zwischen den Parteien entstehen im Sommer. In einem offenen Gespräch teilt Cheftrainer Domenico Tedesco Meyer mit, dass seine "Aussichten in einer offensiven Rolle schwierig seien".

Für Meyer offenbar ein Grund mehr, sich unerwünscht zu fühlen, nachdem ihm Christian Heidel, der im Juli 2016 die sportliche Leitung auf Schalke übernahm, angeblich "vom ersten Tag an gesagt hat, ich könne gehen", so Meyer in der Bild.  

"Das ist völliger Unsinn und an den Haaren herbeigezogen", konterte Heidel am Montag bei Sky90. Allerdings habe er "das klare Gefühl" gehabt, dass Meyer den Verein wechseln wolle. Doch aktiv seien der Spieler und dessen Berater Roger Wittmann nicht auf ihn zugekommen. Stattdessen wird Meyer in neuer Rolle im defensiven Mittelfeld sogar zum Leistungsträger.

Doch im Dezember 2017 werden die Risse tiefer. Heidel erklärte, nach einem Gespräch mit Meyer Kontakt zu Berater Wittmann aufgenommen zu haben, um einen neuen Vertrag auszuhandeln.  

Die anschließenden Worte Wittmanns lassen Heidel allerdings verwundert zurück. "Christian, wir beide müssen erst mal feststellen, ob wir von dem gleichen Spieler sprechen", zitierte Heidel Wittmann: "Ich rede von dem absolutem Weltklassespieler Max Meyer, der in jeder europäischen Spitzenmannschaft Stammspieler wäre und zur WM fährt."

Nur wenn Heidel auch so denke, könne man über einen Vertrag reden. Der Manager habe anschließend trotzdem ein Angebot für "einen sehr, sehr guten Bundesligaspieler" abgegeben.

Dies sei allerdings grundlos abgelehnt worden - wie auch gleichzeitig ein Angebot für Thilo Kehrer, dessen Berater ebenfalls Wittmann ist. Ein weiteres verbessertes Angebot, von dem Meyer spricht, habe es laut Heidel aber nicht gegeben.

Zu diesem Zeitpunkt schien klar, dass die Zusammenarbeit im Sommer ihr Ende findet.

Meyer hat "mit Schalke abgeschlossen"

Am 29. Spieltag wird Meyer bei der 2:3-Niederlage der Schalker beim Hamburger SV zur Pause auswechselt. Zwei Wochen später kommt es nach dem Spiel gegen den 1. FC Köln zum Gespräch zwischen Meyer, der seitdem keine Minute gespielt hat, und Tedesco sowie Co-Trainer Peter Perchtold, die einen Leistungseinbruch registriert haben.

Meyer stellt klar: Seit der Pausen-Auswechslung gegen den HSV habe er mit dem Verein abgeschlossen. Heidel sucht das Gespräch mit Meyer, will dem 22-Jährigen klar machen, dass auf dieser Basis eine weitere Zusammenarbeit in den verbleibenden Saisonspielen nicht möglich ist.

"Tedesco kann mit keinem Spieler in der wichtigen Phase arbeiten, der mit Schalke abgeschlossen hat", so Heidel, der den Mittelfeldmann für den 30. April zum Rapport einbestellt.

Doch Meyer lehnt ein Gespräch ab - und gibt stattdessen ein Interview, das das Fass endgültig zum Überlaufen bringt. Allerdings wurde Meyer nicht wegen des Interviews vom Training freigestellt, sondern wegen der fehlenden Sinnhaftigkeit einer weiteren Zusammenarbeit, wie Heidel erklärt - Stichwort "mit Schalke abgeschlossen".

Mobbing-Vorwurf

Am Montag greift Meyer in seinem Interview Tedesco und Heidel persönlich an. "Ich wollte einfach nicht mehr bei Schalke bleiben und unter Herrn Heidel arbeiten", sagte Meyer: "In letzter Zeit fühlt sich das für mich alles nur noch wie Mobbing an."

Schalke weist die Vorwürfe aufs Schärfste zurück. "Ich finde es sehr mutig, sich als Mobbing-Opfer zu bezeichnen, wenn man weiß, wie es Mobbing-Opfern wirklich geht", kontert Heidel den harten Vorwurf. Er wisse "überhaupt nicht, was in Max Meyer vor sich geht."

Tedesco ist von den persönlichen Angriffen "enttäuscht und kann sie nicht nachvollziehen. Weil sie einfach nicht stimmen." Heidel erklärte zudem, er bedaure die Entwicklung "zutiefst."

Allerdings habe sich der Klub "hundertprozentig korrekt verhalten". Meyer - ob Weltklassespielerspieler oder nicht - sieht das sicherlich anders.

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