Streit eskaliert: Hoeneß attackiert Bobic
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Leverkusen und München - Bei der Eintracht herrscht Frust über den Abgang von Niko Kovac zu Bayern. Die Bosse fühlen sich getäuscht. Auch eine vorzeitige Trennung scheint nicht mehr ausgeschlossen.

Sichtlich genervt wies Niko Kovac sämtliche Nachfragen zu den Umständen seines bevorstehenden Wechsels von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern zurück.

Er versuchte den Eindruck von Normalität zu vermitteln. Schließlich sei er "ein absoluter Profi", sagte Kovac. Sportvorstand Fredi Bobic war ebenfalls bemüht, das brisante Trainerthema kleinzureden.

Zwischen ihm und dem Chefcoach sei "alles okay", beteuerte Bobic. Und doch war zu spüren, dass es bei den Hessen nach dem Knall vom Freitag an allen Ecken und Enden knistert. 

Hinter vorgehaltener Hand wird bereits spekuliert, Kovac könne womöglich noch vor Saisonende beurlaubt werden. 

Frankfurt vor Woche der Wahrheit

Bobic reagierte zwar sehr ungehalten, als ein Reporter ihn in den Katakomben der BayArena auf dieses Szenario ansprach. Es sei "respektlos", das zu fragen, so Bobic.

Detail am Rande: Dieselbe Antwort gab Bobic 2013 als Stuttgart-Manager auf die Frage nach einer möglichen Entlassung von Trainer Bruno Labbadia. Am Tag darauf vollzog er sie.

"Respektlos!" So harsch kritisiert Bobic die Bayern

Sollte die entscheidende Woche mit dem Pokal-Halbfinale bei Schalke 04 am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) und dem Heimspiel gegen Hertha BSC am kommenden Samstag (ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) aus sportlicher Sicht missraten, dann wäre eine vorzeitige Trennung nach SPORT1-Informationen nicht mehr völlig abwegig.

Die Eintracht-Verantwortlichen, so hört man, fühlen sich von Kovac an der Nase herumgeführt. 

Alles zum Thema am Sonntag ab 11 Uhr im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 mit den Gästen Max Eberl und Bernd Storck

Kaum einer nimmt dem 46-Jährigen die Version ab, er habe erst am Donnerstag eine Anfrage aus München erhalten und dann mehr oder weniger spontan zugesagt.

Bayern-Bosse trafen Kovac

Nach SPORT1-Informationen bestand auch schon länger Kontakt zwischen Kovac und den Münchnern.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß bestätigte am Samstagabend bei Sky, dass Bayerns Bosse vor zwei Wochen mit Kovac zusammengekommen seien. Zufällig, wie Hoeneß betonte.

Anlass war der 60. Geburtstag von Bayern-Chauffeur Bruno Kovacevic in einem Restaurant in Geretsried nahe München, bei dem unter den rund 80 Gästen auch Kovac' Bruder und Assistent Robert eingeladen war.

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Ein Vertrauter von Kovac bestritt bei SPORT1 jedoch vehement, dass es dabei zu Gesprächen über die Zukunft des Trainers gekommen sei.

"Auch Matthias Sammer war eingeladen und der hätte als neuer Berater von Borussia Dortmund doch sofort Lunte gerochen, wenn sich Niko mit Hoeneß und Rummenigge zusammengesetzt hätte", sagte der Insider.

Vielmehr sei die Aussage von Kovac zutreffend, dass er sich erst am Donnerstag mit Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic telefonisch auf einen Wechsel verständigt und danach am Abend die Details mit Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner besprochen habe.

"Gedanklich seit Wochen mit Bayern beschäftigt"

"Aber gedanklich hat er sich schon seit Wochen damit beschäftigt, was er machen würde, wenn die Bayern ihn kontaktieren, schließlich galt er ja neben Ralph Hasenhüttl und Lucien Favre als Topkandidat", meinte sein Vertrauter. "Deshalb war die Entscheidung sofort klar, als der Anruf von Salihamidzic kam."

"Ich habe nicht gelogen. Es kam eine Dynamik in den Tag, die ich in der Form noch nicht erlebt habe", sagte Kovac selbst. 

Und Salihamidzic erklärte bei SPORT1, die Einigung sei Donnerstag binnen weniger Stunden erfolgt: "Wenn auf der anderen Leitung ein richtig guter Trainer ist, dann kann man sich ganz schnell einigen."

Zweifel an Kovac' Aussagen

Dennoch gibt es nicht nur in Frankfurt Zweifel an diesen Aussagen.

"Ich glaube nicht, dass der FC Bayern und Niko Kovac einen Vertrag innerhalb von ein paar Stunden abschließen", sagte Sky-Experte Lothar Matthäus. "Ein Treffen an nur einem Tag nehme ich ihm nicht ganz ab."

Eintracht-Fans verhöhnen Kovac

Julian Nagelsmann hält dem Rekordnationalspieler entgegen, dass ein solcher Vertragsabschluss in so kurzer Zeit durchaus möglich sei. "Mein Vertrag", erklärte er bei Sky, "wurde auch an einem Tag gemacht." 

Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl äußerte im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 Verständnis dafür, dass Kovac der Öffentlichkeit nicht gleich reinen Wein eingeschenkt hat: "Es ist auch nicht immer möglich, die Wahrheit zu sagen."  

Den Eintracht-Fans ist das egal. In diversen Foren wird Kovac als "Judas" und "Söldner" verschmäht. 

Auch deshalb fürchten Frankfurts Bosse, die bislang so gute Stimmung könne womöglich kippen und der Mannschaft letztlich die Qualifikation fürs internationale Geschäft kosten. 

Zoff zwischen Hoeneß und Bobic eskaliert

Sportvorstand Bobic wollte nach der Pleite in Leverkusen zunächst Ruhe bewahren und das Thema nicht weiter anheizen. Das übernahmen wenig später die Verantwortlichen der Bayern.

"Wir fanden die Aussagen von Fredi Bobic ziemlich unverschämt", sagte Hoeneß.

Bobic hatte die Bayern beschuldigt, den Kovac-Wechsel bewusst in die Öffentlichkeit getragen zu haben. Der Rekordmeister habe sich "respektlos" und "unprofessionell" verhalten.

"Wir haben lange überlegt, wann wir Frankfurt darüber informieren und uns dann ganz bewusst entschlossen, ihnen so früh wie möglich Bescheid zu sagen", verteidigte sich der Bayern-Präsident. 

Salihamidzic pflichtete Hoeneß bei: "Wir haben uns sehr korrekt verhalten, weil wir das auch im Mai irgendwann hätten bekanntgeben können. So hat Frankfurt vier Wochen mehr, um sich auch nach einem Trainer umzuschauen."

Vielleicht ja auch viel weniger. Das werden die Spiele gegen Schalke und Hertha zeigen.

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