Gegen Chaoten gewehrt: Titz stolz auf wahre HSV-Fans
teilenE-MailKommentare

Hamburg - Der HSV steigt erstmals in seiner Geschichte aus der Bundesliga ab. Die Spieler hadern und sind der Meinung, Trainer Christian Titz sei zu spät gekommen.

Dicke schwarze Rauchwolken, laute Böller-Explosionen, massiver Polizeieinsatz mit Pferden und Hunden auf dem Spielfeld - hässliche Szenen im Volksparkstadion bildeten das skandalöse Schlussbild einer Hamburger Horrorsaison. (Tabelle der Bundesliga)

Als wenn der historische Sturz des Liga-Dinos in die Zweitklassigkeit nicht genug gewesen wäre, sorgten die schweren Ausschreitungen einiger Hundert Anhänger und eine 15-minütige Spielunterbrechung Sekunden vor dem Abstieg für Schlagzeilen.

"Solche Leute gehören aus dem Stadion ausgesperrt und verhaftet", sagte HSV-Trainer Christian Titz bei Sky. (Alle Reaktionen und Informationen zur Lage in Hamburg im SPORT1-LIVETICKER)

Alle Highlights des 34. Spieltags in "Bundesliga Pur" am Sonntag, ab 9 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM

"Ein unglaublich trauriger Tag"

Für die Krawalle habe er "kein Verständnis", sagte Vorstand Frank Wettstein: "Das bleibt ein Stück weit hängen. Es ist ein unglaublich trauriger Tag für den HSV." Der Großteil der HSV-Fans, der auf die Krawalle mit einem gellenden Pfeifkonzert reagierte, habe sich aber "großartig" verhalten. 

Die schlimmen Begleitumstände machten den Trauertag für die Hamburger noch schwerer zu ertragen: Nach 54 Jahren und 261 Tagen hat es auch das letzte der 16 Gründungsmitglieder erwischt - der HSVist erstmals abgestiegen. Statt Bayern, Dortmund und Schalke heißen die Gegner nun Paderborn, Sandhausen und Bielefeld.

"Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einen Abstieg des HSV erlebe, so lange ich auf dieser Erde bin", sagte Klub-Idol Uwe Seeler, der bis zuletzt gehofft hatte. Doch trotz eines 2:1 (1:1)-Heimsiegs gegen Borussia Borussia Mönchengladbach starb für das Titz-Team am letzten Spieltag das letzte bisschen Resthoffnung auf den Rettungsanker Relegation.

Keine Gedanken an die Zukunft

"Wir haben wirklich daran geglaubt", sagte Titz tief enttäuscht. Doch die Aufholjagd der vergangenen Wochen war nicht von Erfolg gekrönt, die erhoffte Schützenhilfe des 1. FC Köln blieb in Wolfsburg aus. Der HSV ist nach 1866 Bundesliga-Spielen und 19.985 Tagen im Oberhaus tatsächlich nur noch zweitklassig.

Der CHECK24 Doppelpass mit Neven Subotic und Huub Stevens am Sonntag ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM

HSV-Kapitän Gotoku Sakai sagte mit Tränen in den Augen: "Das ist richtig, richtig bitter. Es ist nun ganz wichtig, dass der ganze Klub nach vorne schaut und alles für den Aufstieg gibt." 

Mit welchem Team die Hanseaten das Unternehmen Wiederaufstieg angehen werden, ist noch nicht klar. Titz, der sich mit den HSV-Verantwortlichen bereits vor dem Saisonfinale auf eine ligaunabhängige Fortsetzung der Zusammenarbeit verständigt hatte, wollte sich am Samstagabend noch nicht mit der Zukunft befassen.

"Mit Titz steigt der HSV wieder auf"

"Ich muss das Ganze ein bisschen sacken lassen", sagte der 47-Jährige, der den HSV mit 13 Punkten aus acht Spielen reanimiert hatte. Die Gespräche mit ihm über die Eckdaten einer Weiterbeschäftigung sollen am Montag stattfinden.

"Der Hauptgrund für den Abstieg ist, dass dieser Trainer zu spät gekommen ist. Mit ihm steigt der Klub direkt wieder auf", sagte Verteidiger Kyriakos Papadopoulos. Er selbst wird dann womöglich wie einige seiner Mitspieler nicht mehr dabei sein.

Der Abstieg ist der krachende Schlussakkord eines jahrelangen HSV-Dramas. Trotz Millionenausgaben krebsten die Hamburger zuletzt fünf Jahre lang im Tabellenkeller der Bundesliga herum, zwei Mal schafften sie die Last-Minute-Rettung in der Relegation.

Vom Glanz der 80er Jahre, als der HSV mit Größen wie Horst Hrubesch, Manfred Kaltz oder Felix Magath Titel in Serie gewann und als Schwergewicht in Europa galt, ist nichts geblieben. Dabei spielten die Rothosen noch in den 2000er-Jahren als Dauergast auf internationalem Parkett.

-----

Lesen Sie auch:

TICKER: Tränen und Chaos beim HSV

Wolfsburg rettet sich in die Relegation

Nächste Artikel
previous article imagenext article image