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München - Die Zweifel an der WM-Teilnahme von Manuel Neuer steigen. Nachdem er sich am Dienstag vorsichtig geäußert hatte, macht Trainer Jupp Heynckes eine klare Ansage.

Was bei Michael Ballack einst die Wade der Nation war, ist bei Manuel Neuer der Fuß der Nation.

Seit Wochen gibt es zwei Fragen: Wann feiert die etatmäßige Nummer eins des FC Bayern sein Comeback im Tor der Münchner - und fährt Neuer mit zur Fußball-WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli)?

Die erste Frage schien seit Mittwoch beantwortet. Jupp Heynckes erklärte dem kicker, Neuer werde in dieser Saison kein Spiel mehr für den FC Bayern machen. "Manuel wird gegen Stuttgart nicht spielen - und auch im Pokalfinale nicht", wurde te der 73-Jährige im kicker zitiert.

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Doch nun stellte Heynckes auf der klubeigenen Website klar, dass das nicht der Wahrheit entspreche. "Das habe ich so nicht gesagt. Tatsache ist, dass Manuel am Samstag beim letzten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart noch nicht im Kader stehen wird. Für das Pokalfinale ist die Entscheidung hingegen noch offen", so Heynckes.

Am Rande der Trikot-Vorstellung des FC Bayern hatte sich Neuer bereits am Dienstag geäußert. Seine WM-Teilnahme hängt nach Heynckes' Aussagen aber endgültig am seidenen Faden.

Als Nummer zwei zur WM?

"Das kann ich jetzt nicht sagen", antwortete Neuer auf die Frage, ob er zu 100 Prozent bei der WM dabei sein werde.

Er habe "einen sehr guten Austausch" mit Bundestrainer Joachim Löw und einen "engen Draht" zu Torwarttrainer Andreas Köpke. "Sie wissen über meinen Fitnesszustand und meinen Fuß Bescheid", sagte Neuer, der nach einem Fußbbruch seit September kein Spiel mehr bestritten hat, auf SPORT1-Nachfrage.

Der ebenfalls verletzte Teamkollege Jerome Boateng sandte beim selben Termin positive Signale ("Ich persönlich glaube nicht, dass die WM bei mir in Gefahr ist"). Neuer vermied in auffälliger Weise eine so tendenziell optimistische Äußerung.

Löw, der am kommenden Dienstag in Dortmund seinen vorläufigen WM-Kader benennen wird, plant zwar fest mit Neuer. Wegen der unklaren Lage wird er aber voraussichtlich neben seinem Kapitän und dessen bisherigem Stellvertreter Marc-Andre ter Stegen auch Bernd Leno und Kevin Trapp ins Trainingslager nach Südtirol (23. Mai bis 7. Juni) mitnehmen.

Neuer schloss zumindest nicht aus, dass er sich in Russland auch hinter ter Stegen auf die Bank setzen würde. "Man kann sich momentan alles vorstellen, weil man nicht weiß, wo das Ende ist bzw. was das Ende mit sich bringt", so der Keeper auf entsprechende SPORT1-Nachfrage.

WM ohne Spielpraxis nicht vorstellbar

Er wolle "in erster Linie fit sein und dann auch zufrieden sein mit meiner Leistung. Dann wird man sehen."

Was zum Knackpunkt werden könnte: Eine WM-Teilnahme ohne Spielpraxis ist für Neuer nach eigenen Angaben kaum vorstellbar. Doch neben dem Pokalfinale bleiben nur noch die Testspiele der Nationalmannschaft gegen Österreich (2. Juni) und Saudi-Arabien (8. Juni) übrig. Das könnte allerdings zu wenig sein.

Neuer will sich nicht aus der Ruhe bringen lassen

Nach einer Trainingspause wegen einer Schwellung im operierten linken Fuß hatte Neuer Ende der vergangenen Woche das Training wieder aufgenommen. Auch am Dienstag konnte er aber noch nicht das komplette Programm mit der Mannschaft absolvieren.

Neuer nahm aus dem Dienstagstraining allerdings erstmal "sehr positive" Eindrücke mit: "Alles hat vernünftig reagiert. Ich fühle mich wohl auf dem Platz und mit den Sachen, die ich mache und habe aktuell keine Probleme. Das ist ein sehr gutes Zeichen."

Unter Druck will Neuer sich in jedem Fall nicht setzen lassen: "Ich muss für mich, die Mannschaft und die Fußballrepublik Deutschland die richtige Entscheidung treffen. Da hilft es nicht, sich aus der Ruhe bringen zu lassen."

Ärger um Lewandowski kein Thema

Lob gab es von Neuer für seinen Vertreter Sven Ulreich, der nun auch gegen Stuttgart und Frankfurt spielen wird. "Ich bin wirklich stolz auf Ulle und er kann stolz auf sich sein. Er hat es perfekt gemacht", so Neuer: "Das war auch ein sehr beruhigendes Gefühl, weil wir eine erfolgreiche Saison gespielt haben."

Zu einem anderen heiklen Thema - der Personalie Robert Lewandowski - sagte Neuer nicht viel. Bei ihm sei der aktuelle Wirbel um den anscheinend wechselwilligen Stürmer kein Thema gewesen, "aber ich war natürlich auch nicht in der Kabine nach dem Spiel."

Am Dienstag habe das Team "ganz normal trainiert und darüber auch nicht gesprochen", so Neuer auf SPORT1-Nachfrage.

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