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München - Schon beim Start der neuen Bundesliga-Saison rückt der Videobeweis in den Fokus. Schiri Dankert sorgt für Zündstoff. SPORT1 bewertet die Aufreger-Szenen.

Gefühlt setzte der gesamte deutsche Fußball seine Hoffnungen in Bastian Dankert. 

Grund: Der gebürtige Schweriner war als Videoschiedsrichter bei der WM dabei. Er hat miterlebt, dass die Sache mit dem Videobeweis tatsächlich funktionieren kann, wenn sie denn professionell gemanagt wird.

Auch beim DFB waren sie zuversichtlich, das Erfolgsprojekt aus Russland in dieser Saison endlich auch auf die Bundesliga übertragen zu können. Dem Referee aus Rostock hatte man wohl nicht ohne Hintergedanken die Leitung der Auftaktpartie des FC Bayern München gegen die TSG Hoffenheim (3:1) anvertraut. Am Freitagabend jedoch holte auch ihn der triste Ligaalltag ein und bereits nach dem ersten Spiel der 56. Bundesliga-Saison ist die Umsetzung des Videobeweises das Thema. 

SPORT1 analysiert die Aufregerszenen des Bundesliga-Starts. 

- Elfmeter-Szene mit Ribery

Zumindest aus Hoffenheimer Sicht ein unstrittiger Zweikampf. Daher wären man auf Seiten der TSG auch nicht auf die Idee gekommen, dass das naive Tackling von Havard Nordtveit gegen Franck Ribery einen Strafstoß nach sich ziehen könnte (79.).

Die Gäste verkannten bei ihrer Beurteilung die Raffinesse des Bayern-Stars. Der Franzose sprang ab, sucht im richtigen Moment den Kontakt zum Gegenspieler und ließ sich in einem noch passenderen Augenblick fallen. Dankert war diese Abfolge ein Elfmeter wert.

Vermutlich bewertete der Unparteiische den Zweikampf in etwa so wie Thomas Müller nach dem Spiel: "Die Grätsche verhindert ganz klar das Weiterlaufen von Franck. So gesehen gibt es da keine zwei Meinungen."

Die Hoffenheimer sahen das anders und waren entsprechend erbost über Dankerts Pfiff. "Ribery springt halt eine halbe Stunde vorher. Wenn da Elfmeter gepfiffen wird, kann ich immer vorher abspringen", schimpfte Trainer Julian Nagelsmann.  

Alexander Rosen wartete vergeblich auf das Einschreiten von Video-Assistent Sascha Stegemann. "Ich glaube, da hätte sich jeder gewünscht, dass der Videoschiedsrichter eingreift", sagte der Sportdirektor im Gespräch mit SPORT1 nach Abpfiff. Man habe doch eine WM gesehen, so Rosen, bei dem der Videobeweis zu dem geworden sei, "was wir uns alle erhofft haben und dann sieht man das hier und heute". Rosen weiter: "Das ist einfach nur schade."

In seinen Worten klang Resignation mit. Doch war die Sache überhaupt so klar, wie sie sich für die Hoffenheimer darstellte?

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Bernd Heynemann wertet den Zweikampf zwischen Ribery und Nordtveit anders. "Eine 50:50-Situation. Wenn der Schiedsrichter ihn nicht pfeift, ist es okay. Wenn er ihn gibt, darf sich auch niemand beschweren", sagt er bei SPORT1

Eine Interpretation, die für die Beurteilung von Stegemann bei der strittigen Szene nicht unerheblich ist. "Die Entscheidung des Schiedsrichters war definitiv nicht klar falsch. Also darf sich der Videoassistent auch nicht einschalten", befindet Heynemann.

Zu einer ähnlichen Ansicht kommt man in der DFB-Schiedsrichterkommisson. Nordtveits Aktion gegen Ribery "als Foul zu bewerten, ist eine Interpretationsfrage, die beim Schiedsrichter bleibt", erklärte der Verband am Samstag in einem Statement. Die Entscheidung sei "durchaus als umstritten einzuordnen, aber nicht als klar und offensichtlich falsch".

- Wiederholung von Lewandowskis Strafstoß

Wenige Augenblicke nach dem Ribéry-Aufreger intervenierte man in Köln dann doch.

Arjen Robben war bei Lewandowskis Elfmeter-Ausführung zu früh in den Strafraum gelaufen, stand schon fast neben dem Schützen, als dieser zum Fehlschuss ansetzte.

Was Dankert und Linienrichter Rene Rohde entging, fiel Stegemann beim Studium der Zeitlupe auf: Robbens Nachschusstor durfte nicht zählen. 

Nagelsmann hätte zwar lieber mit Freistoß für seine Mannschaft fortgesetzt. Aber weil auch drei seiner Spieler zu früh in den Sechzehner liefen, ist eine solche Entscheidung eben nicht vom Regelwerk gedeckt. Daher wurde der Elfmeter wiederholt und Lewandowski traf zum 2:1.

Wenn der Elfmeter schon beanstandet wurde, dann war die einzige Möglichkeit, ihn wiederholen lassen. Heynemann prangert den Umgang mit dieser Szene trotzdem an. "Das Reinlaufen bei Elfmetern haben wir zwei Jahre völlig schleifen lassen. Und jetzt wird das plötzlich auf Ansage des Videoschiedsrichters geahndet", sagt der SPORT1-Schiri-Experte: "Diese Umstellung ist zu extrem."

Auf die Führung der Bayern mag das keine Auswirkung gehabt haben. Sehr wohl aber auf die Wahrnehmung der Zuschauer. Als Dankert zum Monitor lief, um Robbens Aktion selbst zu inspizieren, dachten viele Fans, er überprüfe noch mal das Foul an Ribery. 

Von der Transparenz-Offensive in Stadien, welche die DFL in Aussicht gestellt hatte, ist weiterhin kaum etwas zu sehen. Sah auch Leon Goretzka so: „Das war keine Werbung für den Videoschiri. Alle haben gehofft, dass das in der Sommerpause überarbeitet wurde und mehr Klarheit herrscht. Das war aber nicht der Fall." Was der Bayern-Neuzugang aus Schalke kritisiert: "Es ist immer noch nicht klar, wann er eingreift. Auf dem Platz ist eine Ungewissheit. Das ist nicht gut. 

- Müllers aberkanntes Handtor

Die leidige Diskussion: Was ist Handspiel und was nicht? Thomas Müller wurde in dieser Sache unverhofft zum Vorführobjekt. 

Leon Goretzka traf mit seinem Distanzschuss den Arm seines Mitspielers. Von dort sprang der Ball ins Tor (86.). Wieder schaltete sich Stegemann ein und empfahl Dankert die Ansicht der Zeitlupe. Gemeinsam entschied das Duo: Der Treffer zählt nicht.

"Die Handregel kapiere ich sowieso nicht", gestand Alexander Rosen. "Da entscheidet eh jeder, was er will."

Und was sagt Thomas Müller? „Man kann das Handtor von der Regel her theoretisch auch zählen lassen. Der Schiri wollte das Spiel durch so eine Situation dann vielleicht auch nicht entscheiden. So hatte er auf jeden Fall keinen Ärger. Solange wir den Videobeweis haben, müssen wir ihn schützen. Ich denke, er wurde gut umgesetzt. Auch, wenn die Entscheidungen knifflig waren", so der Nationalspieler. 

Joshua Kimmich verriet bei SPORT1: "Bei der Videoschulung haben sie uns gesagt, dass sie ein Handspiel von einem Stürmer eher mal abpfeifen. Von daher kann ich es verstehen."  

Bernd Heynemann hätte das Tor dennoch nicht aberkannt. "Es lag keine unnatürliche Handbewegung vor. Die Körperfläche hat sich nicht vergrößert. Zurückhaltung wäre angebracht gewesen", sagt der Ex-Schiedsrichter.

Die Bundesliga und der Videobeweis – ein Thema, was auch diese Saison für Gesprächsstoff sorgen wird. 

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