Weinzierl: Was ich beim Praktikum von Guardiola gelernt habe
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München und Stuttgart - Markus Weinzierl soll der Retter des abstiegsbedrohten VfB Stuttgart werden. Doch hat er überhaupt das Zeug dazu? SPORT1 macht den Trainer-Check.

Auf die Mission Abstiegskampf hat sich Markus Weinzierl bei einem Meistertrainer vorbereitet. 

Bevor der VfB Stuttgart mit einem Jobangebot auf ihn zu kam, absolvierte der Coach ein Praktikum bei Pep Guardiola und Manchester City. Eine in jeder Hinsicht ergiebige Zeit. 

"Bei Pep war es wunderbar. Er ist ein toller Mensch und Trainer", sagte Weinzierl am Mittwoch bei seiner Vorstellung. Und dann folgte der Satz, von dem sie sich in Stuttgart einiges versprechen: "Da kannst du bei jedem Gespräch etwas mitnehmen."

Ob Weinzierl beim VfB zum Retter werden kann, wird auch entscheidend davon abhängen, inwieweit er sich seit seiner erfolglosen Zeit beim FC Schalke weiterentwickelt hat.

SPORT1 macht den Trainercheck.

Weinzierl in Stuttgart Garant für Punkte?

In dieser Hinsicht hätte der VfB Tayfun Korkut eigentlich nicht entlassen dürfen. 

Der geschasste Trainer hat seit Ende Januar im Schnitt 1,64 Punkte pro Partie gesammelt. Sein Pech: Dazwischen lag die Sommerpause.

Auf eine ganze Saison gerechnet wären Korkut und Stuttgart mit dieser Ausbeute vergangenes Jahr in die Champions League eingezogen. 

In dieser Hinsicht kann Weinzierl zwar nicht mithalten. Beim FC Augsburg (1,12 Punkte pro Spiel) und auf Schalke (1,26) hat er aber statistisch gesehen immerhin mehr Zähler geholt als Korkut seit Saisonbeginn (0,71). 

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Stabiles System wird zum wichtigen Faktor

Der erfolgreiche Fußball, den die Augsburger zu Weinzierls Zeiten spielten, war auch das Resultat seines konsequenten 4-1-4-1-Systems. Übrigens die Formation, die Pep Guardiola auch am liebsten hat.

Weinzierl agierte seinerzeit durchgehend mit einem Sechser - und wurde dafür belohnt. SPORT1-Experte Olaf Thon erklärt: "Weinzierl ist ein moderner Trainer, wenngleich er auf Schalke Probleme hatte".

Bei den Königsblauen sah die Sache mit der Systemtreue nämlich anders aus.

Weinzierl ließ zunächst mit einer Viererkette spielen. Als der Saisonstart missriet, stellte er auf Dreierkette um, nur um gegen Saisonende wieder zu der bewährten Formation zurückzukehren. Sicherheit gab das seiner Mannschaft nicht.

Schalke war ungewöhnlich anfällig für schnelle Gegenangriffe, kassierte unter Weinzierl zehn Kontertore. 

Zu einer Zeit, als sich das vorzeitige Ende des Trainers abzeichnete, sagte Manager Christian Heidel einmal: "Ich möchte, dass die Mannschaft ein klares Konzept auf dem Platz zeigt. Ich habe es nicht erkannt."

Großer Trumpf: Das Spiel über die Flügel

Zum Dienstantritt lieferte Weinzierl gleich einen Vorgeschmack darauf, wie er mit dem VfB zu spielen gedenkt. 

"Wir wollen über die Außen und über die Zehner-Position nach vorne kommen", sagte er. "Wenn ich einen Mario Gomez vorne drin habe, müssen natürlich so viele Bälle wie möglich in den Strafraum rein." 

Die Statistik zeigt: Weinzierls Mannschaften waren immer dann stark, wenn sie über die Flügel kamen. Augsburg in der Saison 2015/16 (9) und Schalke (12) erzielten unter ihm ligaweit jeweils die drittmeisten Treffer nach Flanken.

Wie nötig der VfB diese Stärken hat, verdeutlicht auch der Fakt, dass die Schwaben in dieser Spielzeit erst ein Treffer nach Hereingaben erzielt haben.

Von außen kontert es sich außerdem leichter. Weinzierl ist jemand, der von Zeit zu Zeit auch überfallartige Gegenangriffe anordnet. In Augsburg sprangen auf diese Weise sieben, auf Schalke sechs Treffer heraus. 

Zum Vergleich: Stuttgart hat in der laufenden Spielzeit erst ein Kontertor erzielt. Da gibt es sicherlich Steigerungspotenzial.

Standards als Geheimwaffe

Zu Augsburger Zeiten war Weinzierls Team bei ruhendem Ball stets gefährlich. Knapp ein Drittel aller Treffer (31 Prozent) erzielte der FCA in der Spielzeit 2015/16 nach Eckbällen und Freistößen. 

Der VfB steht aktuell bei einem Wert von 17 Prozent. Auch in diesem Bereich kann Weinzierl also Expertise einfließen lassen.

Was er wohl in jedem Fall braucht, um Stuttgart nachhaltig voranzubringen, ist Vertrauen der Verantwortlichen und eine Schonfrist.

"Der VfB muss ihn auch machen lassen", sagt SPORT1-Experte Thon. "Ich bin ein Verfechter davon, einem Trainer ein Jahr Zeit zu geben."

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