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München - Nach dem Sieg gegen Leipzig liegt der FC Bayern nur noch sechs Punkte hinter Tabellenführer Borussia Dortmund und wittert im Titelrennen wieder Morgenluft.

"Wir sind wieder da, wir sind wieder da!"

Diesen Schlachtruf skandierten nicht die Fans des FC Bayern nach dem 1:0-Sieg gegen RB Leipzig am Mittwochabend. Es war Thomas Müller auf dem Weg durch die Katakomben der Münchner Allianz Arena.

Nicht nur die Töne haben sich in München in den vergangenen Wochen zum Positiven gewendet, sondern auch das Tabellenbild.

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SPORT1 erklärt, warum Dortmund jetzt wieder vor den Bayern zittern muss!

- Nur noch sechs Punkte Rückstand

Die 1:2-Pleite von Tabellenführer BVB bei Fortuna Düsseldorf am Tag zuvor bezeichnete Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge als "Steilvorlage". Diese habe die Mannschaft "aufgenommen". So, wie es "bei Bayern München eigentlich immer der Fall gewesen" sei, erklärte Rummenigge auf SPORT1-Nachfrage.

Nun beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Dortmund nur noch sechs Punkte, mit dem Tabellenzweiten aus Gladbach ist der Rekordmeister punktgleich. Die schwarz-gelbe Borussia ist wieder in Sichtweite.

Brisant: Am heutigen Freitag erwartet Dortmund ausgerechnet die Fohlenelf, Bayern muss am Samstag bei Eintracht Frankfurt bestehen. (Bundesliga: Eintracht Frankfurt - FC Bayern am Samstag ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

"Wir müssen unsere Hausaufgaben erledigen”, machte Manuel Neuer klar. Dann komme der FC Bayern "entweder vor Gladbach oder näher an Dortmund ran".

Laut Joshua Kimmich sind "sechs Punkte Rückstand schon anders als neun". Müller machte deutlich, dass es sich für den BVB natürlich nicht gut anfühle, "wenn man verliert und der Gegner gewinnt". Die Bayern wollen laut Müller nun "den Druck weiter erhöhen".

Das Momentum scheint auf Bayern-Seite zu sein. Das hart erkämpfte 1:0 gegen Leipzig war der 4. Bundesliga-Sieg in Folge und das dritte Spiel hintereinander ohne Gegentor.

- Mannschaftliche Geschlossenheit

Trotz aller persönlichen Befindlichkeiten geben sich die Münchner Stars derzeit größte Mühe, Geschlossenheit zu demonstrieren. Unzufriedene Spieler gibt es zwar immer noch (u.a. Javi Martinez, Sandro Wagner, Mats Hummels, James Rodriguez). Aber momentan scheint sich jeder dem Erfolg unterzuordnen.

Zuletzt drangen auch weniger Interna nach außen - ein Indiz dafür, dass die Gespräche zwischen den Bossen, dem Trainerteam und den Spielern zu fruchten scheinen.

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Auffällig war am Mittwochabend, wie sich der gesamte Kader über den Siegtreffer von Franck Ribery freute. Die Ersatzspieler rannten zu Neuer auf den Platz und feierten.

Auch bei den Verantwortlichen auf der Bank gab es kein Halten mehr. Sportdirektor Hasan Salihamidzic riss vor Freude sekundenlang Trainer Niko Kovac an sich. "Es war emotional beim Tor. Das hat richtig Spaß gemacht", beschrieb Leon Goretzka den Moment.

- Transfer-Offensive

Dass die Bayern spätestens im Sommer 2019 den großen Umbruch vollziehen werden, ist bekannt. Wintertransfers hatten Präsident Uli Hoeneß und Kovac eigentlich ausgeschlossen. Lediglich Salihamidzic hielt sich ein Hintertürchen für Neuzugänge offen.

Nun liegt die Personalie Lucas Hernandez von Atletico Madrid auf dem Tisch. Für die spanische Zeitung Marca ist der Wechsel des 22-jährigen im Januar beschlossene Sache.

Hernandez soll einer Offerte der Bayern bereits zugestimmt haben. Das hat Marca-Reporter David Garcia Medina, der als Experte für Atletico gilt und enge Beziehungen zu Hernandez und dessen Umfeld haben soll, dem Radiosender Onda Cero erklärt. 

Die Bayern und Atletico dementierten aber eine Einigung. Vor allem Rummenigge ("Wir sind in der Überlegungsphase. Ich dementiere nicht, ich kann es auch nicht bestätigen") ließ aber erkennen, dass diese Personalie in München eine heiße ist.

Atletico-Sportdirektor Andrea Berta bestätigte gegenüber SPORT1, dass dessen Ausstiegsklausel 85 Millionen Euro beträgt.

Kovac hielt sich auf der Pressekonferenz am Freitag ebenfalls weitgehend bedeckt: "Brazzo hat es gesagt: Wenn wir der Meinung sind, dass wir den Klub verstärken können, dann werden wir was tun. Aber es muss alles passen. Am Ende der Wechselperiode wissen wir mehr. Wir brauchen immer Qualität, aber wir haben auch welche. Ich bin mit der Mannschaft zufrieden - wenn noch einer dazukommt, wird das einer sein, der Qualität mitbringt."

Fakt ist: Die Münchner wollen sich in der Defensive verstärken. Mit dem Weltmeister bekämen sie einen Spieler, der als Linksverteidiger starke Leistungen in der französischen Nationalmannschaft zeigt (15 Länderspiele/0 Tore) – und als Innenverteidiger (mit nur 1,82 Meter) im Verein.

Zudem wäre es für die Bayern und die Bundesliga ein Rekord-Transfer und das klare Zeichen an Dortmund, dass die Münchner bereits zur Rückrunde voll angreifen.

- Bayern-Dusel wieder da

Der Rekordmeister brannte gegen defensivstarke Leipziger kein Feuerwerk ab und tat sich in der Offensive schwer. Solch ein Spiel hätten die Bayern aber vor ein paar Wochen in ihrer sportlichen Krise möglicherweise nicht für sich entschieden.

"Wir haben uns das Glück im Moment ein bisschen zurückerarbeitet", sagte Goretzka auf SPORT1-Nachfrage.

"Für die Zuschauer war es eher ein Murks-Kick", gab Kimmich zu. "Wir haben es nicht geschafft, das Spiel zu kontrollieren. Wir müssen noch mehr Selbstvertrauen gewinnen, wenn wir Deutscher Meister werden wollen."

Auch wenn der Rechtsverteidiger da richtig liegt, geht die Kovac-Elf aus solchen Spielen gestärkt hervor. Denn bis zur Winterpause gilt es ohnehin nur, mit aller Macht den Abstand nach oben zu verkürzen.

Gelingt das, spricht wenig gegen eine erfolgreiche Fortsetzung der Aufholjagd im neuen Jahr - wenn die Münchner von weiterem Verletzungspech verschont bleiben. 

Dann wird Müller womöglich auch im Mai skandierend durch die Gegend laufen.

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