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München - Mit Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels werden drei Bayern-Spieler im Nationalteam ausgemustert. Welche Folgen hat das für den FC Bayern?

Das plötzliche Nationalelf-Ende hat beim FC Bayern deutliche Spuren hinterlassen. Nach Thomas Müller hat sich nun auch Mats Hummels öffentlich zu Wort gemeldet – und Bundestrainer Jogi Löw für dessen taktloses Vorgehen kritisiert.

Jerome Boateng hatte sich bereits am Tag der Bekanntgabe zurückhaltend und respektvoll geäußert, sich aber "einen anderen Abschied für uns gewünscht". Auf ein weiteres öffentliches und kritisches Statement verzichtete Boateng bislang.

Für die Münchner gilt es nun aber vor allem, sich dem Alltagsgeschehen zu widmen. Schließlich kann der Rekordmeister mit einem Sieg im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr: FC Bayern München - VfL Wolfsburg im LIVETICKER) die Tabellenspitze in der Bundesliga zurückerobern.

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Viele Fragen jedoch stehen noch aus. SPORT1 beantwortet sie.

Kann man noch eine Stellungnahme von Uli Hoeneß erwarten?

Ja. Der Bayern-Präsident sagte am Donnerstag am Rande des Euroleague-Spiels des FC Bayern Basketball nur, dass "einige Dinge nicht so gut gelaufen" seien. Weiter werde sich vorerst nicht äußern, "bis unsere wichtigen Spiele vorbei sind", so Hoeneß, der entspannt wirkte.

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Doch dann "wird es schon mal noch einen Kommentar geben". Er müsse sich noch "eine richtige Antwort" überlegen, ergänzte Hoeneß

Dass drei Bayern-Stars auf einen Streich vom Bundestrainer in den eigenen Büroräumen an der Säbener Straße aus der DFB-Elf verbannt werden, hat selbst Hoeneß in all den Jahren noch nicht erlebt. Er wird es sich wohl nicht nehmen lassen, sich spätestens nach den entscheidenden Wochen öffentlich und demonstrativ vor seine Spieler zu stellen.

Das erste Statement des FC Bayern war im Namen von Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic verfasst worden.

Profitiert der FC Bayern von Löws Entscheidung?

Aus marketingtechnischer Sicht keinesfalls. Die Bayern sind weltweites Zugpferd für den deutschen Fußball, definieren sich seit jeher darüber, dass sie das Gerüst der Nationalmannschaft stellen.

Nun hat der Rekordmeister drei deutsche weltweit bekannte Nationalspieler weniger. Das könnte dem Image der Münchner schaden. Allerdings: Mit Manuel Neuer, Niklas Süle, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry stellen sie noch immer den Großteil von Spielern des DFB-Kaders.

Sportlich gesehen bekommen drei wichtige Spieler, von denen sich derzeit allerdings nur Hummels als Stammspieler bezeichnen kann, nun aber deutlich mehr Ruhepausen und können sich voll auf ihren Bayern-Job konzentrieren. Alle drei waren aber stets stolze Nationalspieler und hätten die Belastungen gern weiterhin auf sich genommen.

Fallen Hummels, Boateng und Müller nun in ein mentales Loch?

Davon ist nicht auszugehen. Alle drei Spieler sind von der Art und Weise, wie sie der Bundestrainer aus der Nationalelf verbannte, zwar immer noch maßlos enttäuscht – und werden es auch noch Tage, vielleicht Wochen und Monate sein.

Alle drei sind aber fest gewillt, Löw zu beweisen, dass sie noch immer Topleistungen abrufen können, wenngleich sie eine schwierige Saison hinter sich haben. Müller betonte dies auch in seiner Video-Botschaft, sagte, dass er "nach vorne schauen werde" und versicherte: "Wir haben jetzt mit dem FC Bayern eine ganz heiße Saisonphase, in der wir noch um alle drei Titel mitspielen. Und in diesem Sinne möchte ich euch sagen: Das Spiel ist noch nicht aus."

Kovac dazu am Donnerstag: "Die kurze Enttäuschung ist verstrichen, sodass sie weiter ihre Leistungen bringen können." Nach SPORT1-Informationen brennt vor allem Hummels darauf, gegen den FC Liverpool am kommenden Mittwoch eine Topleistung abzurufen. Müller ist in diesem Spiel rotgesperrt. Ein Startelfeinsatz von Boateng ist unwahrscheinlich, wenngleich auch er versicherte, dass er noch auf höchstem Niveau spielen könne und das auch in Zukunft zeigen wolle.

Lässt Kovac seine drei Sorgenkinder gegen Wolfsburg auflaufen?

Stünde vier Tage später nicht das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Liverpool an, wäre das durchaus möglich. Grund: Kovac ist dafür bekannt, menschliche Größe zeigen zu können.

Gegen Wolfsburg ist es aber wahrscheinlich, dass er seine Wunsch-Formation für das Liverpool-Spiel testet. Heißt: Mit Süle neben Hummels und dem wiedergenesenen Franck Ribery auf den Flügeln. Müller spielte bei Borussia Mönchengladbach (5:1) zuletzt zwar stark, aber er ist im Rückspiel gesperrt. Da Kingsley Coman gegen den VfL ausfällt, dürfte sich Ribery beweisen können.

Vor dem Hinspiel gegen Liverpool (0:0) ließ Kovac übrigens auch seine Königsklassen-Elf zuvor in der Bundesliga auflaufen. Bis auf Javi Martinez, der in Anfield für den verletzten Goretzka in die Startelf rutschte, startete in Augsburg (3:2) die gleiche Elf wie gegen Klopps Team. Allerdings: Alle drei Spieler zählen nicht unbedingt zu Kovac-Befürwortern. Ließe Kovac sie aber demonstrativ gegen Wolfsburg spielen, dürfte ihm das bei ihnen gewiss Respekt und Dankbarkeit einbringen.

Bleiben alle drei Spieler den Bayern kommende Saison erhalten?

Unwahrscheinlich. Zwar sind Hummels, Boateng und Müller allesamt noch bis 2021 an den Verein gebunden. Ein Innenverteidiger dürfte die Bayern im Sommer aber verlassen, zumal Benjamin Pavard (der auch Rechtsverteidiger spielen kann) für eben jene Position bereits vom VfB Stuttgart verpflichtet wurde und Lucas Hernandez von Atletico Madrid noch kommen soll.

Dass Ur-Bayer Müller (seit 2000 im Verein) wechselt, wäre den Fans nur schwer zu vermitteln.  Es sei denn, die Münchner Identifikationsfigur will sich selbst nochmal verändern.

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