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München - Auf Schalke herrscht Alarm: Abstiegskampf ist angesagt, Interimstrainer Huub Stevens soll den Karren aus dem Dreck holen. SPORT1 beleuchtet die Situation bei Königsblau.

Vor den letzten acht Spieltagen beleuchtet SPORT1 in einer kleinen Serie die Brennpunkte der Bundesliga. Den Anfang macht der in akute Abstiegsnot gestürzte Vizemeister FC Schalke 04.

Ausgangslage:

Nach der überraschenden Vizemeisterschaft in der Vorsaison ging man auf Schalke mit großer Euphorie in die neue Spielzeit. Dann folgte ein katastrophaler Fehlstart. Erst am sechsten Spieltag konnte Königsblau die ersten Punkte einfahren.

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Wer gehofft hatte, dass der Dreier gegen den FSV Mainz 05 die Trendwende darstellte, sah sich getäuscht. Bezeichnend: Die beste Saisonplatzierung erreichten die Schalker am ersten Spieltag mit Platz elf. Kein einziges Mal fand sich der Vizemeister in der oberen Tabellenregion wieder. Die Hinrunde wurde auf Platz 13 beendet.

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Auch in der Rückrunde trat keine Besserung ein. Der bisher letzte Sieg in der Bundesliga datiert aus dem Januar, ein 2:1 zum Rückrundenauftakt gegen den VfL Wolfsburg. Aus den vergangenen sechs Bundesligaspielen gab es nur einen Punkt.

Zwar stand Schalke seit dem neunten Spieltag nie auf einen Abstiegsplatz, jedoch ist das größtenteils dem Unvermögen der Konkurrenz aus Hannover, Stuttgart und Nürnberg zu verdanken. Doch die Lage wird immer ernster. Drei Punkte trennen Schalke nur noch vom Relegationsplatz.

Stimmung:

In den vergangenen Wochen war Königsblau ein Pulverfass. Nicht nur, dass der sportliche Erfolg ausblieb: Vor allem die Art und Weise des Auftritts der Mannschaft störte die eigenen Fans. Nach dem 0:4-Debakel gegen Fortuna Düsseldorf Anfang März hatten die Fans genug und forderten die Kapitänsbinde, die sie der Mannschaft überreicht hatten, wieder ein.

Zudem gab es immer wieder Gerüchte, dass sich die Stimmung der Mannschaft immer mehr gegen den schließlich beurlaubten Trainer Domenico Tedesco gerichtet haben soll.

Interimstrainer Huub Stevens war bei seinem ersten Auftritt bei RB Leipzig trotz Niederlage zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Die Stimmung bleibt dennoch im Keller. "Wir sind alle enttäuscht. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht gerne verliere", erklärte der 65-Jährige nach dem Spiel.

Personalsituation:

In der Vereinsführung ging es in den vergangenen Wochen Schlag auf Schlag. Ende Februar trat Sportvorstand Christian Heidel zurück, ihn ersetzte Jochen Schneider. Dieser entließ dann vor zwei Wochen Trainer Tedesco. Huub Stevens übernahm im Verbund mit Mike Büskens bis zum Saisonende.

Mit Daniel Caligiuri fällt der in dieser Spielzeit vielleicht beste Schalker mit Syndesmoseriss aus. Mit ihm wird erst Ende April wieder gerechnet. Für Alessandro Schöpf ist die Saison beendet, auch Amine Harit fällt noch länger aus. Guido Burgstaller sagte aufgrund einer Zahnoperation die Länderspielreise zu Österreichs Nationalmannschaft ab.

Zudem verletzte sich auch noch Weston McKennie. Der US-Amerikaner erlitt im Länderspiel gegen Ecuador einen Außenbandriss im Sprunggelenk, wie Schalke am Montag mitteilte. Die genaue Ausfallzeit ist nicht bekannt, es wird jedoch mit einigen Wochen gerechnet.

Kurz vor Ende seiner Amtszeit hatte Tedesco auf Schalke noch einmal durchgegriffen und Mark Uth, Amine Harit und Hamza Mendyl aus dem Kader gestrichen. Unter Stevens bekamen die Spieler eine neue Chance. Uth stand in der Startelf, Mendyl saß zumindest auf der Bank, Harit fehlte verletzt.

Und noch einer bekam eine neue Chance: Sebastian Rudy, der Schalker Königstransfer, der bisher überhaupt noch nicht überzeugen konnte, stand gegen Leipzig in der Startelf. "Ich hoffe, dass es mit meiner Leistung nun nach oben geht und ich zeigen kann, was ich drauf habe", erklärte Rudy nach dem Spiel.

Nabil Bentaleb spielt dagegen vorerst keine Rolle. Er wurde wenige Tage nach Stevens' Amtsantritt aufgrund einer "disziplinarischen Verfehlung" zur U23 verbannt. Grund: Zum Bundesliga-Spiel gegen Leipzig tauchte der 24-Jährige, anders als seine verletzten Kollegen, nicht auf der Tribüne als Zuschauer auf - und dies entgegen der Ansage von Trainer Stevens ("Wir machen alles zusammen").

Bentaleb rechtfertigte das Fehlen zwar mit der Geburt seiner Zwillinge, an der Entscheidung seines Trainers ändert das aber vorerst nichts.

Ein positives Zeichen in der schwierigen Situation: Angreifer Guido Burgstaller verlängerte am Dienstag seinen 2020 auslaufenden Vertrag bei den Knappen bis 2022. 

Restprogramm:

Hannover 96 (A)
Eintracht Frankfurt (H)
1. FC Nürnberg (A)
TSG 1899 Hoffenheim (H)
Borussia Dortmund (A)
FC Augsburg (H)
Bayer 04 Leverkusen (A)
VfB Stuttgart (H)

Darauf kommt es im Saisonendspurt an:

Für Schalke geht es nur noch um eins: den Klassenerhalt. Das wollte lange Zeit auf Schalke niemand hören, auch Tedesco gestand erst Anfang März ein, dass sich Schalke im Abstiegskampf befindet.

Die Verantwortlichen haben den Ernst der Lage erkannt und reagiert, wenn auch sehr spät. Jetzt ist es an Stevens und Büskens, das auch den Spielern einzutrichtern. Die Devise: Die Malocher-Mentalität ist aktuell wichtiger denn je.

Einen möglicherweise entscheidenden Trumpf hat Schalke in der Hinterhand. Alle drei Mannschaften, die in der Tabelle hinter den Königsblauen postiert sind, müssen noch gegen das Stevens-Team antreten. Am Sonntag gastiert Schalke bei Hannover 96. Eine Niederlage - und das Zittern geht erst so richtig los.

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