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München - Marcel Reif analysiert in seiner SPORT1-Kolumne das Titelduell. Beim BVB hat sich Favre vercoacht. Beim FC Bayern droht trotz des 5:0-Erfolgs noch Ärger.

Hallo Fußball-Freunde,

das Titelduell zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund war eine klare Angelegenheit. Unser großes Glück: Das Titelrennen bleibt bei nur einem Punkt Unterschied an der Tabellenspitze dennoch spannend. (Service: Bundesliga-Tabelle)

Allerdings muss der BVB dringend in die Aufarbeitung dieser derben Klatsche übergehen. Die Fragen sind: Was wollen wir? Wer sind wir? Sie haben sich selbst in eine Ecke manövriert und die Bayern haben sie richtig zugenagelt. Bis jetzt hatten sie nur etwas zu gewinnen und nichts zu verlieren - gestern war es anders und dann kommt so ein Spiel dabei heraus.

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Dortmund hat gespielt wie Bayern gegen Liverpool: Sie haben auf ihre Stärken verzichtet. Bisher haben sie es sehr gut gemacht in dieser Saison. Gestern hatte man jedoch das Gefühl, dass es eine Druckaufstellung war.

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Dabei kann es doch kein einfacheres Spiel als in dieser Konstellation gegen die Bayern geben. Und dennoch waren da viele selbst gemachte Probleme beim BVB. Die Personalien Marco Reus und Mario Götze verdeutlichen dies. Wir sagen ständig: "Ohne Reus haben sie ein Problem." Und dann stellt Trainer Lucien Favre ihn dahin, wo er nicht die Stärke hat wie auf der Zehn. Und wenn du Götze in so einem Spiel nicht aufstellst, dann verlierst du eben vorher schon.

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Des einen Trainers Leid ist des anderen Freud'. Niko Kovac musste liefern und hat geliefert.

Dass sich der Coach des deutschen Rekordmeisters anschließend gegen vermeintlich ungerechtfertigte Kritik wehrt, kann ich verstehen. Er ist ein super Typ, ein ausgesprochen angenehmer Vertreter dieser Branche. Aber es ist doch kein Wunder, dass er kritisch gesehen wird: Er ist Trainer von Bayern München! (Alle Stimmen zum Spiel)

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Wenn du die Bayern trainierst, wirst du an Ergebnissen gemessen. Das ist auch für Kovac ein Lernprozess. So ein Spiel wie das Heimspiel gegen Liverpool muss er sich vorhalten lassen. Das muss man dann schon kritisieren dürfen: Es ist Viertelfinale und der FC Bayern schaut sich das vorm Fernseher an.

Auch die Mannschaft hat es Kovac nicht immer leicht gemacht. Da gab es einige Dinge, die gehören sich ebenso wenig wie das, was mancher Journalist so gemacht hat. Jüngstes Beispiel ist die Party von Jerome Boateng. Wenn der Boulevard so eine Geschichte nicht aufnimmt, dann machen die ihren Job nicht.

Mit der Ankündigung dieser Party ist Boateng völlig raus aus dem Mannschaftsgefüge. Klar, bei 5:0 fühlt sich dann alles okay an. Doch wenn sie nicht gewonnen hätten, hätte diese Party-Aktion noch für Gesprächsstoff gesorgt - und so oder so ist das für das Binnenverhältnis nicht gut.

Auch sportlich dürfte es um Boateng noch unruhig werden. Nach dem Aus in der Nationalmannschaft wird ihm und Mats Hummels obendrein im Verein gesagt, dass sie den zweiten Innenverteidigerplatz neben Niklas Süle ausspielen. Das ist für einen Weltmeister nicht leicht zu schlucken, keine Frage.

Aber wie geht Hummels damit um? Seine Leistung gegen den BVB, gekrönt durch das Kopfballtor, war eine Demonstration an Bundestrainer Joachim Löw und den Rest der Welt: Hier ist der alte Mann, der zeigt euch, wie man Tore macht und Zweikämpfe gewinnt.

Während Hummels so klar und fokussiert wie schon lange nicht mehr auftritt, bereitet mir Boateng eher Sorgen. Ich glaube, dass das Verhältnis Jerome Boateng und FC Bayern auf einem Tiefstand ist - und dass der FC Bayern mit Jerome Boateng in den nächsten Wochen ein Problem haben wird …

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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