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München - Nach dem Abstieg des VfB Stuttgart spricht jetzt Ex-Profi Thomas Berthold bei SPORT1 über den Niedergang der Schwaben. Er selbst könnte sich vorstellen zu helfen.

Nicht nur viele Fans des VfB Stuttgart sind nach dem Abstieg des Traditionsklubs wütend - auch der frühere VfB-Profi Thomas Berthold geht mit den Schwaben hart ins Gericht  

"Das ist schon sehr traurig, dass dieser Verein jetzt abgestiegen ist, es gibt nur Verlierer. Der Abstieg ist katastrophal für das Image des Klubs", sagt der 50-Jährige im Gespräch mit SPORT1 - und er sieht die Ursachen der Fehlentwicklung in der Vereinsspitze. 

"Ich brauche in einem Unternehmen, das Fußball verkauft, in den obersten Entscheidungsgremien Leute, die dieses Geschäft verstehen. Es fehlt an Fußballsachverstand und Stallgeruch. Dann entscheiden leider Leute aus der Wirtschaft oder aus der Politik, wer Trainer oder Sportdirektor wird."

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Berthold rät Dietrich zum Rücktritt

Die Meinung vieler VfB-Fans, die Präsident Wolfgang Dietrich als Sündenbock des Abstiegs sehen, teilt Berthold uneingeschränkt. "Dietrich hat diesen Klub gespalten. Es gab in Spielen, in denen es um viel ging, immer Unmutsäußerungen gegen ihn. Für eine Mannschaft in so einer prekären Lage ist das einfach schlecht. Und diese Spaltung war ein definitiver Nachteil."

Berthold, der von 1993 bis 2000 191 Bundesligaspiele für den VfB absolvierte, skizziert sogar ein Horrorszenario, falls gewisse Entwicklungen nicht aufgehalten werden: "Der VfB hat einfach ein Strukturproblem. Wenn da keine richtigen Strukturen reinkommen, dann wird der Verein in der Versenkung verschwinden." 

Entsprechend rät der frühere VfB-Star dem jetzigen Präsidenten, seinen Platz zu räumen. "Dietrich wäre gut beraten, jetzt die Konsequenzen zu ziehen, denn der Karren ist zu verfahren mit ihm. In der Sommerpause wächst da kein Gras drüber."

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Ein großes Problem sei es, "dass man immer von großen Zielen träumt. Doch die Frage ist: Wer hat überhaupt die Kompetenz, kann alles gut einschätzen und definiert diese Ziele?" Es fehle an klarem Sachverstand, betont Berthold. "Wenn man viele Leute ohne Fußball-Kompetenz hat, dann entstehen schnell leere Blasen." 

Auch Reschke bekommt Gegenwind

Neben Dietrich attackiert Berthold vor allem den früheren Sportvorstand Michael Reschke (jetzt Schalke 04). "Der VfB hatte immer eine gute Jugendarbeit. Und Reschke hat sofort darüber nachgedacht, die zweite Mannschaft abzuschaffen. Was bitte war das für ein Signal? Und das hat man auch noch zugelassen! Reschke durfte frei schalten und walten und es gab einen Totalschaden."

Geringere Schuld an der Misere gibt Berthold Sportvorstand Thomas Hitzlsperger - auch wenn das lange Festhalten am Trainer wohl ein Fehler war. "Markus Weinzierl hätte man vielleicht früher entlassen müssen, da bringt Nibelungen-Treue nichts. Aber Thomas Hitzlsperger ist ein unerfahrener Mann in dem Job."

Große Hoffnung hatte der Weltmeister von 1990 nach dem 2:2 in Stuttgart jedoch ohnehin nicht, dass der VfB im letzten Moment noch den Kopf aus der Schlinge ziehen könnte. "Nach dem Hinspiel ist das keine große Überraschung, dass der VfB abgestiegen ist", meint Berthold. "Wenn ich zu Hause 2:2 spiele und zwei Mal in Führung gehe, dann ist die Ausgangslage im Rückspiel nun mal sehr schwer."

"VfB hat ein Strukturproblem"

Einen großen Umbruch, wie er nach Abstiegen in der Regel ansteht, wird es nicht geben, glaubt Berthold. "Ich gehe davon aus, dass viele Spieler einen Vertrag für die 2. Liga haben. Es wird sich zeigen, wo die Reise hingeht. Das Entscheidende beim VfB ist, dass erstmal eine Philosophie definiert werden muss, wie man Fußball spielen will. Oft geht es doch zu wie auf einem Bazar, wo viel Geld verbrannt wird."

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Mario Gomez zählt zu denjenigen, die dem VfB auch in der 2. Liga die Treue halten möchten. "Mario will mithelfen, den sportlichen Schaden zu reparieren. In dieser Lage wird er den Verein nicht verlassen", sagte sein Berater Uli Ferber der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten.

Damit es mit dem VfB möglichst schnell wieder bergauf geht, würde Berthold gerne mit anpacken - allerdings unter einer Bedingung. "Als Aufsichtsratsvorsitzender vielleicht. Aber nur, wenn ich mitbestimmen dürfte, wer in dem Gremium mit dabei ist."

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