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München - Nach Hütter wechseln auch Rose und Glasner aus Österreich in die Bundesliga. Bei SPORT1 erklärt eine Legende aus der Alpenrepublik, was ihnen zuzutrauen ist.

Man kann durchaus von einem Trend sprechen.

Drei Bundesliga-Vereine werden in der nächsten Saison von Trainern betreut, die in den vergangenen Jahren erfolgreich in Österreich gearbeitet haben: Zu Adi Hütter, dem Trainer von Eintracht Frankfurt, kommen Oliver Glasner beim VfL Wolfsburg und Marco Rose bei Borussia Mönchengladbach.

Was steckt hinter dem Ösi-Boom? SPORT1 hat nachgefragt bei einem der erfolgreichsten Österreicher der Bundesliga-Geschichte.

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Toni Polster: Peter Stöger hat den Boom ausgelöst

"Es war schon immer so, dass Leute, die Leistung bringen, die Tür öffnen für andere", sagt Toni Polster: "Wir haben in Österreich eine gute Trainerausbildung und die Fußballlehrer, um die es geht, haben in Österreich absolut bewiesen, dass sie Qualität für die Bundesliga haben."

Der 55 Jahre alte Polster spielte von 1993 bis 2000 in Deutschland für den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Polster, der vor allem in Köln ein Kultstar war, ist der Nationalspieler, der nach Andreas Herzog die meisten Länderspiele (95) für Österreich auf dem Buckel hat.

Toni Polster schoss in 181 Bundesliga-Spielen für Köln und Gladbach 90 Tore
Toni Polster schoss in 181 Bundesliga-Spielen für Köln und Gladbach 90 Tore © Getty Images

Den Grundstein dafür, das österreichische Trainer jetzt im Trend sind, hat aus Polsters Sicht Peter Stöger gelegt. "So wie ich damals als Spieler die Tür für andere österreichische Spieler geöffnet habe", erinnert sich Polster, "hat das Stöger als Trainer gemacht. Er hatte viel Erfolg in Köln. Auch bei Borussia Dortmund war das absolut okay." Stöger habe vor allem in Köln "eine kleine Ära" geprägt. 

"Es ist ein kleiner Hype um unsere Trainer entstanden und natürlich freut uns das und macht uns stolz", meint Polster: "Die Bundesliga ist neben Spanien und England eine der besten Ligen in der Welt. Wenn wir da mehrere Trainer haben, die dort arbeiten, dann ist das eine tolle Sache."

Oliver Glasner ist "einiges zuzutrauen"

Was die Liga nun von den neuen, aus seiner Heimat gewechselten Coaches erwarten kann?

Glasner, ein sachlicher Typ, versprüht nicht unbedingt Glamour. "Dass er ein ruhiger Trainer ist, ist bestimmt kein Nachteil", findet Polster allerdings: "Wenn Rumhampeln und Schreien das Erfolgsrezept wären, dann würde es jeder machen. Glasner ist aber nicht immer ruhig, er kann auch mal losbrüllen. Ich traue ihm mit Wolfsburg einiges zu."

Der 44-Jährige war die zurückliegenden vier Jahre beim Linzer ASK tätig und soll ab der neuen Runde die überaus erfolgreiche Arbeit von Bruno Labbadia fortsetzen - die Niedersachsen qualifizierten sich in der abgelaufenen Spielzeit für die Europa League.

Glasner tritt für Polster daher "ein schweres Erbe" an, "aber er ist ein junger, ehrgeiziger Trainer, ein guter Typ. Er war viele Jahre ein sehr wertvoller Spieler bei Ried."

Marco Rose in Gladbach "gut aufgehoben"

Bei Marco Rose und Gladbach macht sich Polster überhaupt keine Sorgen. "Das passt. Die Borussia ist der richtige Verein für ihn, er hat sich das sicher gut überlegt", sagt er.

Der 42 Jahre alte Rose ist kein Österreicher, sondern gebürtiger Leipziger, doch er trainierte die vergangenen beiden Jahre Red Bull Salzburg mit großem Erfolg und führte den Klub ins Achtelfinale der Europa League. Vier Jahre zuvor war er für die U16 und U18 der Salzburger verantwortlich. Im April 2017 gewann Rose mit der U19 die UEFA Youth League.

Gladbach sei nun ein Arbeitgeber, "der langfristig mit einem Trainer plant und nicht gleich nach einigen erfolglosen Spielen nervös wird. Das finde ich prima. Da ist Rose gut aufgehoben."

Adi Hütter hat es vorgemacht

Den Sprung von Österreich nach Deutschland hat Adi Hütter zuletzt erfolgreich vorgemacht. Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic zauberte vor einem Jahr mit Hütter einen Coach aus dem Hut, der in Deutschland weitestgehend unbekannt war. Doch innerhalb einer Saison machte sich der 49-Jährige in der Bundesliga einen Namen und führte Eintracht Frankfurt bis ins Europa League-Halbfinale.

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Polster wünscht sich, dass Hütter, Glasner und Rose "auf lange Sicht genau den Erfolg haben wie Stöger einst in Köln". 

Ein weiterer Gedanke, den Polster an dieser Stelle noch loswerden will: "Ich hoffe, dass Stöger auch bald wieder einen Verein übernehmen wird."

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