Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

Andreas Herzog, ehemaliger Assistent von Jürgen Klinsmann, berichtet bei SPORT1 von der Arbeit mit dem Hertha-Coach. Viele Kritiker hätten ein falsches Bild.

Über die Sache mit dem "Performance Manager" ist auch der langjährige Weggefährte von Jürgen Klinsmann etwas amüsiert.

"Der Jürgen lebt halt schon sehr, sehr lange in Amerika – und mit englischen Ausdrücken klingt alles halt ein bisschen besser", erzählte Andreas Herzog am Sonntagmittag im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1: "Bei uns hat man früher Zeugwart gesagt, heute heißt das Equipment Manager, das beeindruckt dich natürlich mehr."

Herzog, fünf Jahre lang Co-Trainer Klinsmanns, als der Nationalcoach in den USA war, war eingeladen, um Einblicke in die Arbeit des neuen Trainers von Hertha BSC zu geben.

Anzeige

Der Weggefährte hatte ein paar launige Anekdoten aus den gemeinsamen Zeiten zu erzählen. Aber auch wissenswerte Details, um die viel diskutierte Philosophie des früheren DFB- und FC-Bayern-Coachs etwas besser zu verstehen.

Herzog widerspricht Klinsmann-Skeptikern

Nicht zum ersten Mal hat Klinsmann ja schon vor seiner Premiere, dem mit 1:2 verlorenen Bundesliga-Spiel gegen Borussia Dortmund, für viel Gesprächsstoff gesorgt: Der große Mitarbeiterstab, die englischen Begriffe, dass er Arne Friedrich "Performance Manager" nennt und Investor Lars Windhorst "committed" – manch einen beeindruckt das, viele andere neigen dazu, Klinsmann zu belächeln, als Blender abzutun.

DAZN gratis testen und internationale Fußball-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Herzog lächelt zwar auch ein bisschen, aber als Blender sieht er Klinsmann keineswegs.

"Leute, die sagen, dass Jürgen taktische Schwächen hat, das sind Leute von außen, die können mir viel erzählen", erwiderte er, als er mit entsprechenden Zuschauermeinungen im Dopafon konfrontiert wurde: "Ich sehe das ganz anders, denn ich habe fünf Jahre mit ihm zusammengearbeitet."

Fünf Jahre, in denen Herzog – das betonte er immer wieder – viel von seinem Freund und früheren Spielerkollegen beim FC Bayern gelernt hat. Vor allem auch beim Thema: Siegermentalität vermitteln.

"Überragend, wie er das angegangen ist"

"Ich bin Österreicher, wir haben jetzt ja nicht so viel gewonnen wie ihr Deutschen", wandte er sich in der Klinsmann-Diskussion an Moderator Thomas Helmer: "Aber in jeder Besprechung vor jedem Spiel – sei es gegen Brasilien, Mexiko oder Italien – bist du am Ende rausgegangen und hast gedacht: Du gewinnst das Spiel. Mit so einer Überzeugung, so einer Leidenschaft, so einer Power macht er die Mannschaft heiß: Das war überragend, wie er das angegangen ist."

Mit ebendieser Qualität könnte er auch Hertha BSC wertvolle Dienste leisten: "Aufbruchsstimmung erzeugen, Leidenschaft und Euphorie in die Mannschaft, in den Verein bringen" – das könnte Klinsmann wie kaum ein anderer.

Jens Lehmann, der Mann, den Klinsmann einst in der Nationalmannschaft anstelle von Oliver Kahn zur Nummer 1 gemacht ist, ergänzte an dieser Stelle, dass Klinsmanns Aura auch der Bundesliga als Ganzes guttue: "Die Strahlkraft, der Name, wie er sich und seinen Klub nach außen verkauft, das ist auch wichtig für so eine Stadt."

Jetzt das aktuelle Trikot des DFB-Teams bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

Herzog sieht es ähnlich. Er sei "felsenfest davon überzeugt", das Klinsmann den "schlafenden Riesen" in der Hauptstadt wecken wird.

Prominente Mitstreiter bei Hertha BSC

Der einstige Mittelfeldregisseur bei Werder Bremen und Bayern steht dabei nicht mehr an Klinsmanns Seite, der 51-Jährige ist nun Nationaltrainer von Israel.

Dafür setzt Klinsmann nun unter anderem auf den früheren Werder-Coach Alexander Nouri (der sich selbst auch schon in Klinsmanns Wahlheimat fortgebildet hat) – und eben Friedrich, seinen "Performance Manager".

Lehmann findet, dass Klinsmann da keine schlechte Wahl getroffen hat für diese Rolle, die wohl eine ähnliche ist, wie sie Sebastian Kehl als Teammanager des BVB ausfüllt. "Arne hat einen hohen Standard gehabt als Spieler" – den dürfte der frühere Hertha-Kapitän nun auch seinen Erben vermitteln.

Herzog: "Es macht unter ihm Riesenspaß"

Herzog ist überzeugt, dass Klinsmanns neue Helfer viel Freude an der Arbeit mit ihm haben werden. Gerade weil dieser – anders als viele andere Cheftrainer - starke Persönlichkeiten neben sich nicht nur toleriert, sondern ausdrücklich fördert und fordert.

Meistgelesene Artikel

"Er vertraut jedem, den er einstellt zu 100 Prozent", berichtete er: "Und es macht unter ihm Riesenspaß, selbst gestalten zu können, eigene Ideen einzubringen, Verantwortung zu übernehmen."

Jetzt aktuelle Sportbekleidung bestellen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE 

Herzog erinnerte sich an seinen ersten Arbeitstag an Klinsmanns Seite in den USA: "Ich stand daneben, hab mir Notizen gemacht, auch um die englischen Begriffe zu lernen – auf einmal dreht der Jürgen sich um und sagt: Andy, was machst du da eigentlich? Du übernimmst das Training! Und ich denke mir so: Leck mich am Oarsch!"

Letztlich sei Herzog aber genau daran gewachsen: "Ich hätte nicht fünf Jahre zusammen mit ihm gearbeitet, wenn ich nicht von seiner Arbeit überzeugt wäre."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image