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München - Schalke-Torwart Markus Schubert patzt kurz nach dem Anpfiff in München folgenschwer - und das ausgerechnet in der Woche, in der Alex Nübels Sperre abläuft.

Exakt fünf Minuten und 36 Sekunden waren im größten Spiel der bisherigen Profi-Karriere von Markus Schubert gespielt, als der Torhüter des FC Schalke 04 in der Münchner Allianz Arena wohl am liebsten die Zeit zurückgedreht hätte.

Thomas Müller hatte den Ball vom rechten Flügel in den Sechzehner geflankt, auf Höhe des zweiten Pfostens wagte sich Schubert aus seinem Kasten und machte sich mit dem rechten Arm so lang wie er nur konnte - aber eben nicht lang genug.

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Über seine Fingerspitzen tropfte der Ball zum dahinter lauernden Ivan Perisic, der ihn auf Anhieb wieder in die Mitte bugsierte. Schubert versuchte sein Missgeschick auszubügeln, fälschte den Ball aber genau vor die Füße von Robert Lewandowski ab.

Der ließ sich natürlich nicht zweimal bitten und traf zum 1:0 für den FC Bayern. Es war der Startschuss für eine Gala der Münchner, nach 90 Minuten hieß es 5:0 für die Hausherren.

Nübel-Sperre bei Schalke läuft ab

Ausgerechnet dort, wo Schuberts Noch-Kontrahent Alexander Nübel ab der kommenden Saison mehr oder weniger regelmäßig das Tor des Rekordmeisters hüten soll, leistete sich der U21-Nationaltorhüter seinen ersten dicken Patzer im Schalke-Trikot.

Eine Woche bevor Nübels Rotsperre ausläuft und der Kampf um die königsblaue Nummer 1 wieder so richtig eröffnet ist.

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"Ich finde, dass Markus Schubert es sehr gut macht", hatte Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies vor dem Spiel noch bei Sky betont: "Es ist nicht meine Entscheidung, aber ich glaube, man würde ihm nicht gerecht, wenn er eine Topleistung bringt, im Tor was zu verändern."

Die erhoffte "Topleistung" blieb aus - womit die Chancen für Nübel, im nächsten Bundesligaspiel am kommenden Freitag bei Hertha BSC wieder im Tor zu stehen, gestiegen sein dürften.

"Der Trainer wird sich Gedanken machen und er entscheidet am Ende, wer am Freitag im Tor steht. Es sind ja noch ein paar Trainingseinheiten zu absolvieren", kündigte Sascha Riether als Koordinator der Schalker Lizenzspielerabteilung an, ehe er Schubert teilweise in Schutz nahm: "Es war heute auch kein leichtes Spiel, wenn du so viele Bälle auf die Kiste kriegst."

Tönnies fordert Fairness für Nübel

Rein sportlich gibt es jedoch kaum Argumente, die gegen eine Rückkehr der etatmäßigen Nummer 1 sprechen. Und im Rennen um die internationalen Startplätze stellt sich die Frage, ob emotionale Aspekte eine Nominierung Nübels verhindern sollten.

"Eins ist klar: Wir sind nicht diejenigen, die jetzt alle miteinander den Alex Nübel hassen, das ist absoluter Quatsch", betonte Tönnies. Nübel sei bis Sommer Teil der Mannschaft und werde "bis zum letzten Tag bei uns ordentlich behandelt. Ich finde, das ist Fairness, und so muss man auch miteinander umgehen."

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Der Fairness halber muss auch erwähnt sein, dass Nübel-Vertreter Schubert trotz der weiteren Schalker Gegentore nach seinem frühen Aussetzer über weite Strecken eine ordentliche Partie ablieferte. Zwar leistete er sich die eine oder andere Ungenauigkeit im Spielaufbau und wirkte bei hohen Hereingaben in den Sechzehner wacklig.

Im Gegenzug bewies Schubert ein ums andere Mal seine Qualitäten auf der Linie: Direkt nach der Pause lenkte der 21-Jährige beispielsweise binnen einer Minute einen Freistoß von David Alaba und eine satte Direktabnahme von Thiago jeweils sehenswert über den Querbalken.

Dass Leon Goretzka (50.) im Anschluss an die zweite Ecke per Scherenschlag zum 3:0 für die Bayern traf, war Schubert keineswegs anzulasten. Genauso wenig wie die Treffer von Thomas Müller (45.+2) und Thiago (58.).

Neuer mit Zuspruch für Schubert

Letztlich endete Schuberts Abend jedoch genauso bitter, wie er begonnen hatte: In der 90. Minute lenkte er eine vermeintlich harmlose Flanke von Serge Gnabry mit der Wade zum 0:5 ins eigene Tor.

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Aufmunternde Worte gab es direkt nach Abpfiff sowohl von Schiedsrichter Manuel Gräfe als auch von Bayern-Keeper Manuel Neuer. Der Nationaltorwart ging auf Schubert zu, schien ihm mit einer beschwichtigenden Geste zu bedeuten: "Bleib ruhig!"

Dass Schubert kurz zuvor frustriert seine Trinkflasche weggepfeffert hatte, zeigte jedoch: Den ersten Auftritt in der Allianz Arena hatte sich die zukünftige Schalker Nummer 1 anders vorgestellt.

Um 21.04 Uhr verließ Schubert mit der Kapuze seines Schalke-Hoodies über dem Kopf das Stadion. Schnellen Schrittes eilte er in Richtung Mannschaftsbus. Sprechen wollte Schubert an diesem Abend nicht.

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