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München - Der frühere Bayern-Profi Diego Contento hat schwere anderthalb Jahre hinter sich. Seine Zukunft ist ungewiss. Bei SPORT1 sprechen er und ein ehemaliger Mitspieler.

Die Vorzeichen hätten besser nicht sein können.

Schon mit fünf Jahren spielte Diego Contento für den FC Bayern. Und der in München geborene Italiener wurde auch noch nach einem der größten Fußballer aller Zeiten benannt: Diego Maradona. Eine große Fußball-Karriere schien also unweigerlich bevor zu stehen.

Ein Vierteljahrhundert ist seither vergangen. Vergangene Woche wurde Contento 30 Jahre alt - und steht vor einer ungewissen Zukunft. 

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Diego Contento am Scheideweg

"Mir geht es eigentlich sehr gut, ich bin fit und warte auf meine Einsätze. Ich will mich in den letzten neun Spielen so gut es geht anbieten. Ob der Verein noch mit mir plant, weiß ich aktuell nicht. Es gab noch keine Gespräche, Corona hat alles durcheinander gebracht", sagt Contento, dessen Vertrag bei Fortuna Düsseldorf im Sommer ausläuft, im Gespräch mit SPORT1."Ich muss abwarten, möchte aber zeigen, dass ich es noch drauf habe. Es ist eine schwierige Situation."

Seine einst so hoffnungsvolle Karriere steckt irgendwie in einer Sackgasse. 

Diego Contento wird Fortuna Düsseldorf verlassen
Diego Contento im Training von Fortuna Düsseldorf © Imago

Mit den Bayern gewann der Deutsch-Italiener 2013 die Champions League und wurde drei Mal Deutscher Meister, doch der ganz große Durchbruch wie bei anderen Eigengewächsen wie David Alaba oder Thomas Müller wollte beim Rekordmeister nicht gelingen. Verletzungen pflasterten seinen Weg.

"Ich kenne Diego gut. Leider war er in seiner Karriere immer von Verletzungen gebeutelt. Gerade in den vergangenen anderthalb Jahren, dadurch bekommst du keine Konstanz rein, um weiter auf dem höchsten Niveau zu spielen", sagt Andreas Ottl, der mit Contento 2010/2011 zusammen bei den Bayern spielte, zu SPORT1.

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Kreuzbandriss stoppt Contento

Nach seiner Zeit an der Säbener Straße spielte Contento vier Jahre in Frankreich bei Girondins Bordeaux, ehe er 2018 nach Deutschland zurückkehrte und einen Zweijahresvertrag bei Fortuna Düsseldorf unterzeichnete.

Doch dieser Wechsel stand unter keinem guten Stern. Nach dieser Spielzeit wird er den Verein wohl wieder verlassen müssen. In zwei Jahren steht bisher nur ein Pflichtspieleinsatz für den Linksverteidiger zu buche.

"Ich hatte in Bordeaux schöne Jahre, bin da auf meine Spiele gekommen und es war eine echte Herausforderung", erinnert sich Contento. Den Wechsel nach Düsseldorf bereue er nicht, "Verletzungen gehören leider zum Fußball, doch es war unglücklich, dass ich in die Bundesliga zurückkam und gleich einen Kreuzbandriss hatte. Das war nicht leicht für mich." 

Ottl leidet mit altem Bayern-Kumpel

Vor allem ein im September 2018 erlittener Kreuzbandriss habe Contento "extrem zurückgeworfen", meint Ottl, "da leidet man als Fußballer schon mit ihm. Das wünsche ich keinem, und wenn ich dann jemanden wie Diego noch persönlich kenne und weiß, was für ein feiner Kerl er ist und wie viel Spaß er am Fußball hat, dann ist das schon hart. Auf der anderen Seite gehört das zum Fußballer-Leben leider dazu."

Sein Trainer bei der Fortuna fühlte mit Contento. "Er war gerade wieder dran an der Mannschaft, ich hätte ihn auch in einem Pflichtspiel bringen können, und jetzt wird er wohl wieder länger ausfallen. Das ist ganz bitter", sagte damals Friedhelm Funkel.

"Ein so lebensfroher Mensch"

Wie geht Contento mit diesen Rückschlägen um? "Er ist ein so lebensfroher Mensch, der immer Spaß hat und gerne Blödsinn macht. Und er ist ein Familienmensch. Da spielt seine italienische Familie eine große Rolle", erklärt Ottl. "Diego hat auch schon eigene Kinder. Ich kann mir richtig gut vorstellen, dass er in der Rolle als Familienvater total aufgeht und das weitergibt, was er von seinen Eltern mitbekam."

Contentos Brüder Vincenzo und Domenico spielten ebenfalls beim FC Bayern. Enzo wurde 2001 A-Junioren-, Domenico im selben Jahr B-Juniorenmeister. Der Sprung zu den Profis gelang ihnen aber nicht.

Diego Contento (l.) und Andreas Ottl (3.v.l.) im Training bei Louis van Gaal
Diego Contento (l.) und Andreas Ottl (3.v.l.) im Training bei Louis van Gaal © Imago

Ottl hat bis heute einen guten Draht zu den Contentos. "Ich kenne die Familie sehr gut, sie hat mich die ganze Zeit begleitet. Ich bin einer der Wenigen, der mit zwei seiner Brüder auch noch zusammengespielt hat. Mit Diego bei den Profis und mit Domenico und Enzo bei den Amateuren und in der Jugendmannschaft", sagt der Ex-Profi. "Domenico war schon bei den Bayern, als ich 1996 nach München kam."

Große Erfolge mit dem FC Bayern

Contentos Zeit bei den Bayern begann so, wie man es sich als Profi erhofft. 2009 kam der Linksverteidiger in die zweite Mannschaft, ehe 2010 sein großer Moment kommen sollte. Da nämlich holte ihn Louis van Gaal, von 2009 bis 2011 Cheftrainer der Roten, in die erste Mannschaft. Am 13. Januar unterschrieb Contento seinen ersten Profivertrag beim Rekordmeister. Bis heute ist er das letzte Eigengewächs, das den Sprung zu den Profis schaffte.

Van Gaal war -ähnlich wie bei Müller - ein Förderer Contentos. "Van Gaal war neben Hermann Gerland (damals Trainer der U23, d. Red.) die entscheidende Figur für mich. Ich habe im Training alles gegeben, und das hat er erkannt", erinnerte sich Contento, "er war ein sensationeller Coach, ein großer Förderer." Klar, habe der General auch mal herumgeblafft, "aber er meinte es gut, das spürte ich."

2012 stand der damals 22-Jährige beim "Finale dahoam" 120 Minuten gegen den FC Chelsea auf dem Feld. 2013 wurde er mit den Münchnern Champions-League-Sieger, wenngleich er da nur ein Gruppenspiel absolvierte. Doch er durfte sich immerhin Triple-Sieger nennen.

Diego Contento gewann 2013 mit dem FC Bayern die Champions League
Diego Contento gewann 2013 mit dem FC Bayern die Champions League © Imago

Contento will nicht aufgeben

Contento könne daher mit Stolz auf seine Münchner Zeit zurückblicken. Man könne schließlich nicht immer davon ausgehen, "dass ein Profi 15 Jahre beim FC Bayern in der ersten Mannschaft spielen kann", räumt Ottl ein. "Diego kam als junger Spieler zu den Profis und hatte auf links mit Philipp Lahm und David Alaba große Konkurrenz".

Als der Klub 2014 mit dem zehn Millionen Euro teuren Juan Bernat (vom FC Valencia) einen dritten Linksverteidiger verpflichtete, "war es Zeit für eine neue Herausforderung".

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Auch, wenn der Kontakt in den vergangenen Jahren immer weniger wurde, hat Ottl Contento nie aus den Augen verloren. "Natürlich habe ich Diego wie alle Jungs, mit denen ich zusammengespielt habe, verfolgt, auch, weil ich mich beruflich weiter mit Fußball beschäftige. Ich habe Diegos Stationen mitbekommen und glaube, dass er jetzt schon eine gute Karriere hingelegt hat, die noch nicht zu Ende ist."

Darauf setzt auch Contento selbst. Seine deutliche Ansage: "Ich bin mit 30 im besten Fußball-Alter und will es allen nochmal beweisen."

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