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München - Schalke 04 hat 16 sieglose Pflichtspiele hinter sich - und nun eine Testspiel-Blamage gegen den SC Verl. Dazu geht auf dem Transfermarkt nichts voran. Gibt es Lichtblicke?

Wenn der FC Schalke 04 gegen einen Drittliga-Aufsteiger fünf Tore kassiert, der FC Bayern derweil den FC Barcelona in der Champions League mit acht Treffern förmlich zermalmt - was ist dann wiederum von einem Aufeinandertreffen dieser beiden Teams zu erwarten?

Nun fließt bis zum Saisonauftakt der Bundesliga (18. September) nicht nur noch viel Wasser den Rhein-Herne-Kanal hinunter, sondern noch viel Schweiß in Trainingseinheiten. Aber die Hoffnungen der Schalke-Fans auf einen Coup im ersten Spiel in München dürften gering sein.

Zu desolat präsentierte sich die königsblaue Hintermannschaft beim 4:5 im Testspiel gegen den SC Verl, zu problematisch gestalten sich die Transferbemühungen, zu eingebrannt ist die Erinnerung an die grausige Serie von 16 sieglosen Spielen in Serie.

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Rutschen die Knappen also aus der Krise schnurstracks weiter in die nächste? Droht in der neuen Spielzeit gar der Abstiegskampf? Oder gibt es Lichtblicke im Pott?

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Wagner: "Das darf man besser machen"

Eine Szene im Test gegen Verl, der über zweimal 60 Minuten und vor 300 Zuschauern ausgetragen wurde, verdeutlichte zumindest sehr gut die Lehren aus ebenjenem Spiel...

In der 54. Minute kombiniert sich Schalke durchaus sehenswert an und in den gegnerischen Strafraum, wo letztlich Benito Raman freigespielt zum 4:3 trifft - in der 56. Minute ist es ebenfalls Raman, der in der eigenen Spielhälfte den Ball verliert, woraufhin sich die Defensive übertölpeln lässt und das 4:4 fängt.

Vorne hui, hinten pfui - der Klassiker. Oder wie David Wagner es formulierte: "sehr wild". "Wir hatten gute Offensivaktionen, haben schöne Tore geschossen, aber haben natürlich sehr, sehr naiv verteidigt", sagte der Trainer nach der Partie: "Wir hatten viele technische Fehler, die zum Kontern eingeladen haben."

Wagner betonte - wie wohl jeder Trainer es tut -, dass Ergebnisse in der Vorbereitung unwichtig sind. Doch auch der 48-Jährige musste eingestehen, dass die Entstehung der Gegentore problematisch war: "Insbesondere wie wir das verteidigt haben, wie wir die Bälle hergegeben haben: Auch wenn man müde ist, darf man das besser machen."

Transfer-Stau - kein Einkauf ohne Verkauf

In der Beurteilung der Leistung blieb Wagner gelassen. Bei der Frage, ob er bis zum Trainingslager im österreichischen Längenfeld (ab 21. August) auf Neuzugänge hoffe, wurde er schon deutlicher: "Das wäre schön, allerdings wäre es auch schon schön gewesen vor zwei Wochen."

Das große Problem des FC Schalke 04: Die Mannschaft benötigt dringend Verstärkungen. Vor allem im Torlos-Sturm soll eine frische Kraft her, auch für die Rechtsverteidigerposition wird gesucht.

Auf letzterer lief gegen Verl auch mal Weston McKennie auf, eigentlich Mittelfeldspieler, und damit einer der Spieler, an denen der Schalker Transferplan (fest-)hängt. Denn eigentlich sollte der 21 Jahre alte US-Amerikaner an Hertha BSC abgegeben werden und so mindestens 20 Millionen Euro in die knappe Knappenkasse spülen. Doch der Wechsel platzte, McKennie sieht sich offenbar nicht in Berlin - eher schon in der Premier League, doch ein Verkauf ist für den Moment offen.

"Ich persönlich bin glücklich, dass Weston da ist, weil er ein richtig guter Spieler ist und auch ein ganz, ganz feiner Mensch", gibt sich Wagner diplomatisch: "Was die nächsten Wochen bis Transferfensterschluss passiert, kann ich nicht beeinflussen. Wir arbeiten mit den Jungs, die wir da haben, und die sind total engagiert."

Doch ohne Verkäufe keine Einkäufe. Infrage kommen hierbei neben McKennie vor allem die noch jungen Leistungsträger Ozan Kabak und Amine Harit (alle drei Vertrag bis 2024). Harit, der gegen Verl einen Foulelfmeter an die Latte setzte, schließt einen Abschied zumindest nicht gänzlich aus, sagte nach dem Testspiel: "Derzeit bin ich zu 100 Prozent auf Schalke konzentriert. Aber ich weiß nicht, was nächste Woche ist."

Definitiv auf der Verkaufsliste steht Nabil Bentaleb. Doch Newcastle United, wo der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler zuletzt per Leihe spielte, nahm nach der geplatzten Vereinsübernahme Abstand von einer Verpflichtung.

Korb von Schwolow - Torwartfrage zwangsgeklärt?

Diese Unklarheiten bei Zu- und Abgängen erschweren die Arbeit von Wagner. Der Coach hat im Trainingslager nicht die Mannschaft beisammen, die auch in der kommenden Saison das Schalker Personal bilden soll, sondern viele Fragezeichen in der finalen Kaderplanung.

Nur auf einer Position wird dem Revierklub wohl Klarheit aufgezwungen: Nach dem Korb von Alexander Schwolow, der stattdessen vom SC Freiburg zur Hertha nach Berlin wechselte, schauen sich die Knappen zwar nach wie vor nach einem neuen Keeper um. Doch mit jedem weiteren Tag müssen sie sich mit dem Gedanken anfreunden: Nach dem ablösefreien Abgang von Alexander Nübel zum FC Bayern wird das Torwartduo aus Ralf Fährmann (31 Jahre alt) und Markus Schubert (22) bestehen.

Bei der Blamage gegen Verl stand in den ersten 60 Minuten Fährmann im Kasten. Der nach einer Leihe zurückgekehrte Schlussmann machte seine Sache ordentlich, gleichwohl fing er sich eben fünf Gegentore ein.

In der zweiten Stunde kam Routinier Michael Langer (35) zum Einsatz. "Gegen den Ball ist es ganz normal, dass man ein bisschen müder ist, der eine oder andere schnelle Schritt fehlt", blieb der 35-Jährige im Vereins-TV gelassen: "Wir können viele positive Dinge aus dem Offensivspiel mitnehmen."

Lichtblicke Skrzybski, Stambouli und Solidarität

Vier eigene Tore, dazu fünf im ersten Test gegen den VfL Osnabrück (5:1) - für neun Treffer benötigte Schalke zuletzt 17 Liga-Partien! Insofern, auch wenn die Gegner unterklassig waren, macht die Offensive Hoffnung - mit einem Namen an erster Stelle: Steven Skrzybski.

Der Rückkehrer (zuletzt an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen) traf in den beiden bisherigen Testspielen jeweils doppelt, legte gegen Verl einen weiteren Treffer auf. "Total beweglich, agil, torgefährlich", sah Wagner ihn. Sollte der anvisierte Stürmerkauf misslingen, wird womöglich der 27-Jährige zur Schalker Spitze.

Und noch etwas darf in Gelsenkirchen Hoffnung machen: der Zusammenhalt der "asozialen Schalker". So besang Benjamin Stambouli seine Gemeinschaft, nachdem er seinen auslaufenden Vertrag bis 2023 verlängerte und so geschundene Fanherzen höher schlagen ließ.

Eine Gemeinschaft, die gerade auch in schwierigen Zeiten auf die Probe gestellt wird, aber eben auch zusammenschweißen kann. "Die Jungs haben sich reingebissen", nannte Wagner das Auftreten seines Teams auf dem Platz, es musste "über Willen kommen". Das gilt für den ganzen Verein.

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