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Der Streik bei Mainz 05 sorgt für Aufregung. Der Verein gibt ein unglückliches Bild ab, die Fans sehnen sich nach besseren Zeiten - wenn auch wenig rational.

Krisen sind ja dann am schlimmsten, wenn sie gerade stattfinden. Wenn man erstmal in der Rückschau darüber lachen kann, geht's eigentlich.

Vielleicht können die Fans des FSV Mainz 05 in der Rückschau auch über die Ereignisse dieser Woche lachen: "Weißt du noch, damals, als Ádám Szalai gehen musste - und es diese schreckliche Pressekonferenz gab?" Im Moment herrscht aber eher Katzenjammer über die aktuellen Geschehnisse im Herzensverein.

Die Woche begann mit der überraschenden Freistellung von Stürmer Szalai, in Mainz zwar kein Startelfkandidat mehr, aber ein verdienter und beliebter Spieler, den die Kollegen in den aktuellen Mannschaftsrat gewählt haben.

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Begleitet wurde der Vorgang von Spekulationen, es habe Ärger um die Rückzahlung der aufgrund von Corona gestundeten Gehälter gegeben. Die Fans reagierten ambivalent, bedauerten den Abschied vom ehemaligen Bruchweg Boy, aber formulierten auch Ärger über die vermeintliche Raffgier von Szalai und seinen Kollegen.

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Spielerstreik sorgt für Aufregung bei Mainz 05

Am Mittwoch dann die unerwartete Zuspitzung, als die Mannschaft sich nämlich weigerte, zu der anberaumten Trainingseinheit aus der Kabine zu kommen, weil der aussortierte Stürmer daran nicht teilnehmen sollte.

Ein Spielerstreik! Im beschaulichen Mainz!

Die Stimmen derer, die dem Verein in rotweißer Treue folgen, überschlugen sich im Netz vor Erstaunen. Sind die Kicker alle einfach geldgeil? Oder läuft etwa irgendwas schief im Verein und sie solidarisieren sich mit einem der ihren? Sollte man die Bande nun geschlossen entlassen? Oder ihnen eher Respekt zollen für ihren Zusammenhalt? Wer blickt da bitte noch durch?

Mit Spannung wurde die anberaumte Pressekonferenz erwartet - und so lange munter weiter diskutiert.

War mit Christian Heidel alles besser?

Nun ist es so, dass Krisen auch den Effekt haben, nostalgische Herzbewegungen anzustoßen. Darum dauert es in Mainz bei sich andeutenden Schwierigkeiten nie lange, bis Fans in sozialen Medien die Rückkehr von Ex-Manager Christian Heidel fordern. Früher war schließlich alles besser, da hat der Don, so Heidels Spitzname, alles geregelt. Kein Schröder, kein Aufsichtsrat, kein Lehmann, Mainz war einfach der nette Familienverein von nebenan. Ach, früher!

So ist das mit übergroßen Schuhen. Die Fans jedes Vereins haben vermutlich für sich eine Art Goldene Ära ausgemacht, an der sie alles messen. Besonders dann, wenn es gerade drunter und drüber geht. Aber wenn die Anhänger*innen in Mainz bis ans Ende aller Tage jeden, der im Verein Verantwortung trägt, mit Menschen vergleichen, die diesem Klub über Jahrzehnte verschrieben waren, wird sie das nicht glücklich machen - und ganz fair ist es auch nicht.

Unabhängig davon war das eine sehr unglückliche Vorstellung der Verantwortlichen bei der Pressekonferenz, in der zudem die entscheidende Frage nicht geklärt werden konnte: Warum darf der verdiente Spieler Szalai, mit dem man sich angeblich respektvoll geeinigt hat, nicht mit der Mannschaft trainieren, bis er einen neuen Verein hat?

Fanseele bei Mainz 05 ist aufgewühlt

Trainer Achim Beierlorzer, der angegriffen und gereizt wirkte, reagierte darauf wenig konkret: Man habe erwartet, es könnte Schwierigkeiten geben. Schwierigkeiten warum? Das ist nun die Frage, mit der sich nicht nur die Anhänger*innen beschäftigen. Und: Ging das nicht alles letztlich gegen den Coach?

Wer den im Zweifel ersetzen könnte, da sind viele Fans um Antworten nicht verlegen: Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel, vielleicht Klopps ehemaliger Stellvertreter Zeljko Buvac. Sogar der in der vergangenen Saison entlassene Sandro Schwarz, der bei den Fans bedauerlich wenig Rückhalt hatte, wird da vehement gefordert.

Die Fanseele ist eben nicht nur nostalgisch, sondern auch wenig rational. In Mainz aber ist sie aktuell vor allem eines: sehr, sehr aufgewühlt.

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