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FC Bayern München - Trainer Gyula Lorant (li.) und Karl Heinz Rummenigge
Gyula Lorant (l.) galt als der härteste Trainer der Bundesligageschichte © Imago
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SPORT1-Kolumnist Ben Redelings blickt wöchentlich auf die kuriosesten, lustigsten und unterhaltsamsten Highlights der Ligageschichte zurück.

"Wegen Gyula Lorant hätte ich beinahe aufgehört. Er hat mir mal erklärt, dass man einen herausgesprungenen Meniskus am besten mit der Eckfahne wieder reinhaut." Das hat niemand Geringeres gesagt als der große Dr. Müller-Wohlfahrt. Damals in der Saison 1978/79 wäre es fast schon mit der Karriere des späteren Arztes der Nationalmannschaft beim FC Bayern gewesen.

Denn die Art und Weise des Ungarn Lorant stank dem legendären Sportmediziner ganz gewaltig: "In der Bundesliga gibt es Vereine, bei denen der Trainer und nicht der Arzt entscheidet, wann ein verletzter Spieler den Gips abgenommen bekommt."

Er meinte seinen eigenen Klub, den FC Bayern, und den ehemaligen Finalspieler des WM-Endspiels 1954 in Bern, Gyula Lorant. Wäre der Ungar nicht im Dezember 1978 beurlaubt worden – wer weiß, ob es die große Karriere des Dr. Müller-Wohlfahrt im Fußball je gegeben hätte.

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Lorant schlägt Spieler gegen dickes Knie

Aber wie dem auch sei – eines kann man aber in jedem Fall mit Fug und Recht behaupten: Gyula Lorant war sicherlich der härteste Trainer, den die Bundesliga je gesehen hat. Als Verletzungen gingen bei ihm einzig und allein glatte Brüche durch. Und dann auch nur die, die man sofort als solche erkennen konnte.

Der Verteidiger Amand Theis hatte sich einmal bei einem Pressschlag ein dickes Knie zugezogen. Humpelnd kam er zum Training, zeigte Lorant sein geschwollenes Körperteil und meinte, er könne leider nicht mittrainieren. Lorant ignorierte die Worte seines Spielers: "Amand, zieh dich um!" Verdutzt ging der Verteidiger los und kam wenige Minuten später auf den Sportplatz zurück.

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Dort erwartete ihn der Trainer bereits: "Amand, zieh die Hose runter!" Erstaunt und überrascht befolgte er Lorants Anweisungen. Der Trainer zeigte auf das Knie: "Amand, was hast du da?" Ehe Theis antworten konnte, schlug der Coach mit voller Wucht gegen das dick angeschwollene Knie. Theis schrie vor Schmerzen. Am folgenden Samstag spielte er.

Lorant: "Spiel sonst bist du Invalide"

Bei einem anderen Profi spuckte Lorant während einer laufenden Bundesliga-Partie auf das ebenfalls verletzte Knie, rieb die Spucke mit den eigenen Händen ein, hob den Spieler hoch und schob ihn zurück aufs Feld: "Jetzt ist wieder alles in Ordnung. Spiel – sonst bist du tatsächlich Invalide!"

Diese und andere Geschichten kursierten in der Bundesliga zuhauf. Jeder Spieler hoffte, dass der Kelch Lorant in seiner Karriere an ihm vorüberging. Doch irgendjemanden musste es ja treffen. Und so spielte der Eintracht-Profi Charly Körbel acht Wochen mit einem Bänderriss im rechten Knöchel, weil er sich nicht traute, seinem Trainer Gyula Lorant etwas zu sagen.

Als der Mannschaftsarzt schließlich die Initiative ergriff, antwortete der Ungar nur: "Boxer kämpfen auch mit Platzwunde, soll Charly Zahnpasta auf Fuß schmieren."

Als sich der spätere Rekordspieler der Bundesliga irgendwann doch einmal seinem Trainer bei einer anderen Verletzung anvertraute, war das Ergebnis höchst zweifelhaft: "Einmal war mein Knöchel so dick, die Schmerzen so groß, dass ich wirklich nicht spielen konnte. Lorant nahm mich zur Seite: 'Charly, kannst du essen mit Zahnschmerzen?' Als ich nickte, stand für ihn fest: 'Also kannst du auch spielen mit Schmerzen im Knöchel.' Ich habe tatsächlich gespielt."

Die gemeinsamen Tage von Doktor Müller-Wohlfahrt und Lorant beim FC Bayern waren damals eine wilde und harte Zeit. Dies musste auch das junge Talent Karl-Heinz Rummenigge am eigenen Leib erfahren. Bei einem Trainingszwischenfall zog sich "Rotbäckchen" ein paar Monate vor der WM 1978 einen Daumenbruch zu.

Lorant lacht Rummenigge aus

Ein Reporter erinnert sich: "Als Kalle am Freitag beim FC Bayern vorbeischaute, lachte ihn Trainer Lorant aus. Er hatte ja vorher sogar beim schwerer verletzten Branko Oblak (Zehenbruch) angeordnet, dass der Gips sofort entfernt wird. Er selbst hatte sich zeitlebens nie operieren lassen. Obwohl in beiden Beinen der Meniskus total kaputt war.

'Also', sagte er verächtlich: 'Was willst du mit dem gebrochenen Daumen viel Theater machen. Du spielst morgen gegen Saarbrücken.' Rummenigge war so verwundert, dass es ihm die Sprache verschlug. Er packte seine Tasche und stieg ein in den Bus, der ins Trainingslager fuhr, und Kalle spielte tatsächlich gegen Saarbrücken."

Gyula Lorant war trotz seiner irritierenden Methoden und Aussetzer in Deutschland ein anerkannter und geschätzter Fachmann. Doch eine Sache konnte er dem Land, in dem er als Fußballlehrer Erfolge feierte, nie verzeihen: Die WM-Pleite 1954, als Lorant Stopper der ungarischen Nationalmannschaft war, hat er einfach nie verwunden. Und so trabte er eines Tages als Bayern-Trainer mit seinem Assistenten Pal Csernai auf den Platz und flüsterte seinem Landsmann zu: "Pal, lass uns rausgehen, die Deutschen quälen!"

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Übrigens: Der harte Herr Lorant konnte auch "zuckersüß" sein – wenn es um das Thema Ernährung ging. So trichterte der Ungarn seinen Mannschaften stets ein: "Jungs, wenn ihr vor dem Spiel noch ein Stück Kuchen esst, habt ihr auch noch Kraft für die letzten zwanzig Minuten. Dann sind die anderen kaputt, und ihr könnt immer noch laufen." Na, dann!

Ben Redelings wurde 1975 im Flutlichtschatten des Bochumer Ruhrstadions geboren und ist Experte für die unterhaltsamen Momente des Fußballs. Sein aktueller Bestseller "Das neue Buch der Fußballsprüche" verkauft sich sprichwörtlich wie das gut gekühlte Stadionbier. Als SPORT1-Kolumnist schreibt Ben regelmäßig über die "Legenden des Fußballs" und "Best of Bundesliga".

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