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Mönchengladbach - Marco Rose ist bei Gladbach stark angeschlagen, doch eine Entlassung ist problematisch. Es droht ein Millionenverlust - und der potentielle Nachfolger sitzt eine Sperre ab.

Gladbach im freien Fall!

Das 1:3 beim FC Augsburg war die sechste Pleite in Folge. Die Borussia stürzt immer weiter ins Niemandsland der Tabelle ab. (SERVICE: Tabelle der Bundesliga)

Sportchef Max Eberl stärkt Trainer Marco Rose dennoch weiterhin den Rücken. Der schwer angeschlagene Coach selbst, der zum Saisonende bekanntlich zum BVB wechseln wird, schloss einen Rücktritt indes aus.

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Der 44-Jährige sieht das Verhältnis zu seinen Spielern als intakt an. "Wir müssen dranbleiben und das Glück erzwingen", so Rose. Wie lange kann das noch gutgehen?

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Gladbach hat Plan B

Im direkten Klub-Umfeld mehren sich die Forderungen nach einer sofortigen Rose-Trennung. Hinter vorgehaltener Hand heißt es am Niederrhein, dass Eberl bei einer weiteren Niederlage nächste Woche auf Schalke nun doch handeln könnte. Danach geht es in die Länderspielpause.

Gladbach hat seit Wochen schon den Plan B in der Schublade - und der heißt Heiko Vogel (SPORT1 berichtete).

Der 45-jährige Fußball-Lehrer trainiert die U23-Mannschaft und wäre grundsätzlich bereit, als Interimscoach einzuspringen. Vogel ist ein erfahrener Profi-Coach, trainierte zwischen 2011 und 2012 erfolgreich den FC Basel und coachte unter anderem auch Sturm Graz (2018) und Uerdingen (2019).

Viele Fans forderten zuletzt die sofortige Installation von Vogel als Interimscoach. Der Trainer-Wechsel wäre aber vor dem Augsburg-Spiel gar nicht möglich gewesen.

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Vogel sitzt Sperre ab

Grund: Zurzeit brummt der 45-jährige Vogel noch eine Sperre ab. Und es war lange unklar, ob diese auch für die Bundesliga gilt.

Vom Westdeutschen Fußballverband (WDFV) wurde Vogel "wegen des Verdachts des unsportlichen Verhaltens gegenüber dem Schiedsrichter und des diskriminierenden Verhaltens gegenüber der Schiedsrichterassistentin" für zwei Spiele gesperrt.

Es ging um einen Vorfall am 30. Januar im Spiel gegen Bergisch Gladbach. Erst seit Dienstag, 9. März, haben die Fohlen-Bosse Klarheit darüber, dass die Vogel-Sperre nicht für die Bundesliga gilt. Darüber berichtete auch der Express.

Auffällig: Im Urteilsspruch (00020-20/21-SG WDFV), der SPORT1 vorliegt, wird explizit darauf hingewiesen, dass die Sperre für "zwei Meisterschaftsspiele der von ihm betreuten Regionalliga-Mannschaft (U23)" gilt.

SPORT1 hörte sich in Verbandskreisen um. In der Vergangenheit soll es kein vergleichbares Urteil gegeben haben, in dem die Liga so klar betont wird. Die Borussia soll sogar explizit beim Verband nachgefragt haben, ob die Sperre auch für das Oberhaus gilt.

Ein klares Indiz dafür, dass man sich klubintern zumindest mit einer Rose-Trennung beschäftigt. Vogel ist nur noch für das U23-Spiel am Samstag gegen Lotte gesperrt.

Verfällt Ablösesumme bei Freistellung?

Ein weiterer nicht ganz unerheblicher Grund, wieso Gladbach noch zögert: Arbeitsrechtlich ist noch nicht ganz klar, ob die Borussia für einen freigestellten Trainer auch wirklich die Ablösesumme in Höhe von rund fünf Millionen Euro fordern könnte.

Sportjurist Dr. Andrej Dalinger zu SPORT1: "Wenn Gladbach Rose freistellt, könnte man den Anspruch auf eine Ablöseforderung rein rechtlich gesehen durchaus verlieren. Es ist unklar, wie weit die Vereine untereinander schon sind. Zuletzt war ja von einer mündlichen Vereinbarung die Rede. In diesem Fall könnte man aber von einem Gentlemen’s Agreement ausgehen. Dortmund hat sich vorab bereiterklärt, die Ausstiegsklausel zu ziehen. Vermutlich würden sie sich hieran auch weiterhin gebunden fühlen."

Der Rechtsanwalt weiter: "Wäre Rose jedoch vor dieser Erklärung freigestellt worden, würden die besseren Argumente meines Erachtens dafür sprechen, dass Gladbach für einen freigestellten Trainer keine Ablöse mehr verlangen darf. Denn wenn ein Verein einen Trainer nicht arbeiten lässt, darf er dem Trainer auch nicht ohne gewichtigen Grund verbieten, für einen anderen Club zu arbeiten."

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