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München - Lucas Hernández kommt in jüngster Zeit bei den Bayern über eine Reservistenrolle nicht hinaus. Dennoch bleibt der Rekord-Einkauf ruhig. Das hat Gründe.

Was haben Lucas Hernández und Joao Félix gemeinsam?

Beide sind bei ihren Vereinen die teuersten Neuzugänge der Geschichte. Der FC Bayern zahlte vor knapp zwei Jahren 80 Millionen Euro für den Weltmeister aus Frankreich, dessen Ex-Klub Atlético Madrid blätterte ungefähr zur selben Zeit über 120 Millionen für das portugiesische Wunderkind auf den Tisch.

Und noch etwas eint die beiden Stars. Sie zählen im Moment nicht unbedingt zu den Stammspielern bei ihren Klubs. Beim Umgang damit aber enden die Gemeinsamkeiten.

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Der portugiesische Stürmer lässt keine Möglichkeit aus, um seinen Unmut über Auswechslungen oder späte Einwechslungen öffentlichkeitswirksam kundzutun. Als er Anfang März gegen Villarreal als Joker den 2:0-Siegtreffer erzielte, ballte er zornig die Faust und meckerte in Richtung der Atlético-Bank.

Hernández besticht bei Bayern durch Teamgeist

Ganz anders Hernández! Der Abwehrspieler, den die Bayern im Sommer 2019 von Atléti loseisten, verzichtet gänzlich auf Frust-Gesten. Stattdessen stellt er sich sofort in den Dienst der Mannschaft - und ist seine Einsatzzeit auch noch so kurz.

Wie im Topspiel der Bundesliga am vergangenen Samstag, als er gegen Borussia Dortmund - wie schon so oft in letzter Zeit - erst in der Schlussphase eingewechselt wurde und nur wenig später an der Seitenlinie einen Ball stark ablief. Auch hier kam es zur Kommunikation mit der Bank. Die war aber nicht von Frust geprägt, sondern von Jubel und Anfeuerung. Die gesamte Bayern-Bank sprang auf und applaudierte Hernández.

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Dabei hätte der Weltmeister von 2018 allen Grund gehabt, verärgert zu sein. Denn als Jérôme Boateng schon in der 70. Minute verletzt raus musste, wäre er der logische Ersatz gewesen. Bayern-Coach Hansi Flick aber schickte Javi Martínez aufs Feld. Ein verdienter Spieler, gewiss. Aber eben auch einer, der seine Knochen nicht mehr lange für den FCB hinhalten und München im Sommer verlassen wird.

Doch gerade hier liegt das große Plus für Hernández. Nach Saisonende wird sich nicht nur der Spanier verabschieden, sondern auch David Alaba und möglicherweise auch Boateng - und damit etwa die Hälfte aller Abwehrspieler des Rekordmeisters.

Warum also sollte Hernández jetzt noch den großen Krach riskieren wollen, wenn er in wenigen Monaten große Chance hat, sich endgültig in der Defensive der Bayern zu etablieren und womöglich sogar zum Abwehrchef aufzusteigen?

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Flick lobt Hernández bei jeder Gelegenheit

Zumal Flick große Stücke auf den 25-Jährigen hält. Wie SPORT1 weiß, schätzt der Trainer vor allem die Mentalität und die aggressive Spielweise des Franzosen, der damit ein wichtiges Element in die junge und teilweise etwas zu brave Mannschaft hineinbringt.

Nicht umsonst richtete Thomas Müller nach dem 4:2-Sieg über den BVB ein Sonderlob an Hernández. "Was du jedes Mal für uns tust, wenn du ins Spiel kommst, ist besonders", wandte sich der Ur-Bayer per Instagram an seinen Mitspieler. (Die Tabelle der Bundesliga)

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Außergewöhnlich war auch, dass er sich, wie Bild berichtete, am eigentlich trainingsfreien Sonntag nach dem Spiel gegen Dortmund zum Trainingsplatz aufmachte und dort zusammen mit seinem Landsmann Benjamin Pavard Sonderschichten schob. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Flick dürfte sich auch deshalb darin bestätigt fühlen, dass er im vergangenen Jahr an Hernández festgehalten hat, obwohl es angeblich im Verein bereits Stimmen gab, die den sofortigen Verkauf des Franzosen gefordert hatten.

Doch statt den teuersten Transfer der Vereinsgeschichte für sehr viel weniger Geld wieder zu veräußern, hielten Flick und auch Sportvorstand Hasan Salihamidzic an ihm fest.

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Hernández als Waffe im Alaba-Poker

Eine Entscheidung, die sich doppelt auszahlen sollte. Sportlich überzeugte der 80-Millionen-Mann vor allem mit seiner Zweikampfstärke zu Beginn dieser Saison über mehrere Monate hinweg. "Er ist ein richtiger Kämpfer. Seine Einstellung ist Wahnsinn", sagte Flick damals.

Der nicht zu unterschätzende Nebeneffekt: Die Bayern konnten es sich im Alaba-Poker erlauben, die (zu) hohen finanziellen Forderungen des Spielers und seiner Berater abzulehnen. Denn sie wussten: Mit Hernández haben sie in der Abwehr für die Zukunft einen ähnlich starken und verlässlichen Spieler.

Und noch aus einem weiteren Grund könnte er sich mit Blick auf die kommende Saison als Glücksfall erweisen: als Mentor und wichtiger Ansprechpartner für Neuzugang Dayot Upamecano.

Auch der ist Franzose und Innenverteidiger. Auf dem Feld dürfte es seine Eingewöhnung jedenfalls erheblich erleichtern, wenn gleich neben ihm ein Landsmann steht, der sich im Team ein hohes Ansehen erarbeitet hat.

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