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München - Hansi Flick hält einen langen Monolog, um auf die Forderung von Karl-Heinz Rummenigge einzugehen. Der Bayern-Trainer sendet klare Botschaften.

Mit diesem Monolog war nicht zu rechnen.

Hansi Flick hat sich einen Tag vor dem Heimspiel gegen Union Berlin (Bundesliga: FC Bayern - Union Berlin, Samstag ab 15.30 Uhr im Liveticker) zu den jüngsten Aussagen von Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge geäußert, der ein Ende des Zwists zwischen dem Bayern-Trainer und Sportvorstand Hasan Salihamidzic forderte. Der Bild sagte er: "Wir müssen alle an einem Strang ziehen, müssen harmonisch, loyal und professionell zusammenarbeiten. Das ist meine klare Forderung an die sportliche Führung."

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Bayern-Trainer Hansi Flick sendet einige Botschaften

Flick reagierte emotional und versteckte in seiner lange Rede, die fast schon nach einer Abschiedsrede klang und exakt vier Minuten und 48 Sekunden dauerte, einige Botschaften. SPORT1 sagt, was dahintersteckt!

"Wir hatten letztes Jahr eine Mannschaft - das weiß jeder, da wird mir auch jeder zustimmen -, die war qualitativ besser als dieses Jahr."

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Flick überraschte mit dieser Aussage gleich zu Beginn, weil diese Wertung bislang noch nie von einem Verantwortlichen des FC Bayern geäußert wurde. Flick ist kein Trainer, der nach Entschuldigungen sucht, doch mit dieser Aussage nimmt er gewissermaßen auch Druck von der Mannschaft. (Kader, Unruhen, Bundestrainer: Flicks Grundsatz-Rede im Wortlaut)

Ist diese Aussage nun eine versteckte Kritik an Salihamidzic, der für den Kader verantwortlich ist, Flick zwar involviert, aber das letzte Wort in Transferfragen hat? Ja!

Thiago-Abgang hinterlässt Lücke im Bayern-Kader

Der Abgang von Thiago wurde nicht gleichwertig ersetzt, mit den Leihgaben Philippe Coutinho und Ivan Perisic verließ die Münchner weitere Qualität. Die Last-Minute-Transfers Marc Roca, Douglas Costa und Bouna Sarr spielen gar keine Rolle. Und im nächsten Jahr verlieren die Bayern mit David Alaba und Jérôme Boateng nochmals an Erfahrung.

"Ich habe von meinen Kollegen viele Nachrichten bekommen, die mir gratuliert haben und gesagt haben, dass die Mannschaft eine absolute Inspiration ist."

Flick hebt mit dieser Information hervor, dass er die Mannschaft spielerisch auf ein neues Niveau gebracht hat. Stimmt absolut, deshalb holten die Bayern unter ihm das Sextuple.

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Die Botschaft richtet sich auch an die Bayern-Bosse: Seht her, was sich hier entwickelt hat. Defensiv sind die Bayern in diesem Jahr jedoch erheblich schwächer als in der Vorsaison.

Flick vermisst Rückendeckung der Führungsetage

"Ich bin absolut fokussiert auf meine Mannschaft und unterstütze sie. Weil ich spüre, dass meine Mannschaft auch mir gegenüber absolut loyal ist. Das ist entscheidend. Wenn ein Team zusammenhält, sind alle mit dabei: die Trainer, das Trainerteam, da ist der Staff mit dabei und jeder einzelne Spieler."

Flick erwähnt explizit nicht die Bayern-Bosse von denen sich allein Rummenigge zuletzt immer wieder öffentlich vehement für Flick ins Zeug gelegt hat. Flicks sehr gutes Verhältnis zur Mannschaft ist bekannt, doch er vermisst die kollegiale Rückendeckung der Führungsetage. Sein Verhältnis zu Salihamidzic ist nur eine Zweckgemeinschaft. (BERICHT: Wer bei Bayern wirklich hinter Flick steht - und wer nicht)

Flick erreichte eine Nachfrage: "Sie haben von der Loyalität des Trainerteams und der Mannschaft gesprochen und alle anderen nicht benannt. War das Absicht?" "Dazu ist alles gesagt", sagte Flick.

Zwischen Flick und Salihamidzic herrscht teilweise Eiszeit

"Ich weiß, dass ich eine Teilschuld habe. Aber was ich gesagt habe: Wir vergessen alles und gehen fokussiert in die Zukunft. Ich versuche das Ganze so zu lösen und so zusammenzuarbeiten, dass es im Sinne des Vereins ist."

Was Flick mit Teilschuld meint: Sein Spruch in Richtung seines Vorgesetzten Salihamidzic sorgte erst dafür, dass er sich entschuldigen musste. Unmittelbar nachdem er öffentlich Burgfrieden schloss, war bestätigt, was schon lange klar war: Zwischen den beiden herrscht teilweise Eiszeit.

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Flicks gutes Recht ist es aber, sich vor die Mannschaft zu stellen. Etwa im Fall von Boateng, woraufhin Flick Uli Hoeneß für dessen RTL-Aussagen kritisierte.

"Alles andere, was an Störfeuern kommt, das kommt nicht von mir. Dazu will ich mich nicht mehr äußern. Auch in Zukunft nicht mehr. Wirklich jetzt."

Flick stellt klar, dass er für das ständige Rumoren nicht allein verantwortlich ist. Salihamidzic verzichtet zu oft auf Klartext und sorgt bei Flick nicht für Entlastung.

Zudem kritisiert der Bayern-Trainer die hauseigenen Maulwürfe. Aus den Medien erfuhr er, dass Salihamidzic Flicks Projekt-Spieler Tiago Dantas schon aufgegeben hat und ihn nicht fest verpflichten will.

Auch monierte er öffentlich, dass Boatengs Nicht-Vertragsverlängerung zuerst in der Presse stand. Dass Salihamidzic dessen Bayern-Aus vor dem Anpfiff gegen Paris bestätigte, hinterließ ihn fassungslos. Hoeneß' Aussage bei RTL sorgte auch für neue Diskussionen. (KOMMENTAR: Dieses Aus hat Boateng nicht verdient)

"Verstehen Sie bitte, dass ich in Zukunft nur noch, wenn so eine Frage kommt, sage: Bitte die nächste Frage. Ich habe wirklich keine Lust mehr."

Klare Botschaft: Flick will sich nicht mehr zu seiner Zukunft äußern und verzichtet weiterhin auf ein klares Statement Pro-Bayern. Seine Zukunft, trotz eines Vertrags bis 2023, ist offener denn je.

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Flick weicht Fragen zu seiner Zukunft erneut aus

Flick wurde auf der Pressekonferenz trotzdem mit zwei entscheidenden Nachfragen konfrontiert.

Frage eins: Sagen Sie denn jetzt: Ja, ich erfülle meinen Vertrag bis 2023? Flicks Antwort: "Nächste Frage."

Frage zwei: Je länger Sie auf ein klares Bekenntnis zum FC Bayern verzichten und je länger in Interviews rumgeeiert wird, weil immer nur auf Ihren Vertrag gepocht wird, desto länger werden Sie doch dieses Thema mitschleppen und es wird stören. Warum unterbinden Sie das nicht, indem klar gesagt wird, was ab Sommer ist? Flick: "Sie wissen, was kommt …"

Fazit: Die offene Zukunftsfrage von Flick wird ihn und den FC Bayern weiter begleiten. Die Anzeichen verdichten sich immer mehr, dass der Bayern-Trainer umdenkt und die Münchner im Sommer verlassen könnte.

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