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München - Nach turbulenten Tagen will der FC Bayern den Fokus wieder auf das Sportliche legen. SPORT1 erklärt, woran der Rekordmeister gegen Anderlecht arbeiten muss.

Uli Hoeneß traf den Nagel auf den Kopf.

"Das eigentliche Problem ist nicht das Interview von Robert Lewandowski, sondern dass wir in Hoffenheim sehr sehr schwach gespielt und verloren haben", sagte der Präsident des FC Bayern bei einer Gesprächsrunde am Montag.

Bei all dem Aufruhr um den unzufriedenen Stürmer-Star und das Dauerthema Thomas Müller rückte die erste Saisonpleite des Rekordmeisters (0:2) in den Hintergrund. Zeit, den Spieß umzudrehen und den Fokus wieder auf das wirklich Wichtige zu richten: den Fußball. 

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Am Dienstag (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) gastiert der belgische Meister RSC Anderlecht zum Auftakt der Champions League in der Allianz Arena.

Ein erstes richtungsweisendes Spiel, um im Fernduell mit dem größten Gruppenkonkurrenten Paris Saint-Germain (zu Gast bei Celtic Glasgow) vorzulegen. Vor allem aber eine gute Möglichkeit, Selbstvertrauen zu tanken und Fehler zu minimieren.

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"Das Wochenende war alles andere als angenehm, weil ich mich wahnsinnig geärgert habe. Wir müssen schnell wieder das spielen, was wir können", forderte Hoeneß.

Woran müssen die Bayern gegen Anderlecht arbeiten? SPORT1 hat analysiert:

- Konzentration in der Defensive

Es lief die 27. Minute in Sinsheim, als Andrej Kramaric dank der Mithilfe von Balljunge Umut blitzschnell schaltete und die Bayern-Defensive mit einem Einwurf düpierte.

Mark Uth veredelte den Hoffenheimer Geistesblitz mit dem Führungstreffer. Es war der Beginn eines Abends zum Vergessen für die Gäste aus München.  

"Wir waren in manchen Situationen nicht zu hundert Prozent fokussiert", erkannte Trainer Carlo Ancelotti nach der Partie.

Gegen Anderlecht, mit einem Durchschnittsalter von 25,9 ähnlich jung und kampfstark wie Hoffenheim, müssen die Bayern wieder aufmerksamer sein. 

- Spiel im letzten Drittel

Das gilt nicht nur für die Abwehr. Auch der Offensive um Torjäger Lewandowski fehlte es zuletzt spürbar an Konzentration - nicht nur vor dem gegnerischen Tor.

"Ich finde es immer gut, wenn ein Spieler sich Gedanken und Sorgen macht um seinen Verein. Das spricht für ihn", sagte Hoeneß über das kritische Interview des Polen im Spiegel.

Allerdings fügte der Boss hinzu: "Noch wichtiger wäre, wenn er sich darum kümmert, was ihm eigentlich wichtiger sein müsste: seine Leistung. Und wenn die besser ist, dann werden wir auch unsere Ziele erreichen."

Lewandowski hatte gegen Hoffenheim die höchste Fehlpassquote der Bayern (40,9 Prozent) und gewann lediglich neun von 21 Zweikämpfen.

Auch Müller war neben der Spur. Der Weltmeister brachte nur 60 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler und verlor gar vier Mal so viele Zweikämpfe (zwölf) wie er gewann (drei).

Kein Wunder, dass Hoeneß am Montag betonte: "Müller spielt nur, wenn er gut spielt."

Den Bayern mangelt es an Präzision und Kreativität im letzten Drittel des Platzes. Das liegt vor allem an der fehlenden Bewegung der gesamten Mannschaft.

Hoffenheims Fleißbienen liefen neun Kilometer mehr als die Stars in den roten Trikots.

- Integration von James

Vielleicht kommt durch Star-Neuzugang James Rodriguez ja ein Schuss mehr Power und Fantasie zurück ins Bayern-Spiel.

Der kolumbianische Linksfuß hat sich von seiner Muskelverletzung erholt und steht gegen Anderlecht aller Voraussicht nach zum ersten Mal in einem Pflichtspiel in der Startelf.

Die Frage lautet: Auf welcher Position? Noch ist unklar, wo Ancelotti seinen Liebling im Bayern-System sieht.

In der Saisonvorbereitung spielte die Leihgabe von Real Madrid auf der Zehn, aber auch auf beiden Außenbahnen - weder schlecht noch überragend.

James muss jetzt zeigen, dass er den Bayern weiterhelfen kann und dauerhaft in die erste Elf gehört. Dazu benötigt er aber auch die Unterstützung seiner Kollegen und Vorgesetzten.

- Absicherung der linken Seite

Da Franck Ribery angeschlagen ist, dürfte James gegen Ancelotti auf dem linken Flügel beginnen. Eine Position, auf der er auch viel nach hinten arbeiten muss.

Denn: Die linke Abwehrseite ist aktuell wohl die größte Schwachstelle der Münchner.

Mit David Alaba und Juan Bernat fallen beide etatmäßigen Akteure für diese Position verletzt aus, stattdessen baut Ancelotti auf Rafinha. Eine Notlösung.

Für Hoeneß spielt aber keine Rolle, wer auf dem Platz steht. Für ihn zählt nur das Wie. 

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