Lesedauer: 6 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Für den FC Bayern ist das Spiel bei Paris St. Germain auch ein Vergleich unterschiedlicher Fußball-Kulturen. SPORT1 macht den großen Check der beiden Klubs.

Alt gegen neu, Tradition gegen Moderne, Vernunft gegen Wahnsinn - für den FC Bayern ist der Champions-League-Kracher bei Paris St. Germain (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) auch ein Kampf der Fußball-Welten.

"Da treffen schon unterschiedliche Kulturen und Philosophien aufeinander", sagt Karl-Heinz Rummenigge: "Dort der neureiche Verein, wir sind eher der altreiche Verein."

Angesichts des Megatransfers von Neymar für 222 Millionen Euro in diesem Sommer gefällt sich der FCB-Vorstandsboss gegen den von Ölmillionen aus Katar künstlich hoch gepäppelten Emporkömmling aus Frankreich daher in der Rolle des Außenseiters: "Klubs wie der FC Bayern können die Champions League gewinnen – Paris muss sie gewinnen. Gewinnt PSG nicht, hat der Verein sein Ziel verfehlt."

Anzeige

Pures Understatement oder realistische Bestandsaufaufnahme? SPORT1 macht den großen Check und vergleicht die beiden Topklubs.

Die Klubs

Den Unterschied zwischen beiden Vereinen sieht man vor allem beim Blick auf die Erfolge. Der erst 1970 gegründete FC Paris St. Germain hat elfmal den französischen Pokal und sechsmal die Meisterschaft gewonnen, davon viermal in den vergangenen fünf Jahren. International allerdings gewann PSG bisher erst zwei Titel – 1996 und 1997 den nicht mehr vergebenen Europacup der Pokalsieger.

Der 1900 gegründete FC Bayern dagegen hat bislang 27 mal die Meisterschaft, 18 mal den DFB-Pokal sowie international den UEFA-Cup (1996), den Europacup der Pokalsieger (1967) sowie dreimal den Weltpokal (1976, 2001 und 2013) und fünfmal den Europacup der Landesmeister bzw. die Champions League (1974, 1975, 1976, 2001, 2013) gewonnen.

Der Henkelpott ist auch das erklärte Ziel der katarischen Investorengruppe Qatar Sports Investments (QSI) mit Scheich Hasan Al-Khelaifi an der Spitze, die 2011 für 130 Millionen Euro rund 70 Prozent an PSG übernahm. Doch trotz Millioneninvestitionen erreichte das Team seitdem maximal das Viertelfinale der Champions League.

Das Geld

Der Weltrekord-Transfer von Neymar war der letzte Beweis, dass Geld für Al-Khelaifi und Co. keine Rolle spielt – nur Titel zählen.

Daher wurde in den vergangenen Jahren ein Team aus Superstars zusammengekauft. Seit der Übernahme haben die Investoren rund 1,12 Milliarden (!) Euro für  neue Spieler ausgegeben. Allein das Sturmtrio Mbappe, Cavani und Neymar, kurz MCN, kostete 466 Millionen Euro an Ablöse.

Das Transferminus in den vergangenen fünf Jahren beträgt ca. 634 Millionen Euro. Und dabei sind die 180 Millionen Euro Ablöse für Mbappe noch gar nicht eingerechnet, da sie erst nächstes Jahr bezahlt werden müssen.

Wenn du hier klickst, siehst du Twitter-Inhalte und willigst ein, dass deine Daten zu den in der Datenschutzerklärung von Twitter dargestellten Zwecken verarbeitet werden. SPORT1 hat keinen Einfluss auf diese Datenverarbeitung. Du hast auch die Möglichkeit, alle Social Widgets zu aktivieren. Hinweise zum Widerruf findest du hier.
Alle Akzeptieren
Einmal Akzeptieren

Beim FC Bayern waren es bei Gesamtausgaben von rund 500 Millionen "nur" 208,5 Millionen Euro Transfer-Minus. Ebenso deutlich weniger Geld haben die Münchner für ihren aktuellen Kader ausgegeben: 359,5 Millionen Euro im Vergleich zu satten 804,9 Millionen Euro der Pariser.

Die Philosophien

Kein Wunder, dass die Münchner in den vergangenen Wochen vermehrt auf ihre gesunden Finanzen mit einem Eigenkapital von stolzen 424 Millionen Euro hingewiesen haben.

"Die kaufmännisch seriöse Politik ist die DNA des FC Bayern. Wir bleiben bei unserem Weg und werden uns hierbei nicht treiben lassen", erklärte Rummenigge.

Uli Hoeneß sieht seinen Verein langfristig sogar im Vorteil. "Es wird der Zeitpunkt kommen, wo alle, die jetzt so viel Geld rausdonnern, kleinere Brötchen backen werden, weil der sportliche Erfolg sich nicht so einstellt, wie es sich die Geldgeber vorgestellt haben", prophezeite der FCB-Präsident im kicker.

"Die Geldgeber werden sagen: Jetzt haben wir so viel Geld reingesteckt und erreichen nicht, was wir erreichen wollen, jetzt haben wir die Schnauze voll! Und dann ist unsere Zeit da."

Bleibt der Triumph in der Champions League weiter aus, prophezeien Experten einen Rückzug der Katarer bei PSG nach der Heim-WM 2022.

Die Mannschaften

Beim aktuellen Marktwert haben die Münchner übrigens trotz Neymar und Mbappe die Nase vorn mit einem Gesamtwert von rund 580 Millionen Euro gegenüber 520 Millionen Euro bei PSG.

Allerdings gab PSG für seinen aktuellen Kader 804,9 Millionen Euro aus. Bayern 359,5. Ein Milliardenspiel mit ungleichen Vorzeichen.

Dabei haben die Gastgeber auch auf der Ersatzbank enormes Potenzial, wo neben den Deutschen Kevin Trapp und Julian Draxler noch Hochkaräter wie die Argentinier Angel di Maria und Javier Pastore sitzen werden.

Trotzdem gehen die Meinungen bei Bayern auseinander, ob man den Erfolg kaufen kann. "Geld schießt keine Tore, sondern Qualität auf dem Platz", meinte Robben.

Dagegen sagte Hummels: "Geld schießt keine Tore, aber Geld kauft Spieler, die Tore schießen."

Am Mittwochabend zählt für den Abwehrchef aber nicht mehr die Diskussion ums Geld, sondern der sportliche Vergleich.

"Sportlich ist es unheimlich attraktiv für die Fans beider Vereine und die neutralen Zuschauer, aber auch uns Spieler", sagte Mats Hummels. "Ich freue mich auf die sportliche Herausforderung."

Die Schwächen

PSG ist in dieser Saison noch ungeschlagen und glänzte zum Auftakt beim 5:0 gegen Celtic Glasgow. Dennoch herrscht derzeit große Unruhe.

Weniger wegen des enttäuschenden 0:0 am Samstag in Montpellier, bei dem das Team ohne den am Zeh verletzten Neymar gerade mal zwei Torchancen hatte.

Vielmehr sorgt der Elfmeterzoff zwischen dem wiedergenesenen Brasilianer und Cavani für andauernde Schlagzeilen, weil es laut französischen Medienberichten insgesamt in der Mannschaft nicht stimmen soll.

Die etablierten Stars sollen neidisch auf Neymars Mega-Gehalt blicken - rund drei Millionen pro Monat plus geschätzte 20 Millionen Prämien im Jahr - und auf die bevorzugte Behandlung durch die Klubbosse.

Die mannschaftliche Geschlossenheit sieht Rummenigge daher als Vorteil für den FC Bayern. "Natürlich ist das eine Offensive mit Weltklassespielern, die gilt es zu kontrollieren. Aber wir haben mehr Erfahrung. Das gilt es auszuspielen", sagte er.

Auch die schwache Generalprobe beim 2:2 gegen Wolfsburg macht den Münchnern offenbar keine Sorgen, vielmehr wertet man es als Wachmacher zur rechten Zeit.

"Ich kenne unsere Mannschaft, die ist in solchen Spielen hochgradig motiviert und konzentriert. Ich bin überzeugt, dass wir etwas mitnehmen können", meinte Rummenigge.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image