Rolle rückwärts? Das sagt Heynckes
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Istanbul - Bayern-Boss Rummenigge gibt der Trainerdebatte über einen Verbleib von Jupp Heynckes neue Nahrung. SPORT1 erklärt, wie die jüngsten Aussagen zu bewerten sind.

Fast kein Tag vergeht derzeit ohne neue Meldungen zur Trainerfrage beim FC Bayern.

Das sei alles die Schuld der Medien, schimpfte Präsident Uli Hoeneß am vergangenen Samstag.

Doch Tatsache ist: Hoeneß hat über Wochen öffentlich versucht, Jupp Heynckes mit seiner "Charmeoffensive" zum Weitermachen zu überreden.

Nachdem der Chefcoach dann selbst mehrfach deutlich gemacht hatte, dass er zu seinem Wort stehen und im Sommer Schluss sein werde, hörte sich das am Freitag vor dem Spiel gegen den Hamburger SV plötzlich ganz anders an: "Ich habe nie gesagt, dass ich aufhören werde", sagte der 72-Jährige da.

Heynckes: "Habe nie gesagt, dass ich aufhöre"

Was nicht ganz richtig ist, denn Heynckes hatte seit seinem Amtsantritt mehrfach betont, dass er den Job aufgrund seines Alters und der enormen Belastung eben nur bis Saisonende machen werde.

Kein Wunder also, dass auch Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag vor dem Abflug zum Champions-League-Spiel bei Besiktas Istanbul von einer "Rolle rückwärts" sprach.

SPORT1 erklärt, wie die jüngsten Aussagen zu bewerten sind.

Das sagt Rummenigge:

Der Vorstandsboss stellte die Situation am Münchner Flughafen so dar, als ob der FCB sich nun wieder berechtigte Hoffnungen auf eine Zukunft mit dem erklärten Wunschkandidaten machen könne.

Rummenigge freut sich über Heynckes-Sinneswandel

"Jetzt warten wir aber in aller Ruhe ab. Wir haben da überhaupt keinen Stress. Wir sind glücklich, wie wir im Moment da stehen in der Bundesliga, in der Champions League und im DFB Pokal", sagte er.

"Wir wollen versuchen mitzunehmen, was mitzunehmen ist mit Jupp Heynckes und dann dürfen wir weitersehen."

Ansonsten werde sich die Bayern-Führung nicht mehr zur Trainerfrage äußern, um das zarte Pflänzchen Hoffnung nicht zu zerstören: "Wir wollen gar nicht mehr über Jupp Heynckes sprechen. Das nervt ihn. Sagen wir mal nichts."

Das sagt Heynckes:

Der Erfolgscoach wollte sich auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Besiktas nicht mehr konkret zu seiner Zukunft äußern.

"Ich neige nicht dazu die Aussagen von Rummenigge und Hoeneß zu interpretieren", sagte er auf SPORT1-Nachfrage.

"Ich weiß, was ich will und was ich tue. Sie müssen abwarten, bis die Entscheidung bekannt gegeben wird."

Anschließend präzisierte er seine Worte nochmals. Er betrachte seine Aussage nicht als Rolle rückwärts, sagte Heynckes bei Sky: "Im Gegenteil. Ich habe meine Meinung und meinen Standpunkt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen."

Das sagt SPORT1:

Sollte Heynckes tatsächlich weitermachen, käme das einer kleinen Sensation gleich. Zu klar waren seine Aussagen wie etwa zuletzt sein Abschied von Freiburgs Coach Christian Streich und auch die Verweise auf sein Alter und die fehlende Lebensqualität.

Auch Kapitän Thomas Müller hatte im SPORT1-Interview vor einer Woche nicht den Berichten widersprochen, nachdem Heynckes das Team bereits über seinen Weggang informiert haben soll.

"Es ist das, was er angekündigt hat. Als er kam, war nie von mehr die Rede. Es wird so sein. Wir müssen ihm alle dankbar sein, dass er den Job übernommen hat", erklärte Müller.

Wahrscheinlich will der FCB-Trainer aber die Entscheidung über sein endgültiges Karriereende selbst verkünden, sich nicht von den Medien treiben lassen und zudem den Fokus wieder mehr auf den Kampf ums Triple legen.

Wirbel um Heynckes: Hoeneß findet einen Schuldigen

Denkbar ist zudem auch eine Absprache mit den Vereinsbossen, durch diese und andere Nebelkerzen für genug Rauch zu sorgen, damit Bayern relativ unbemerkt die Verpflichtung des neuen Trainers perfekt machen kann. In diesen Kontext passt Rummenigges Aussage vom Dienstag, ihn habe Heynckes' Rolle rückwärts "nicht überrascht".

Macht Favorit Tuchel das Rennen?

Vor der vermeintlichen Kehrtwende des Trainers war man davon ausgegangen, dass in den nächsten drei bis vier Wochen der kommende Mann bekanntgegeben wird. Auch jetzt wäre eine entsprechende Meldung daher für Insider trotz allem nicht überraschend.

Die spannende Frage bleibt nur, ob der von Heynckes in höchsten Tönen gelobte Favorit Thomas Tuchel tatsächlich das Rennen macht. Trotz der angeblichen Vorbehalte von Hoeneß bringt der Ex-Dortmunder fachlich alle geforderten Qualitäten mit, inklusive der Deutschsprachigkeit.

Daher bleibt es die wahrscheinlichste Variante, dass der FC Bayern ab dem 8. Juli von einem wesentlich jüngeren Chefcoach als im Moment betreut wird.

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