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Loris Karius kam aus Mainz zum FC Liverpool
Loris Karius kam aus Mainz zum FC Liverpool © Getty Images
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Nach seinen beiden Patzern gegen Real Madrid entschuldigt sich Liverpools Keeper bei den Fans und Mitspielern. Am liebsten würde er "die Zeit zurückdrehen".

Nach dem Abpfiff brach Loris Karius zusammen.

Minutenlang lag der Unglücksrabe des FC Liverpool alleine auf dem Rasen im Olympiastadion von Kiew. Seine Teamkollegen waren nach dem verlorenen Champions-League-Showdown gegen Real Madrid selbst zu leer, um sich um ihren Schlussmann zu kümmern, ihn wieder aufzurichten.

Erst nach einer kleinen Ewigkeit begab sich ausgerechnet Madrids Matchwinner Gareth Bale zum deutschen Keeper der Reds und tröstete den 24-Jährigen, der erst dem Traumtor des Walisers machtlos hinterherschauen musste und später bei Bales Distanzschuss ein zweites Mal historisch patzte.

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Als Karius wieder etwas Kraft gefunden hatte, trat er unter Tränen in die Kurve der Reds-Fans, hob ihnen entschuldigend die Hand, bat förmlich um Verzeihung nach dem schwärzesten Tag seiner noch jungen Karriere.

Erst Stunden später fand er nach seinem persönlichen Finalalbtraum die ersten Worte für die beiden kapitalen Patzer, die Liverpools Niederlage im Champions League Finale besiegelt hatten.

Ellenbogencheck von Ramos

"Es tut mir leid für jeden, im Team, im Klub, dass diese Fehler uns so teuer zu stehen kamen. Ich habe heute mein Spiel verloren, ich fühle nichts im Augenblick", sagte der Torwart dem britischen Radiosender talkSport nach dem 1:3 (0:0) gegen Real Madrid im Endspiel der Champions League. Auch am Tag nach dem Finale verfolgten die Aussetzer den Keeper ohne Unterlass: "Ich habe immer noch nicht wirklich geschlafen. Die Szenen spuken wieder und wieder in meinem Kopf herum", schrieb Karius am Sonntagnachmittag auf Twitter. 

Karius hatte sowohl das 0:1 von Karim Benzema (51.) als auch das 1:3 von Gareth Bale (83.) mit unerklärlichen Aussetzern verschuldet. Dem lauernden Franzosen warf er einen Abwurf direkt in den Fuß und schenkte Real so die Führung.

Nachdem Bale die Königlichen durch einen traumhaften Fallrückzieher ein zweites Mal in Front gebracht hatte, besiegelte Karius mit einem Fehlgriff bei einem 30-Meter-Schuss des Walisers endgültig Liverpools Niederlage.

Den beiden Aussetzern vorangegangen war allerdings ein verdeckter Ellenbogencheck von Reals Sergio Ramos gegen den deutschen Schlussmann zu Beginn der zweiten Hälfte.

Einige Experten spekulierten, dass diese Aktion mit Karius' nachfolgenden Fehlern zusammenhängen könnte, weil beispielsweise dessen Raum-Wahrnehmung eingeschränkt gewesen sein könnte.

"Mannschaft im Stich gelassen"

"Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich es tun. Ich weiß, ich habe meine Mannschaft im Stich gelassen. Es ist sehr hart, aber so ist das Leben eines Torwarts. Du musst den Kopf wieder hochnehmen", sagte der frühere Mainzer Schlussmann.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass ich aus Torwart-Sicht schon etwas Brutaleres gesehen habe. So ein Abend kann eine Karriere zerstören", sagte ZDF-Experte Oliver Kahn.

Noch deutlicher wurde Lothar Matthäus bei Sky: "Das war die schlechteste Torhüter-Leistung in den letzten 20, 30 Jahren." Karius sei für ihn "kein Weltklasse-Keeper, weil er diese Patzer generell immer mal wieder drin hat".

Kahn erklärt Umgang mit Fehlern

Liverpools Trainer Jürgen Klopp sagte, er fühle mit seinem Torwart, aber "es gibt da nicht viel zu reden. Die Fehler waren offensichtlich. Ich weiß es, er weiß es. Er muss damit umgehen und wir müssen damit umgehen." Dass der extrem bittere Abend die Karriere von Karius gefährden könnte, hofft Klopp nicht.

"Manche Leute sind aber doof genug, ihm das dann immer wieder aufs Brot zu schmieren", sagte der 50-Jährige bei Sky.
  

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