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Berlin - Der FC Bayern verschwindet nach dem Pokalfinale zügig in der Kabine. Mit Respektlosigkeit habe das aber nichts zu tun, erklären die Münchner. Ein Frankfurter nimmt sie in Schutz.

Eintracht Frankfurt hat im Berliner Olympiastadion den ersten Triumph im DFB-Pokal seit 30 Jahren gefeiert - musste dabei allerdings auf eine Tradition verzichten:

Im Gegensatz zu vergangenen Jahren wohnte der FC Bayern als Verlierer der Pokalübergabe nicht mehr bei.

Dem Vorwurf, seine Mannschaft sei ein schlechter Verlierer, widersprach Trainer Jupp Heynckes nach der Partie. 

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"In diesem Moment haben wir nicht daran gedacht", sagte Heynckes in der ARD über die Szenen vor der Ehrung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an den Sieger. (Frankfurts Pokalsieger-Empfang am Sonntag im LIVETICKER)

VOLKSWAGEN POKALFIEBER am Sonntag, 23.30 Uhr im TV auf SPORT1

Der Bayern-Coach betonte: "Ich möchte das dann hier nachholen und Eintracht Frankfurt zum Pokalsieg gratulieren. Sie sind ein würdiger Pokalsieger."

Auch auf der Pressekonferenz bezog Heynckes noch einmal Stellung: "Ich hätte mir gewünscht, dass ein Verantwortlicher des DFB oder des FC Bayern uns darauf hingewiesen hätte. Ich denke nicht, dass das Absicht war, habe in dem Moment überhaupt nicht daran gedacht, sonst hätte ich meine Mannschaft aufgefordert zu bleiben."

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge war das Thema auch am Sonntag bei der Münchner Meisterfeier auf dem Marienplatz noch ein Anliegen:

"Da ist ein Missverständnis passiert. Ich entschuldige mich ausdrücklich bei Eintracht Frankfurt. Wir haben auf der Tribüne dem Vorstand von Eintracht Frankfurt ausdrücklich gratuliert. Sie haben ein tolles Spiel abgeliefert." Der Münchner Mannschaft habe "keiner ein Zeichen gegeben, noch da zu bleiben und dem Gewinner zu applaudieren."

Statt die Pokalübergabe auf dem Rasen zu verfolgen, waren die Münchner fast geschlossen in der Kabine verschwunden. Einzig Manuel Neuer und Tom Starke wurden noch im Innenraum des Stadions gesichtet.

Bayern verteidigen sich

Zuvor hatten die meisten Bayern-Profis nach der Ehrung für das Erreichen des Pokalfinals die dazugehörigen Medaillen noch auf der Bühne wieder vom Hals genommen. (Bayerns Meisterfeier am Sonntag, ab 15 Uhr LIVE im TV und im LIVETICKER)

Mats Hummels wehrte sich im Anschluss gegen den Vorwurf des fehlenden Respekts.

"Ich bin bestimmt schon ein, zwei Mal in meiner Karriere reingegangen, aber das hatte nie etwas mit Respektlosigkeit zu tun. Es war eher so, dass wir da fast reingeleitet wurden. Einer hat den Anfang gemacht - und alle anderen sind wie eine Entenfamilie hinterhergedackelt", sagte er.

"Die beiden Mannschaften sind nach dem Spiel sehr respektvoll miteinander umgegangen. Und eins muss man ja auch sagen: Ich glaube, die Frankfurter freuen sich nicht weniger, nur weil wir ihnen nicht zugeschaut haben dabei."

Am Sonntag schickte Hummels per Twitter noch explizit Glückwünsche an den Main.

Thomas Müller sah das Geschehen am Samstagabend ähnlich. "Das war kein Zeichen von Respektlosigkeit. Es ist schon hart genug, als Verlierer durch ein Spalier zu gehen. Das ist ein harter Gang, da den Siegern ins Gesicht zu sehen", erklärte der Kapitän. 

Und Joshua Kimmich meinte: "Ich weiß gar nicht, wie das abläuft normalerweise. Wenn es respektlos rüberkommt, tut es mir leid. Das war nicht unsere Absicht." 

Da Costa nimmt Gegner in Schutz

Frankfurts Danny da Costa nahm die Münchner später in Schutz: "Ich kann verstehen, dass die Enttäuschung da groß war und niemand groß dran gedacht hat, uns zu gratulieren. Ich glaube nicht, dass das böse Absicht war, dass sie so schnell in die Kabine verschwunden sind."

Der CHECK24 Doppelpass am Sonntag um 11 Uhr mit Bodo Illgner und Dirk Schuster LIVE im Free-TV auf SPORT1

Für Frankfurt war es der erste Pokaltriumph seit 1988 und der fünfte insgesamt. Ante Rebic (11., 82.) mit einem Doppelpack und Mijat Gacinovic (90.+6) hatten den Sieg mit ihren Toren perfekt gemacht, Robert Lewandowski (53.) zwischenzeitlich zum 1:1 getroffen.

In der Nachspielzeit verwehrte Schiedsrichter Felix Zwayer den Münchnern unter Zuhilfenahme des Videobeweises nach einem Tritt von Kevin-Prince Boateng gegen Javi Martinez einen Elfmeter.

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