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München - Vor dem Pokal-Halbfinale zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern sprechen zwei Klub-Ikonen bei SPORT1 über den Kracher und ihr persönliches Duell.

Mirko Votava sagt immer noch "Wir", wenn er über seinen früheren Verein Werder Bremen spricht.

Und vor dem Pokal-Halbfinale der Norddeutschen gegen den FC Bayern am Mittwochabend (DFB-Pokal: Werder Bremen - FC Bayern ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) steigt beim 62-Jährigen das Adrenalin.

Votava spielte von 1985 bis 1996 für die Bremer. Nach seiner aktiven Zeit als Profi war er von 2004 bis 2017 Trainer von Werders U19, seit 2017 arbeitet der Tscheche als Co-Trainer bei der zweiten Mannschaft. 

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Votava steht für Werder genauso wie der ehemalige SPORT1-Experte (2011 bis 2018) und Ex-Profi Thomas Strunz für die Bayern. Die beiden standen die meiste Zeit ihrer Karriere für die Grün-Weißen bzw. die Roten auf dem Platz und spielten von 1989 bis 1995 sechs Jahre ununterbrochen gegeneinander. Beide haben am Donnerstag Geburtstag. Auch zu Strunz' Zeit beim VfB Stuttgart (1992 bis 1995) war in den Duellen mit Werder immer der Mann mit dem Schnäuzer sein Gegenspieler: Mirko Votava.  

"Die Spiele gegen die Bayern waren für uns immer ein Gradmesser", sagt Votava zu SPORT1. "Ich hoffe, dass wir nach dem Punktspiel (vergangenen Samstag verlor Werder in München 0:1, Anm. d. Red.), mit der Spielanalyse und mit den Zuschauern im Rücken den Bayern Paroli bieten können."

Votava sieht reelle Chance

Der frühere Mittelfeldstratege der Bremer weiß natürlich genau, worauf es am Mittwochabend im Weserstadion ankommen wird. "Wichtig wird die Balleroberung und der Ballbesitz sein, denn die Bayern laufen nicht so gern hinter dem Ball her." Und dann kommt ihm das "Wir" schon wieder über die Lippen: "Wir müssen die Zuschauer in jedem Zweikampf mitnehmen, dann sehe ich eine reelle Chance."

Strunz warnt den Rekordmeister bei SPORT1: "Der FC Bayern muss versuchen, von Beginn an die Spielkontrolle zu übernehmen und Werder wenig zur Entfaltung kommen zu lassen." Ein wichtiger Punkt werde dabei "die Verteidigung bei Ballverlust sein. Wenn es Werder gelingt, nach Ballgewinn schnell und zielstrebig in die Tiefe zu spielen und ihre schnellen Leute ins Spiel kommen, können sie den Bayern extrem wehtun. Aus meiner Sicht wird an diesem Punkt das Spiel entschieden."

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Der 50-Jährige erinnert sich auch an einstige Duelle und meint: "Früher gab es andere Voraussetzungen bei diesem Spiel. Damals agierten beide Klubs nahezu auf Augenhöhe. Heute sieht das etwas anders aus. Ich glaube, dass es ein umkämpftes Spiel geben wird. Zuhause ist Werder unter Trainer Florian Kohfeldt richtig stark geworden. Dort schaffen sie es, ihre Spielphilosophie klarer umzusetzen und mit dem Super-Publikum im Rücken wird es für die Bayern heute eine richtige Herausforderung." 

"Große Dankbarkeit" bei Strunz

Strunz blickt "mit großer Dankbarkeit" auf seine Zeit zurück. "Wir waren in der Regel sehr erfolgreich und haben viele Titel geholt. Auch Trapps Rede (Wutrede "Was erlaube Struuunz?" seines damaligen Trainers Giovanni Trapattoni, Anm. d. Red.) ist mir mittlerweile positiv in Erinnerung, da ich gesehen habe, wie schnelllebig das Leben an sich ist. Heute ist alles schlecht, morgen alles wieder gut. So eine Erfahrung hilft auch im 'normalen' Leben, um Dinge richtig einzuordnen."

Votava denkt an seine aktive Zeit im Werder-Trikot zurück. "Der Wechsel von Atletico Madrid zu Werder war für mich überraschend sehr gut, ich hätte nie gedacht, dass man mit dieser Mannschaft so erfolgreich sein kann", meint er. "Ich bin stolz darauf, dass ich als Kapitän mit Werder so viele Titel gewinnen konnte." Zwei Mal wurde Votava mit den Bremern Deutscher Meister (1988 und 1993) und zwei Mal Pokalsieger (1991 und 1994).

Für Strunz findet der Tscheche nur positive Worte. "Thomas war für die Bayern ein sehr wichtiger Spieler, sonst hätte er nicht so oft gespielt." Und lächelnd fügt Votava hinzu: "Privat haben wir uns leider nicht kennengelernt, aber als Sternzeichen Stier muss er auch ein Kämpfer gewesen sein. Und als solchen habe ich ihn auch immer gesehen."

Auch von Strunz gibt es nur Lob für seinen einstigen Gegenspieler: "Mirko stand für mich mit seiner unaufgeregten und klaren Art seines Spiels für Verlässlichkeit, Disziplin und Teamgeist. Er war kompromisslos im Zweikampf und ein sehr wichtiger Mannschaftsspieler für das damalige Werder-Team. So schätze ich ihn auch als Menschen ein. Jemand, der sich nicht wichtig nimmt, aber dennoch wichtig ist."

"Über den Pokal könnte es einfacher sein"

Was ist unabhängig vom Ausgang der Partie am Mittwochabend noch drin für Votavas Bremer? "Werder hat noch ein schweres Restprogramm in der Meisterschaft. Ich hoffe aber trotzdem, dass wir noch ins internationale Geschäft kommen. Über den Pokal könnte es einfacher sein."

Und wer wird Meister, die Bayern oder Borussia Dortmund? "Ich denke, dass beide Mannschaften im Meisterschaftsduell ihre Negativphase überstanden haben und wir noch eine spannende Endphase erleben werden", schätzt Votava die aktuelle Lage ein, um schmunzelnd anzufügen: "Nach acht Jahren als Dortmunder (1994 bis 1992, Anm. d. Red.) bin ich natürlich eher auf der Seite des BVB."

Für Strunz gibt es dagegen nur einen Meister. "Den einen Punkt Vorsprung werden sich die Bayern nicht mehr nehmen lassen, zumal ich auch nicht glaube, dass der BVB noch alle Spiele gewinnt. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle von mir an den BVB, und da spreche ich sicher für alle Fußball-Fans, für diese tolle Saison und die tollen Spiele. Endlich gibt es wieder Spannung um den Titel." 

Und was tippen die beiden für den Kracher im Pokal? Für Votava ist es gar keine Frage, wer ins Endspiel einziehen wird. "Ich bin Werderaner, deshalb kommen wir durch Elfmeterschießen nach Berlin."

Auch Strunz setzt auf seinen ehemaligen Verein - stimmt Votava aber insofern zu, als dass die Partie im Weserstadion in die Verlängerung gehen könnte: "Ich glaube, dass die Bayern ins Finale einziehen, eventuell sogar erst durch ein Elfmeterschießen. Werder traue ich auf jeden Fall ein großes Spiel zu."

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