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München - Auch Hansi Flick wird als möglicher Nachfolger von Joachim Löw gehandelt. Verliert der FC Bayern seinen Erfolgstrainer? SPORT1 skizziert denkbare Szenarien.

Seit der Rücktrittsankündigung von Joachim Löw ist die Diskussion um die Nachfolge voll entbrannt.

Die heiß gehandelten Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann haben den Job als Bundestrainer bereits abgelehnt. Ralf Rangnick hat dagegen am Mittwochabend seine grundsätzliche Gesprächsbereitschaft signalisiert. Ein Name, der zuletzt auch immer wieder fiel, ist der des Bayern-Erfolgstrainers Hansi Flick. Nach SPORT1-Informationen ist der 56-Jährige der Topkandidat als Löw-Nachfolger.

Allerdings hat der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge im SPORT1-Interview Anfang Februar bezüglich Flicks Zukunft ein Machtwort gesprochen. Aber müssen die Bayern trotzdem einen Abgang ihres Sextuple-Trainers fürchten? SPORT1 skizziert mögliche Szenarien.

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Szenario 1: Rummenigge bleibt bei Machtwort - Flick bleibt bei Bayern

Er gehe "hundertprozentig" davon aus, dass Flick auch in der nächsten Saison Trainer des FC Bayern sein werde, bekräftigte Rummenigge im SPORT1-Interview Anfang Februar. "Außerdem: Er hatte als Spieler seine schönste und erfolgreichste Zeit beim FC Bayern. Das wird auch für seine Zeit als Trainer gelten."

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Flick hat beim FC Bayern noch einen Vertrag bis 2023. "Er ist jemand, der Verträge erfüllt, auch wenn es vielleicht mal nicht so läuft", sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus unlängst im SPORT1-Interview. "Er ist ein Mensch, der sich über vieles Gedanken macht. Ich glaube, dass er beim FC Bayern zurzeit einen Job hat, der ihm unwahrscheinlich Spaß macht; nicht nur mit der Mannschaft, sondern auch mit seinem Staff, wie er immer so schön sagt. Deswegen bin ich überzeugt, dass Hansi seinen Vertrag auf jeden Fall erfüllen wird."

Flick kennt sich aber auch beim DFB bestens aus, arbeitete von 2006 bis 2014 als Löws Assistent. Ihm wird zudem ein großer Anteil am WM-Titel 2014 in Brasilien beigemessen.

Aber würden die Bayern Flick ziehen lassen, wenn er um Freigabe bitten sollte? "Ich habe immer gesagt, dass der Trainer der wichtigste Angestellte ist und wir eine Vertrags-Vereinbarung haben, die bekannt ist. Von daher ist das überhaupt kein Thema. Wir werden nicht die Probleme des DFB lösen. Und wenn ich ehrlich bin: Wäre ich Trainer und sollte vom Arbeitgeber FC Bayern zum Arbeitgeber DFB wechseln, würde mir das lediglich ein Schmunzeln entlocken", betonte Rummenigge im SPORT1-Interview.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus kann sich den Bundestrainer Flick daher auch nicht vorstellen. "Ich würde sagen, es macht wenig Sinn für den DFB, Hansi Flick zu verpflichten, weil ich es mir als DFB nicht mit dem FC Bayern verderben will. Denn der DFB ist schon ein wenig abhängig vom FC Bayern", sagte Matthäus am Mittwochabend bei Sky. "Ich bin überzeugt, dass er in der nächsten Saison Trainer beim FC Bayern bleibt. Denn man möchte nicht eine Rivalität reinbringen zwischen dem DFB und dem FC Bayern."

Szenario 2: Flick will Bundestrainer werden - Bayern braucht neuen Trainer

Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff machte zuletzt keinen Hehl aus seinen Gedankenspielen um Flick. "Hansi kenne ich natürlich bestens aus seiner Zeit beim DFB und schätze ihn sehr. Ich wäre verrückt, wenn ich das ausschließen würde", sagte Bierhoff kürzlich über eine mögliche DFB-Rückkehr Flicks in der Sport Bild. Die Aufgabe als Bundestrainer reizt Flick durchaus.

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Als Bayern-Trainer hat Flick alle Titel abgeräumt, die man gewinnen kann. Umso intensiver werden Rückschläge bewertet, wie das Pokal-Aus bei Zweitligist Holstein Kiel. Hinzukommt, dass die Mannschaft im kommenden Jahr durch den Abgang von David Alaba massiv geschwächt wird. Jérôme Boateng könnte ihm folgen. Zwei Spieler, die für Flick unverzichtbar sind. Ihn hatte bereits der Abgang von Thiago gestört.

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Öffentlich gab er sich seinem Arbeitgeber gegenüber stets loyal. "Ich weiß, was es bedeutet, beim FC Bayern zu arbeiten, und sehe keinen Grund, über etwas anderes nachzudenken", sagte Flick der Bild Mitte Februar. Er habe eine "tolle Mannschaft", ein "tolles Trainer-Team" und einen "tollen Staff", erklärte Flick, "deswegen macht mir das hier sehr viel Spaß. Ich habe im Moment überhaupt keine Veranlassung, daran irgendetwas zu verändern."

Doch sollte der DFB in Person von Bierhoff wirklich ernst machen und Flick tatsächlich dem Lockruf erliegen und Löw nach der EM beerben, stünden die Bayern zur neuen Saison plötzlich ohne Trainer da. Auch deshalb dürften die Bayern ihren Erfolgstrainer wohl nicht so ohne Weiteres ziehen lassen.

Szenario 3: Flick wird nach Vertragsende Bundestrainer

Möglich wäre daher eine Art Kompromiss. Flick bleibt bei den Bayern und erfüllt seinen Vertrag bis 2023. Anschließend könnte er die Nationalelf übernehmen und bei der Heim-EM 2024 betreuen. Die Bayern hätten somit ausreichend Zeit, die Flick-Nachfolge zu regeln.

Der DFB bräuchte für die Zeit nach der EM in diesem Jahr dann allerdings eine Übergangslösung. Infrage käme für diesen Job etwa der aktuelle U21-Trainer Stefan Kuntz, der mit seiner Erfahrung im Nachwuchsbereich auch einen Umbruch im Team einleiten könnte.

Löw selbst brachte den 58-Jährigen bereits als seinen Nachfolger ins Gespräch. Kuntz leiste "hervorragende Arbeit" und habe "eine sehr gute Ansprache an die Mannschaft", urteilte der 61-Jährige.

Der Verband will Löws Nachfolge jedenfalls noch vor Beginn der EM am 11. Juni klären. "Dass er uns frühzeitig über seine Entscheidung informiert hat, ist hoch anständig", kommentierte DFB-Präsident Fritz Keller Löws Rücktrittsankündigung. "Er lässt uns als DFB somit die nötige Zeit, mit Ruhe und Augenmaß seinen Nachfolger zu benennen."

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