Unfassbarer Blackout bringt Argentinien an den Abgrund
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Nischni Nowgorod - Lionel Messi droht nach der Pleite gegen Kroatien das WM-Aus mit Argentinien. Willy Caballero patzt. Trainer Jorge Sampaoli nimmt die Schuld auf sich.

Als der Schlusspfiff ertönt war, ging Lionel Messi mit versteinerter Miene als Erster schnurstracks in die Kabine.

Der Frankfurter Pokalheld Ante Rebic (53.), Zauberfuß Luka Modric (80.) und der ehemalige Schalker Ivan Rakitic (90.+1) haben den Superstar bei der WM in Russland an den Rand des Abgrunds und Kroatien vorzeitig ins Achtelfinale geschossen. (Die Tabelle der Gruppe D)

Die Argentinier und ihr weitgehend unsichtbarer "Floh" ließen sich mit 0:3 (0:0) demütigen. "Ritter der Verzweiflung. Argentinien zerfällt in Stücke", klagte die Zeitung Ole nur Sekunden nach dem Spiel auf ihrer Internetseite. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker zum Nachlesen)

"Ich bin verantwortlich. Unser Matchplan ist nicht aufgegangen. Diese Niederlage schmerzt sehr", sagte Argentiniens Trainer Jorge Sampaoli nach dem Abpfiff und gestand Fehler bei seiner Kaderplanung ein: "Wir haben nicht das beste Team gefunden, um Messi zu unterstützen."

Rebic nutzt Torwart-Bock

Nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Island muss der Vize-Weltmeister sein letztes Gruppenspiel gegen Nigeria am kommenden Dienstag voraussichtlich hoch gewinnen, um noch eine Chance auf den Einzug in die K.o.-Runde zu haben. Argentinien war zuletzt 2002 in der Vorrunde gescheitert. 

Die Kroaten, die mit neun ehemaligen oder aktuellen Spielern aus der Bundesliga im Kader besetzt sind, stehen bei ihrer sechsten WM-Teilnahme erstmals seit ihrer Premiere 1998 wieder im Achtelfinale - und: Sie mausern sich nach zwei souveränen Siegen zunehmend zu einem Geheimfavoriten. (Der WM-Spielplan)

"Es war unser großes Ziel ins Achtelfinale einzuziehen. Der Zusammenhalt war letztlich der Schlüssel zum Erfolg. Wir haben ihnen wenig Raum geben", sagte Kapitän Modric nach der Partie im ZDF: "Sie sind sehr gefährlich, wenn Messi den Ball hat, aber das haben wir nicht zugelassen. Der Fehler von Caballero hat uns sehr geholfen, aber trotzdem war es ein perfektes Spiel von uns."

Maradona leidet mit

Ein nägelkauender Diego Maradona verfolgte mit ausdrucksloser Miene auf der Tribüne, wie einer seiner Landsleute das drohende Unheil für Argentinien noch beschleunigte.

Diego Maradona: Bilder vom peinlichen Tribünenauftritt
Argentinien-Legende Diego Maradona litt auf der Tribüne mit Lionel Messi und Co. mit © Getty Images

Ein schlimmer Fehler von Torhüter Willy Caballero, dessen Chip zu einem Mitspieler dramatisch verunglückte, verhalf Rebic zum Treffer. Rebic hatte beim Sieg der Eintracht im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München (3:1) zwei Tore erzielt. 

Beim fast verzweifelten Drängen auf den Ausgleich verhinderte der ehemalige Schalker Ivan Rakitic vor 43.319 Zuschauern in Nischni Nowgorod den Ausgleich durch Messi (64.), der wenigstens in der letzten halben Stunde aktiver und sichtbarer war.

Messi ohne Bindung zum Spiel

Kroatien blieb derweil durch Konter gefährlich - Modric krönte die gute Leistung seiner Mannschaft. Rakitic (86.) traf noch die Latte und kurz darauf gegen völlig desolate Argentinier ins Tor.

Mutter spricht über Messis Druck

Argentinien hatte mit einer Dreierkette begonnen und versucht, sofort Druck zu machen. Das Vorhaben wäre beinahe grandios gescheitert, als Ivan Perisic plötzlich im Strafraum auftauchte, Caballero im argentinischen Tor den Ball aber gerade noch mit dem linken Arm zur Ecke abfälschen konnte (5.). 

Messi wurde selbstverständlich gesucht von seinen Mitspielern, fand aber keine Bindung zum Spiel. Er ließ sich ins Mittelfeld zurückfallen, um besser angespielt werden zu können, doch auch von dort blieb sein Einfluss eher begrenzt.

Argentinier verfehlt leeres Tor

Wenn es nicht Messi wäre, der von Maradona angefeindete Coach Sampaoli hätte den bisweilen auch lustlos wirkenden Kapitän zur Pause vom Feld nehmen müssen. Erst nach dem Rückstand ging ein Ruck durch den Messi.

Die Kroaten machten es Messi auch nicht gerade leicht, sie standen hinten in der Regel sicher, hatten nach eher seltenen Unsicherheiten freilich auch großes Glück, dass etwa Enzo Perez nach einer halben Stunde knapp am leeren Tor vorbeischoss (30.).

Der frühere Wolfsburger und Münchner Mandzukic besaß kurz darauf die große Gelegenheit zur Führung, köpfte allerdings unbedrängt neben das Tor (33.). Was sich am Ende als nicht weiter schlimm erwies.

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