Knutsch-Alarm! Kroatiens Präsidentin hat sie alle lieb
teilenE-MailKommentare

Weltmeister Frankreich hält der WM den Spiegel vor. Der Trend des Turniers in Russland stimmt nachdenklich. Kommentar von SPORT1-Director Digital Ivo Hrstic.

Felicitations, les Bleus! Frankreich ist verdienter Weltmeister.

Die talentierteste Mannschaft des Turniers hat sich am Ende - trotz eines spektakulären Endspiels - effizient und nüchtern zum Titel gearbeitet.

Passend zum "grande finale" weinte aber der Himmel über Moskau. Denn dieses WM-Turnier hatte den zynischen Weltmeister bekommen, den es am Ende verdient.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass der deutsch-spanische Ballbesitzfußball out ist. Selbst Topteams wie Frankreich opferten für den Erfolg phasenweise ihre Offensivqualitäten.

Weltmeistertrainer Didier Deschamps überließ sogar schwächeren Gegnern lieber den Ball, sogar gegen Außenseiter wie Peru in der Vorrunde (nur 45 Prozent Ballbesitz).

Das Finale gewannen die Franzosen mit gerade einmal 34 Prozent Ballbesitz und sieben Torschüssen (Kroatien 14).

Aber was bedeutet diese WM für die Zukunft des Fußballs? Wollen wir den Kindern und Jugendlichen etwa Anti-Fußball beibringen und für den Erfolg ein Stück weit die Seele des Spiels opfern? Frei nach dem Motto: "Gebt den Ball lieber freiwillig her, dann klappt es auch mit dem Erfolg."

Wollen wir Stars wie Antoine Griezmann, Kylian Mbappe oder Olivier Giroud nicht lieber auf Torejagd sehen? Der französische Mittelstürmer, der in Wirklichkeit gar keiner war, gab bei dieser WM nicht einen Schuss aufs gegnerische Tor ab. Quel malheur!

© iM Football

Ein Großteil der teilnehmenden Teams verließ sich auf Standardsituationen und ihre individuelle Klasse in der Offensive - schön sieht anders aus. Spielerisch und taktisch war diese WM 2018 in Russland für mich eine einzige Enttäuschung!

Was mir wenigstens positiv in Erinnerung bleiben wird, sind emotionale und willensstarke Nationalteams wie Russland und Kroatien, die mit ihren Fans und ihrem Land zu einem großen Ganzen verschmolzen. Schön, dass wir so etwas in einer überkommerzialisierten und abgehobenen Profifußballwelt noch erleben durften.

Berührend, wie das kleine Kroatien (nur 4,2 Mio Einwohner) diesem langweiligen WM-Trend trotzte. Die "Vatreni", die Feurigen, spielten, sangen und feierten sich weltweit in die Herzen aller Fans.

Die Bilder dieses Sommers: Rotweiße Schachbrett-Muster und lustige Wasserball-Badekappen. Luka Modric ist verdient zum besten Spieler des Turniers gekürt worden. Kroatien ist für mich Weltmeister der Herzen!

Was nun, Fußball? Es bleibt das mulmige Gefühl, dass sich am Ergebnis- und Sachfußball in naher Zukunft nichts ändern wird. Zusammen mit dem Ausblick auf eine Fußball-WM 2022 in der Wüste und zwar zur Vorweihnachtszeit, sind das ernstzunehmende Signale für alle Fans.

Der Fußball verliert seinen Glanz. Merde!

Nächste Artikel
previous article imagenext article image