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München - Peter Neururer spricht bei SPORT1 über die Gründe für das Aus des Regionalligisten SG Wattenscheid 09. Aus seiner Enttäuschung macht der Sportdirektor keinen Hehl.

Die Nachricht traf viele wie ein Blitzschlag.

Nicht nur, dass die SG Wattenscheid 09 Insolvenz anmelden musste, auch der Spielbetrieb konnte nicht aufrechterhalten werden. Der ehemalige Bundesligist hat seine 1. Mannschaft mit sofortiger Wirkung aus der Regionalliga West zurückgezogen. Die Folge: Zwangsabstieg und Neuanfang in den Niederungen des Amateurfußballs.

"Natürlich macht mich das traurig", erklärt Peter Neururer, der Sportdirektor der SG, im Gespräch mit SPORT1. "Vor allem macht mich sehr traurig, dass ich am Ende gar nicht mehr involviert und informiert wurde und dadurch auch keinen Einfluss hatte, in irgendeiner Art und Weise zu helfen."

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Neururer erfährt durch Presse von Entscheidung

Neururer, seit März Sportdirektor, ist offiziell noch im Amt, führt dieses aber schon länger nicht mehr aus. Von der Entscheidung, den Spielbetrieb einzustellen, hat der SPORT1-Experte vorher nichts erfahren. "Die Entscheidung habe ich über die Presse und über meinen Anwalt mitbekommen."

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Dass es mit der SG soweit gekommen ist, überrascht Neururer nicht. "Im Nachhinein war es nicht mehr zu verhindern", bilanzierte der 64-Jährige und schilderte, was aus seiner Sicht das Hauptproblem gewesen sei. "Wir alle, der neue Aufsichtsrat mit Josef Schnusenberg, der überhaupt keine Schuld an der Entwicklung hat, wurden mit Lügen und falschen Informationen an Bord geholt. Wir mussten kurzfristig feststellen, dass das, was man uns erzählt hatte, nicht wahr war."

Bei der Jahreshauptversammlung im März 2019 hat sich der Investor Oguzhan Can im Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden bestätigen lassen. "Dies geschah aufgrund von falschen Zahlen, die er der Mitgliederversammlung genannt hat", erklärte Neururer und wurde noch deutlicher: "Er hat vor Zeugen gesagt, dass die Saison durchfinanziert sei und keinerlei finanzielle Probleme auftreten würden."

Neururer will "nichts mit Insolvenz zu tun haben"

Daraufhin sei die Saison zu Ende gespielt worden. Im Nachhinein sei es immer schlimmer geworden und der neue Aufsichtsrat und die Führung von Schnusenberg konnte die Entwicklung nicht mehr stoppen.

Die Frage, ob Can der Hauptschuldige an dem Chaos bei der SG sein, ließ Neururer unbeantwortet. "Ich rede da nicht von Hauptschuld, es steht mir kein Urteil zu."

Der ehemalige Bundesligatrainer hat sich inzwischen auch komplett vom Regionalligisten zurückgezogen. "Ich habe seit Mai kein Gehalt mehr bekommen, ich habe zu Herrn Schnusenberg eigentlich noch Kontakt, habe den Kontakt seit Mai aber über meinen Anwalt laufen lassen. Ich wollte mit Insolvenz und ähnlichen Dingen nichts zu tun haben", erklärte er.

In der jetzigen Phase über irgendwelche Lösungsansätze für den ehemaligen Bundesligisten zu diskutieren, hält Neurer für aus der Luft gegriffen. "Es müssen Gelder her, es muss ein Konzept her", erklärte er. Des Weiteren bräuchte es einen Vorstand, Mitarbeiter und schließlich eine komplett neue Mannschaft.

"Der jetzige Trainer (Farat Toku Anm. d. Red.) wäre mit Sicherheit überqualifiziert für den Neustart, in welcher Liga der auch immer stattfindet", erklärte Neururer.

In welcher Liga genau der Neustart stattfinden soll, weiß Neururer nicht. "Es sagt ja keiner irgendetwas. Der Verein ist plan-, konzept- und gesichtslos."

Neururer machte keinen Hehl daraus, wie enttäuscht er von der Situation und Entwicklung beim Westdeutschen Traditionsverein ist. "Ich bin mit der größten Enttäuschung meiner gesamten Fußballlaufbahn konfrontiert worden."

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