vergrößernverkleinern
SG Flensburg-Handewitt v Telekom Veszprem - VELUX EHF Champions League: Quarter Final First Leg
Flensburgs Trainer Maik Machulla verzweifelt im Viertelfinale der Champions League © Getty Images
Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Meister Flensburg verpasst in Veszprem das Wunder und das Final Four der Königsklasse. Die HBL wartet seit 2014 auf einen Triumph und wird Opfer ihres Erfolges.

Die selbsternannte stärkste Liga der Welt guckt wieder mal nur zu, wenn der europäische Handball am ersten Juni-Wochenende in Köln den Besten seiner Besten kürt.

Als letzter deutscher Klub scheiterte Meister SG Flensburg-Handewitt im Viertelfinale der Champions League am ungarischen Spitzenklub Telekom Veszprem, das 22:28 aus dem Hinspiel erwies sich als zu große Hypothek. Trotz eines furiosen Starts hieß es in Ungarn am Ende 25:29 - zum dritten Mal in Folge stieg die Handball Bundesliga (HBL) vor der Endstation Köln aus der Champions League aus.

Nach den goldenen Jahren mit vier Titeln in fünf Jahren (2010 bis 2014) durch Flensburg, den THW Kiel und den HSV Hamburg verlor der deutsche Handball zunächst schleichend an Boden. Kiel erreichte noch zweimal das Final Four, der HBL auch ihr eigener Erfolg zum Verhängnis.

Anzeige

Guter Start reicht Flensburg nicht für Final Four

Dabei erwischte Flensburg in Ungarn einen Start nach Maß. Keine fünf Minuten waren gespielt, da führte die SG bereits 5:0, Veszprem erzielte erst in der neunten Minute den ersten Treffer. Doch die Gastgeber blieben cool, glichen in der 20. Minute erstmals zum 9:9 aus und ließen die Flensburger fortan nicht mehr weiter als bis auf zwei Tore davonziehen. "Nach 20 Minuten haben wir unsere Linie und unsere Lockerheit verloren", sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.

Mitte der ersten Halbzeit zeichnete sich ab, dass es für den deutschen Meister nicht reichen würde. "Die letzten zehn Minuten waren hammerscheiße", sagte Flensburgs Spielmacher Rasmus Lauge - der übrigens in der nächsten Saison in Veszprem sein Geld verdient. Letztendlich war Flensburg chancenlos. Die Rhein-Neckar Löwen waren im Achtelfinale gescheitert.

Jetzt aktuelle Handball-Fanartikel kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

Champions League: Letzter deutscher Triumph 2014

Fünf Jahre nach dem Champions-League-Triumph der Flensburger, dem bisher letzten deutschen Titel, verliert die HBL im europäischen Vergleich etwas an Bedeutung. Dabei schadet auch die starke Liga den Topteams.

Veszprem oder Kielce marschieren in der heimischen Liga locker durch - Kielce gewann in der laufenden Saison alle 26 Partien (nur eine erst nach Verlängerung), Vezsprem duelliert sich in Ungarn lediglich mit Szeged auf Augenhöhe. In der HBL gibt es deutlich härtere Konkurrenz. Das sieht man auch am EHF-Cup. Seit 2004 gewann nur ein nicht-deutsches Team (Szeged 2014) den zweiten Europapokal.

Das zeigt, dass die Liga in der Breite nach wie vor die Nummer eins, aber eben auch verdamt hart ist, auch deshalb wandern immer mehr Stars in kleinere Ligen zu den zahlungskräftigen Spitzenteams ab.

"Natürlich wären wir gerne beim Final Four dabei, aber eben nicht um jeden Preis", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann kürzlich der Stuttgarter Zeitung. Soll heißen: Kein Verein in der HBL verfügt über die Gelder, die beispielsweise Veszprem, der polnische Vertreter KS Kielce oder Frankreichs Topklub Paris St. Germain zur Verfügung haben. 

Meistgelesene Artikel

Klatsche für Gensheimer und PSG

Dass Geld allein aber auch kein Garant für den Erfolg ist, bekam zuletzt PSG mit seinem 20-Millionen-Etat zu spüren. Das Starensemble um Deutschlands Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer verlor in der Champions League das Viertelfinal-Hinspiel in Kielce mit satten zehn Toren.

Das kann für die kommende Saison nur eines bedeuten: Den Kader aufzustocken. Kein Problem, glaubt Bohmann, denn: "Wenn die noch mehr Geld bräuchten, würde man es ihnen wohl zur Verfügung stellen." Davon kann Flensburg mit seinem Etat von geschätzten sieben Millionen nur träumen.

Flensburg vor Meister-Kracher gegen Kiel

Für das Team von Trainer Maik Machulla geht es nun mit voller Konzentration in der Meisterschaft weiter, am kommenden Sonntag steht das Spitzenspiel bei Rekordmeister THW Kiel an. (HBL-Kracher: Kiel - Flesnburg am Sonntag ab 14.30 Uhr im LIVETICKER)

Gewinnen die Flensburger, ist ihnen bei dann sechs Punkten Vorsprung in der Tabelle der insgesamt dritte Meistertitel nach 2004 und 2018 wohl kaum noch zu nehmen. "Das wird eines der größten Spiele, die es gibt", sagte der nach der Saison scheidende SG-Kapitän Tobias Karlsson am Sky-Mikrofon. Vielleicht geht es ja im nächsten Jahr noch ein bisschen größer.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image