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Florian Kehrmann analysiert die deutsche Taktik bei der Handball-EM
Florian Kehrmann analysiert die deutsche Taktik bei der Handball-EM © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago
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München - Das DHB-Team ist gegen Spanien zum Siegen verdammt. WM-Held Florian Kehrmann erklärt bei SPORT1, wo sich Deutschland steigern muss.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft musste im vorletzten Gruppenspiel gegen Dänemark zwar die erste EM-Niederlage verkraften, die Medaillenchancen der "Bad Boys" sind aber noch immer am Leben.

Die Ausgangslage ist recht einfach: Unter der Voraussetzung, dass Mazedonien in den Spielen gegen Tschechien (Dienstag, ab 20.30 Uhr im LIVETICKER auf SPORT1) und Dänemark (Mittwoch, ab 18.15 Uhr im LIVETICKER auf SPORT1) noch Punkte liegen lässt, kommt es am Mittwoch zu einem echten Endspiel ums Halbfinale gegen Spanien (Mittwoch, ab 20.30 Uhr im LIVETICKER auf SPORT1).

Da das Team vom Balkan für den Rest des Turniers verletzungsbedingt wohl auf Superstar Kiril Lazarov verzichten muss, dürfte diese Konstellation nicht unwahrscheinlich sein.

Mentaler Vorteil beim DHB-Team

Das sieht auch ein WM-Held von 2007 so: Das Spiel gegen Spanien werde für das DHB-Team "das erste Endspiel von drei möglichen. Der Gewinner wird ins Halbfinale gehen", prophezeit der frühere Weltklasse-Rechtsaußen Florian Kehrmann im Gespräch mit SPORT1.

Florian Kehrmann analysiert die deutsche Taktik bei der Handball-EM
Florian Kehrmann analysiert die deutsche Taktik bei der Handball-EM © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago

Die Dramatik einer Europameisterschaft kennt Kehrmann nur zu gut. Der 40-Jährige blickt auf 223 Länderspiele zurück, stand in zwei EM-Endspielen. 2004 gewann er mit der deutschen Mannschaft den Titel gegen Gastgeber Slowenien.

Seine Nachfolger sieht Kehrmann trotz schwankender Turnierleistungen im Kracher zum Hauptrunden-Abschluss keineswegs chancenlos: "Das wird wie gegen Dänemark ein Spiel auf Augenhöhe. Der Ausgang ist völlig offen."

Obwohl Spanien, das seine einzige Niederlage im Turnierverlauf gegen Olympiasieger Dänemark (22:25) kassierte, bislang stabiler wirkte als die "Bad Boys" und gegen Tschechien (32:15) und Mazedonien (31:20) wahre Kantersiege einfuhr, liegt der mentale Vorteil eher beim deutschen Team.

Der Grund liegt zwei Jahre zurück. "Die Spanier haben bisher sicherlich eine gute EM gespielt, werden aber auch im Hinterkopf haben, dass sie in Polen eine bittere Niederlage im Finale erlitten haben", findet Kehrmann.

Tempospiel als größte Baustelle

Gegen Dänemark zeigte die Formkurve der deutschen Handballer bereits nach oben. An einer bestimmten Stellschraube muss der Titelverteidiger aus der Sicht des dreimaligen Handballer des Jahres aber noch drehen, um im Endspiel ums Halbfinale dagegen halten zu können: "Das größte Steigerungspotenzial sehe ich nach Ballgewinnen in der Abwehr. Die müssen wir besser nutzen, alle Spieler müssen mit mehr Tempo nach vorne laufen."

Der konsequente Tempogegenstoß, einst Kehrmanns Paradedisziplin, war vor zwei Jahren noch einer der Garanten für den sensationellen EM-Triumph der deutschen Mannschaft. In Kroatien blieb diese Waffe bislang stumpf.

Zum einen leisteten sich die Außenspieler, vor allem Kapitän Uwe Gensheimer, ungewohnt viele Fehlwürfe. Nach dem Arbeitssieg gegen Tschechien (22:19) sah sich Bundestrainer Christian Prokop deswegen sogar gezwungen, Kiels Rune Dahmke als Back-Up für den schwächelnden Gensheimer nachzunominieren.

Kehrmann sieht aber auch noch ein anderes Problem im deutschen Umschaltspiel: "Natürlich ist es nicht einfach, wenn ein Kreisläufer und ein 'reiner Abwehrspieler' (Finn Lemke, Anm. d. Red.) im Innenblock decken. Da müssen wir Lemke noch mehr ins Tempospiel einbinden, um aus den Ballgewinnen mehr Kapital zu schlagen."

Prokop muss Kompromiss finden

Zudem koste die intensive Abwehrarbeit, eigentlich das große Plus der deutschen Mannschaft, viele Körner für den Angriff: "Die Spieler kämpfen noch so viel in der Abwehr, sie sind erst mal zufrieden, wenn sie die Bälle erobern", erklärt der Welt- und Europameister.

Auch die Außenspieler werden aufgrund der zahlreichen Unterzahl-Situationen, die sich durch den seit zwei Jahren erlaubten Einsatz des zusätzlichen Feldspielers ergeben, mehr als früher in die Deckungsarbeit einbezogen und verlieren auf dem Weg zum gegnerischen Tor so wichtige Sekunden.

Der Bundestrainer wird gegen Spanien also den richtigen Kompromiss zwischen aufopferungsvoller Deckungsarbeit und effektivem Umschaltspiel finden müssen. Denn gegen die kompakte spanische Abwehr helfen nur einfache Tore.

Dass diese nach seiner Knieverletzung nicht mehr von Paul Drux kommen können, wird nach Kehrmanns Ansicht nicht den Ausschlag geben: "Natürlich ist das persönlich sehr schade für Paul. Ich glaube aber, dass die Mannschaft so breit aufgestellt ist, dass sie seinen Ausfall auffangen kann. Mit Steffen Fäth, Julius Kühn, Philipp Weber und auch Max Janke, wenn er zurück kommt, sind wir auf dieser Position gut besetzt."

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