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München - Nach der heftigen Kritik von Bob Hanning an Daniel Stephan antwortet der ehemalige Welthandballer bei SPORT1. Nicht alle Spieler würden gut mit dem Trainer auskommen.

"Jeder disqualifiziert sich so gut, wie er das selbst kann. Das hat er in eindrucksvoller Weise schon häufiger bewiesen, dass er da die Goldmedaille verdient hätte."

Die Worte von Bob Hanning Richtung Daniel Stephan, Welthandballer von 1998 und einer der bekanntesten Handball-Experten Deutschlands, sind eine volle Breitseite.

Stephan hatte zuvor Kritik an Christian Prokop geübt. Prokop sei "nicht der Richtige" als Bundestrainer, vor allem die fehlende Erfahrung des Ex-Leipzigers sei ein Schwachpunkt. (Spielplan und Ergebnisse der Handball-EM)

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Im Gespräch mit SPORT1 will der 46-Jährige kein weiteres Öl gegen DHB-Vizepräsident Hanning ins Feuer gießen. "Ich habe natürlich gehört, was er gesagt hat. Er sagt ja immer sehr viel, aber für mich ist das kein Problem."

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An seiner Kritik an Prokop hält Stephan aber fest: "Ich bleibe bei meiner Meinung. Meine Kritik hatte auch nicht explizit mit dem Kroatien-Spiel (24:25, Anm. d. Red.) zu tun. Man muss die Entwicklung von der EM 2018 über die Weltmeisterschaft in Deutschland bis zur EM hier in Österreich sehen."

Stephan lobt Leistung gegen Österreich

Seit der Heim-WM sei das deutsche Team nicht vorwärts gekommen. Bei der EM habe man "die Vorrunde total verschlafen, das darf nicht passieren", sagte Stephan und nannte "Defizite im Angriff, die zweite Welle funktioniert nicht. Das ist alles sehr ernüchternd."

Dabei bewertet Stephan die Leistung gegen Gastgeber Österreich am Montag (34:22) positiv. "Die deutsche Nationalmannschaft hat es sehr gut gemacht, sie waren motiviert und hatten viele deutsche Zuschauer in der Halle. Sie haben alles gegeben und waren qualitativ auch besser als Österreich. Das war eine sehr gelungene Leistung, auch wenn der Druck nicht mehr so da war nach dem verpassten Halbfinale."

Nach der Partie äußerten sich die beiden Keeper Johannes Bitter und Andreas Wolff sowie Hendrik Pekeler positiv über Prokops Arbeit. "Die Gemeinschaft zwischen Mannschaft und Trainer steht, egal was passiert. Wir sind wieder perfekt vorbereitet worden. Für uns stellt sich überhaupt keine Trainerfrage, null", sagte Matchwinner Bitter.

Stephan ist von der Rückendeckung der Spieler nicht überrascht. "Ich verstehe, dass die Spieler den Trainer in Schutz nehmen. Etwas anderes konnte man nicht erwarten. Das ist auch nicht schlimm. Wenn man gefragt wird, muss man seine Meinung sagen. Die kann sicherlich auch anders lauten, aber meine Meinung steht nach wie vor."

"Zwischen einigen Spielern und ihm ist das Verhältnis nicht ganz intakt"

Allerdings deutet der frühere Weltklasse-Handballer an, dass es innerhalb des Teams auch kritische Stimmen gegen Prokop gibt. "Ich denke, dass zwischen einigen Spielern und ihm das Verhältnis nicht ganz intakt ist. Wenn Spieler wie Pekeler und Bitter mit dem Trainer gut auskommen, ist das gut. Ich denke aber, dass es einige gibt, die das anders sehen, aber während der Europameisterschaft wird man von den Spielern nichts Negatives hören", erklärt er im SPORT1-Interview.

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Nach dem Spiel gegen Tschechien (Handball-EM: Tschechien - Deutschland am Mittwoch ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) wartet auf den DHB-Tross nochmals ein Trip von Wien nach Stockholm, wo am Samstag das Spiel um Platz fünf stattfindet.

An der Skepsis gegenüber Prokop wird auch die Jobgarantie von DHB-Sportvorstand Axel Kromer ("Wir werden natürlich mit Christian in Richtung Olympia gehen") kaum etwas ändern. Immer wieder fällt in den Diskussionen rund um die Europameisterschaft der Name Alfred Gislason.

Der 60-Jährige ist nach seinem Aus beim THW Kiel im Sommer 2019 ohne Job, würde Erfahrung und Erfolge mitbringen. Wie SPORT1 erfuhr, soll Gislason für eine neue Aufgabe bereitstehen. Schon im März 2019 erklärte er, dass er sich ab dem Jahr 2020 eine neue Aufgabe suchen werde. Es sei für ihn naheliegend, "sich mit einer Nationalmannschaft zu beschäftigen."

Stephan fordert Analyse der DHB-Bosse

Die Gegenwart heißt jedoch Prokop - der nicht nur bei Stephan in der Kritik steht. Auch Christian Schwarzer schimpfte beispielsweise, dass im verlorenen Spiel gegen Spanien Kapitän Uwe Gensheimer in der zweiten Hälfte auf der Bank saß.

"Ich bin nicht in der Verantwortung. Ich analysiere, was ich sehe. Ich sage meine Meinung, ohne Politik im Hintergrund zu machen. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig. Die Verantwortlichen müssen das analysieren", erklärt Stephan bei SPORT1. "Ich kenne Prokop persönlich nur ein bisschen. Ich habe von Stefan Kretzschmar gehört, dass er ein guter Typ ist."

Ob das allein reicht, um die hochgesteckten Ziele im deutschen Handball zu erreichen, muss Prokop nun beweisen. Im April steht das enorm wichtige Olympia-Qualifikationsturnier an.

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