vergrößernverkleinern
Johannes Bitter ist nach drei Jahren Abstinenz zurück im DHB-Aufgebot Bereits im Finale der Heim-WM 2007 wurde Johannes Bitter zum entscheidenden Akteur zwischen den Pfosten
Bereits im Finale der Heim-WM 2007 wurde Johannes Bitter zum entscheidenden Akteur zwischen den Pfosten © Getty Images
teilenE-MailKommentare

München - Johannes Bitter wurde zum Finalhelden bei der Heim-WM 2007. Nun sieht der Torhüter Vorzeichen für einen erneuten Titelgewinn. Michael Kraus ist nicht im Kader.

Kein Comeback für Michael Kraus, dafür Johannes Bitter als WM-Joker: Ein verschmitztes Lächeln huschte über das Gesicht von Christian Prokop, als er seine Karten offenlegte. Mit der Berufung des routinierten Weltmeister-Torhüters Bitter, Garant des Wintermärchens von 2007, in seinen vorläufigen Kader für die Heim-WM ist dem Bundestrainer ein kleiner Coup gelungen.

"Jogi ist ein Spieler, der über ganz starke Akzeptanz und Erfahrung verfügt", begründete Prokop die überraschende Nominierung Bitters. Der 36 Jahre alte Keeper, der sein 144. und bis dato letztes Länderspiel im Sommer 2014 absolvierte, könne im Falle einer Verletzung seines Stamm-Duos Andreas Wolff/Silvio Heinevetter "absichern" und der Mannschaft "den Rücken stärken. Er ist zu 100 Prozent motiviert."

Er kenne seine "Rolle", sagte Bitter dem SID: "Wenn irgendwas ist, ist es für einen alten Sack wie mich vielleicht leichter, im entscheidenden Moment parat zu stehen." Grundsätzlich traut er dem Team sogar den ganz großen Wurf zu. "Bei einer Heim-WM ist alles möglich, das haben wir 2007 gesehen", sagte er: "Da waren wir auch nicht die großen Favoriten und haben uns ins Turnier gespielt."

Anzeige

Schwere Entscheidung gegen Kraus

Der zuletzt formstarke, momentan aber verletzte Rückraumspieler Kraus (Mittelhandbruch) bekam bei Prokops "Telefon-Marathon" am Adventssonntag hingegen eine Absage. "Es waren nicht nur freudige Nachrichten. Es gab einige Spieler, die sich berechtigte Hoffnungen machen durften", verriet Prokop am Montag in Rostock, berichtete aber von "guten verständnisvollen Telefonaten".

Vor allem Torjäger Kraus habe dem Coach die Auswahl durch seine zuletzt starken Auftritte "schwer gemacht", sagte Prokop. Die Verletzung sei ein "Mitgrund. Sie birgt ein Risiko." Vielmehr sei es aber eine Entscheidung für den auch in der Abwehr starken 20-jährigen Göppinger Grünschnabel Sebastian Heymann gewesen.

Ansonsten verzichtete Prokop auf große Überraschungen. Die lange verletzten Berliner Paul Drux, der am Montag entgegen der ursprünglichen Planung auch zum Lehrgang nach Rostock anreiste, und Fabian Wiede wurden ebenso nominiert wie der für Rostock nicht berücksichtigte Europameister Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf). Insgesamt gehören zwölf Spieler zum Aufgebot, die 2016 sensationell den EM-Titel geholt hatten. Dagegen sind neben Heymann sechs weitere Akteure dabei, die noch kein großes Turnier mit der deutschen A-Nationalmannschaft absolviert haben.

Das Team nimmt Konturen an

Deren Chancen, im Januar tatsächlich im finalen 16er-Kader zu stehen, sind allerdings gering. Prokop betonte, dass seine Planungen hinsichtlich des finalen Aufgebots, das bis zum WM-Eröffnungsspiel am 10. Januar in Berlin benannt werden muss, schon weit fortgeschritten sind. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass alle die gleichen Chancen haben", sagte der 39-Jährige: "Die WM-Mannschaft nimmt klare Züge und klare Konturen an." Für die 17 Spieler, die am Montag zum Lehrgang in Rostock eintrafen, gäbe es "viel Sicherheit. Sie haben einen kleinen Vorsprung vor den anderen."

Und so dürften die verbleibenden Testspiele wie das am Mittwoch gegen Polen vielmehr dazu dienen, weitere Automatismen zu entwickeln, als ein Kader-Casting zu veranstalten. Zudem soll die Verbindung untereinander weiter gestärkt werden. Die gemeinsamen drei Tage in der Ostseestadt würden eine "wichtige Rolle in den WM-Planungen" spielen, sagt Prokop. "Da möchte ich keine Zeit verschenken."

Endgültige Entscheidung im Januar

Seinen endgültigen WM-Kader wird Prokop nach den letzten Testspielen gegen Tschechien (4. Januar in Hannover) und Argentinien (6. Januar in Kiel) benennen. Während des Turniers sind dann nur noch maximal drei Wechsel mit Spielern aus dem erweiterten Kader möglich.

---

Lesen Sie auch

DHB-Frauen kündigen Angriff an

Island - wo Feuer und Eis ganz besondere Sportler formen

Nächste Artikel
previous article imagenext article image