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Berlin - Deutschland erwartet im zweiten WM-Spiel mit Brasilien "ein ganz anderes Kaliber". Die DHB-Auswahl weiß um die eigenen Defizite - und fürchtet Provokationen.

Das erste Spiel ist vorüber, der Auftakt in die Heim-WM geglückt – und doch fällt der wirkliche Startschuss für die deutsche Handball-Nationalmannschaft erst am Samstag.

"Ich freue mich darauf, wenn das Turnier am Samstag richtig losgeht", meint Keeper Andreas Wolff, der mit seinen Paraden entscheidenden Anteil am 30:19 gegen Korea hatte, mit Blick auf das Spiel gegen Brasilien (ab 18.15 Uhr im LIVETICKER).

Spieler und Bundestrainer Christian Prokop sind sich einig: Mit dem dreifachen Panamerika-Meister wartet nun ein "ganz anderes Kaliber" auf das deutsche Team, was spätestens die starke Leistung der Brasilianer am Freitag gegen Frankreich unter Beweis stellte.

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Brasilien ärgerte Deutschland bereits

"Wir freuen uns jetzt auf einen Gegner, der uns auch körperlich Paroli bieten kann – was man bei Korea, bei allem Respekt, nicht unbedingt sagen konnte", erklärt Hendrik Pekeler: "Es wird ein anderes Spiel. Da kommt schon mehr Qualität auf uns zu."

Durch Videoanalysen und das gemeinsame TV-Erlebnis der knappen Auftakt-Pleite Brasiliens gegen Frankreich – wenngleich Torhüter Silvio Heinevetter auf der PK am Mittag scherzhaft anmerkte, ein Teil des Teams wolle lieber Dschungelcamp schauen – sei das Team gut vorbereitet auf die Südamerikaner. 

Zumal: In der Vergangenheit hatte Deutschland bereits so seine liebe Not mit den Brasilianern. So setzte es auf dem Weg zu Olympia-Bronze 2016 eine überraschende 30:33-Niederlage. DHB-Vize Bob Hanning erinnert sich auch an 2007, als "wir beim Eröffnungsspiel ganz knapp davor waren, dass wir das Ding in den Sand setzen."

"Natürlich haben wir auch ein paar Szenen vom Spiel bei Olympia gesehen", meint Pekeler. "Auch um zu gucken, wie sie auf uns reagiert haben." Doch grundsätzlich sei die Vergangenheit abgehakt, Revanchegelüste hege man "überhaupt nicht".

Hanning: Korea-Leistung reicht nicht

Und dennoch: Trotz des Erfolgs gegen Korea besteht beim deutschen Team Steigerungsbedarf. "Ich weiß, dass wir besser spielen müssen", warnt Hanning: "Die Leistung reicht noch nicht aus, um Brasilien zu schlagen."

Vor allem die schlampige Chancenverwertung wurde im und um das Team als Manko gesehen. "Wir haben viel zu viele Bälle aus dem ersten Tempo geworfen, waren da zu leichtfertig", so Hanning zu SPORT1.

Matthias Musche schlug in die gleiche Kerbe: "Wir haben einfach zu viele freie Bälle verworfen", so der Linksaußen des SC Magdeburg auf SPORT1-Nachfrage: "Hätten wir das gegen Korea hingekriegt, wäre es ein richtig, richtig gutes Spiel gewesen."

Strobel: Müssen "besseren Ball spielen"

Martin Strobel wurde etwas detaillierter. "Wir müssen effektiver angreifen. Einen besseren Ball spielen, unsere Chancen besser nutzen", erklärt der Spielmacher.

"Wenn wir das an den Tag legen, ist schon einmal viel gewonnen", so Strobel. Man habe gegen Korea "ein bisschen viel liegen lassen", neben den Fehlwürfen nannte er "technische Fehler" als Problem.

Zudem habe man "den einen oder anderen Schlagwurf zu viel zugelassen", ergänzt Kapitän Uwe Gensheimer.

Musche erwartet "intensives Kampfspiel"

Neben den eigenen Herausforderungen muss sich Prokops Truppe aber auch mit den Stärken des Gegners auseinandersetzen. "Sie spielen sehr variabel in der Deckung, haben gute Schützen auf den Rückraumpositionen", meint Gensheimer.

Einer dieser guten Schützen: Jose Guilherme de Toledo, der gegen die Franzosen acht Mal netzte und zum Spieler der Partie gewählt wurde. Die bisweilen unkonventionelle Deckung stellte den WM-Favoriten "vor viele Probleme", sagte Guillaume Gille bei SPORT1.

"Wir haben gesehen, dass sie richtig gut Handball spielen", so Musche. "Die werden uns einen Kampf liefern. Sie sind körperlich sehr robust. Sie haben ein paar richtige Kanten in der Abwehr, die auch richtig hart verteidigen", sagte Musche. Deutschland stehe ein "intensives Kampfspiel" bevor.

Härte trotz Theatralik

Was dazu kommt: Brasiliens Heißsporne verstehen es ebenso, einen Gegner durch Theatralik und Provokationen aus dem Konzept zu bringen. "Das ist vielleicht auch Mentalität. In der Videoanalyse wurde angesprochen, dass wir uns darauf einstellen müssen", so Kreisläufer Musche.  

Vor allem will das deutsche Team aber die eigenen Stärken "von Anfang an" zeigen, so Strobel: "Dann müssen die Brasilianer erst mal gucken, dass sie sich auf unser Spiel einstellen."

Dazu gehört - trotz möglicher brasilianischer Einlagen und vielen hitzigen Situationen - die eigene Aggressivität. "Wir wollen auch hart spielen", betont Pekeler. Denn "wenn sie umfallen, sollen sie auch einen Grund dazu haben."

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