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Berlin - Darts und ein Kult-Brettspiel - die Aufenthaltsräume im Hotel der Handballer sind ein beliebter Ort. SPORT1 klärt über weitere Leidenschaften und Rituale auf.

Die Stimmung bei den deutschen Handballern ist nach den Siegen gegen Korea und Brasilien bei der WM 2019 bestens.  

Was sind die (geheimen) Erfolgsfaktoren der Mannschaft? Wie vertreiben sich die Stars ihre Freizeit? Welche Rituale haben die Spieler? Und wer ist der Kabinen-DJ? SPORT1 wirft vor dem dritten Vorrundenspiel (Montag, 18 Uhr, Deutschland - Russland im LIVETICKER) einen Blick auf die private Seite der DHB-Stars.

Fußball

Ob in der WM-Vorbereitung oder während des Turniers: Immer wieder kommt in Trainingseinheiten, sehr zur Freude der Spieler, der Fußball zum Einsatz (DATENCENTER: Die Tabelle der Gruppe A, Gruppe B, Gruppe C, Gruppe D).

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"Fußball ist immer das Beste im Training", sagte Matthias Musche auf SPORT1-Nachfrage und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: "Ich würde fast behaupten, manche Leute kommen nur zum Training, um Fußball zu spielen."

In den Duellen zwischen Alt und Jung geht es mit viel Ehrgeiz zur Sache. "Da will man unbedingt gewinnen, weil man das auch danach noch ein bis zwei Stunden aufs Butterbrot geschmiert bekommt", so der Linksaußen, der wegen seiner vor Turnierbeginn erlittenen Kapselverletzung allerdings aktuell nicht mitmischt.

Dass die jüngeren Spieler meist die Oberhand behalten, will nicht jeder wahr haben. "Ob Jung jetzt führt, bin ich mir nicht ganz so sicher", erklärte der 32 Jahre alte Martin Strobel. Kreisläufer Jannik Kohlbacher konterte: "Strobel steht bei Alt im Tor, da sieht es nicht so rosig aus momentan."

Will es sich Prokop mit seinen Mannen nicht verscherzen, sollte er weiter auf die Fußball-Karte setzen. "Wenn mal kein Fußball auf dem Programm steht, denkt jeder 'Och, Mist'", so Kohlbacher. Fabian Böhm ergänzte zu SPORT1: "Ich bin schon verärgert, wenn Fußball nicht stattfindet."

Und wer ist der beste Kicker? "Patrick Groetzki spielt richtig, richtig gut", meinte Musche: "Aber das war es auch schon."

Kult-Brettspiel

Wie bei jeder Nationalmannschaft sind die Gemeinschaftsräume ein beliebtes Ziel in den spiel- und trainingsfreien Stunden. Neben Tischtennis und Mario Kart an der Nintendo Switch erfreuen sich besonders zwei Aktivitäten großer Beliebtheit: Darts – und Siedler von Catan.

"Angefangen hat das glaube ich 2016", erklärte Hendrik Pekeler SPORT1: "Da haben Fabi Wiede, Finn Lemke, Johannes Sellin und ich am Abend vor jedem Spiel Siedler von Catan gespielt. Das Ende kennt man ja." Deutschland wurde Europameister.

Auch bei diesem Turnier wird das Kult-Brettspiel, 1995 zum Spiel des Jahres gewählt, regelmäßig ausgepackt. "Wir sind alle Sportler. Und für Sportler zählt nur das Gewinnen. Egal, ob beim Handball, Fußball oder Darts – oder bei Siedler von Catan. Wir wollen alle gewinnen", betonte Pekeler.

Darts

Am häufigsten treten die Handballer allerdings an die Darts-Scheibe. Einige, wie Patrick Wiencek und Pekeler, haben sogar ihre eigenen Pfeile dabei.

Auch die Darts-WM sei ein Thema in der Mannschaft gewesen. Und wie ist es um die Fähigkeiten bestellt? "Silvio Heinevetter ist bestimmt der beste Dartsspieler. Er muss das irgendwie zu Hause öfters machen", so Musche über den Keeper, der Pekelers Niveau toppt.

"Letztes Jahr bei der EM habe ich vom Platz von der Sonne gegrüßt. Ich muss leider gestehen, dass ich im Vergleich zu einigen anderen nicht mehr ganz so viel gespielt habe. Dementsprechend haben sie mich leider überholt", sagte Pekeler, der aber eine Kampfansage an die Kollegen schickt: "Ich werde alles daransetzen, dass ich zurück auf Platz eins komme."

Während Böhm und Strobel zugeben, "Entwicklungspotenzial" zu besitzen, herrscht bei Oliver Roggischs Qualitäten Uneinigkeit. Der Team-Manager gehöre "auf jeden Fall nicht" zu den besseren Pfeilewerfern, sagte Musche: "Das kann man ruhig mal in den Medien verbreiten." Kohlbacher dagegen zählt Roggisch zu den Top Drei.

Böhms Erklärungsversuch: "Oli ist ein klassischer Spieler, der sich dem Niveau anpasst. Wenn er mit den Guten spielt, spielt er auf einmal sehr, sehr guten Dart. Wenn er mit den Schlechten, so wie mir, mitspielt, spielt er auf einmal auf meinem Niveau."

Rituale, Ticks, Botschaften

Nur wenige Spieler geben an, bestimmte Rituale oder Abläufe vor dem Spiel zu verfolgen. Kohlbacher begründet dies auch mit der hohen Belastung.

"Gerade jetzt bei den Löwen, wenn man jeden dritten Tag spielt, hat man das ein bisschen vergessen und nicht mehr so drauf geachtet. Jetzt brauche ich das auch nicht mehr", sagte der 23-Jährige.

Musche outete sich zumindest als kleiner Cola-Junkie: "Ich brauche Koffein vor dem Spiel, haue mir da immer zwei Cola-Flaschen rein." Böhm bekennt: "Jeder, der bei mir vorbeikommt und abklatscht, bekommt noch einen Schlag auf die Brust von mir."

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Neu ist der Schlachtruf "Ganbaru", der statt wie bisher "Bad Boys" nach den Auszeiten gerufen wird. Ganbaru ist ein japanischer Leitspruch unb bedeutet: das Beste geben!

Böhm berichtet zudem von Motivationssprüchen, die im Mannschaftshotel hängen: "Jeder hat den anderen Spielern eine Botschaft auf einen Zettel geschrieben, was er diesem zutraut, was er für eine Rolle übernehmen könnte und eine besondere positive Charaktereigenschaft."

Musik

Patrick Groetzki sorgt in der Kabine für die Musik – und schafft es, dass keiner wegläuft. "Er macht das gut", lobte Musche, der wie auch Heinevetter Schlager schätzt. "Roland Kaiser ist cool. Und Micaela von Bata Illic", sagt Musche: "Und mein Lieblingssänger ist Marius-Müller-Westernhagen."

Groetzki berichtete vor der WM von "vielen Wünschen", besonders Andreas Wollf bevorzuge "sehr spezielle" Klänge. Ein einfacherer Fall ist dagegen Böhm: "Ich bin sehr offen, höre eigentlich alles, was kommt. Den Wunsch von Finn Lemke mit Shakira finde ich eigentlich ganz gut."

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