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Die Karriere von Felix Passlack galt im vergangenen Sommer bereits als gescheitert. In den Niederlanden kommt der Außenverteidiger wider auf die Füße.

Felix Passlack galt bereits mit 18 Jahren als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Bei Borussia Dortmund war er der Shootingstar und galt als legitimer Nachfolger von Routinier Lukas Piszczek.

Im November 2016 trug er sich beim 8:3 gegen Legia Warschau sogar als jüngster deutscher Torschütze in die Annalen der Champions League ein.

Doch dann kam der 11. April 2017 und mit ihm der Bombenanschlag auf den BVB-Bus. Danach war nichts mehr, wie es war. Auch nicht für Passlack. 

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"Ich hatte lange Zeit Angstzustände und konnte schlecht schlafen", sagte er rund ein Jahr danach im Prozess gegen den Attentäter Sergej W. vor dem Dortmunder Landgericht aus. Zu diesem Zeitpunkt befand sich seine Karriere bereits im freien Fall.

Passlacks letzter BVB-Einsatz war vor dem Busanschlag

Denn nach dem Attentat am 11. April 2017 machte Passlack in der Saison 2016/2017 kein einziges Spiel mehr für die Borussia. Erst in der ersten Runde des DFB-Pokals in der neuen Spielzeit kehrte er wieder aufs Feld zurück. Nach einem weiteren Kurzeinsatz in der Liga entschloss sich der BVB dazu, Passlack im Tausch für Jeremy Toljan an die TSG Hoffenheim zu verleihen – ein Geschäft, das sich im Nachhinein für beide Seiten als ungünstig erwies.

Während Toljan an der Strobelallee kaum zu überzeugen wusste, wurde der 38-malige Junioren-Nationalspieler Passlack nach je zwei Spielen in der Liga und der Europa League von Julian Nagelsmann in die zweite Mannschaft geschickt, wo er fortan nur noch in der viertklassigen Regionalliga Südwest zum Einsatz kam.

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"Man sieht einfach, dass er letztes Jahr nullkommanull Rhythmus hatte. Er hat die Chance in der Bundesliga nicht überragend genutzt, sondern normal gespielt. Dann ist es normal, dass andere vorne dran sind", sagte der TSG-Trainer bereits im November 2017 in einem Interview mit dem Kicker über Passlacks Situation.

Norwich steigt auf - Passlack schaut zu

Auch der folgende Versuch eines Neuanfangs in der zweiten englischen Liga scheiterte. Mit Norwich City feierte der Rechtsverteidiger zwar den überraschenden Aufstieg in die Premier League, sein Anteil am Erfolg der Mannschaft von Trainer Daniel Farke war allerdings verschwindend gering. 

"Für ihn ist es unglücklich gelaufen, dass ausgerechnet auf seiner Position mit Max Aarons ein anderer Spieler durch die Decke geht", sagte Farke noch nach der vergangenen Hinrunde. "Ich bin aber überzeugt davon, dass Felix uns mittelfristig helfen wird." Tat er nicht, stattdessen kehrte er im Sommer völlig ernüchtert zum BVB zurück. Dort hatte Lucien Favre weiterhin keine Verwendung für ihn.

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Daher versucht sich Passlack seit dem Sommer bei Fortuna Sittard, einem Kellerkind der niederländischen Eredivise - wieder auf Leihbasis.

Spieler des Spieltags in der Eredivisie

Und siehe da, in der Provinz Limburg bekommt Passlack endlich regelmäßig Spielpraxis. Nach neun Spieltagen stehen die kompletten 810 Minuten für ihn zu Buche. Und auch wenn die Fortuna sehr schwerfällig in die Saison gestartet ist, gewinnt Passlack durch das Vertrauen von Trainer Sjors Ultee stetig den Glauben an die eigene Stärke zurück.

Den Höhepunkt erreichte diese Entwicklung am vergangenen Wochenende. Sittard rang sensationell Feyenoord Rotterdam mit 4:2 nieder, es war der erste Erfolg der Spielzeit.

Das erste Tor servierte Passlack Torschütze Amadou Ciss per Hackentrick. Beim zweiten eroberte er den Ball und flankte ihn Ciss maßgenau auf den Kopf. "Passlack war ein ständiger Quälgeist für Feyenoords Defensive", urteilte das Fachorgan Voetbal International und kürte Passlack zum Spieler des Spieltags - vor solchen Hochkarätern wie Eindhovens von Bayern umworbenem Flügelstürmer Steven Bergwijn oder Deutschland-Schreck Donyell Malen.

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Und auch seinen Humor scheint der immer noch erst 21-Jährige wiedergefunden zu haben.

"Letztens hat er eine Werbung von einem Maschinenreiniger mitgebracht", erzählt Ultee. "'Das ist mein Duschgel', hat er gesagt. Das ist Felix." Die Hoffnung lebt und ist, dass Passlack in Sittard die Spielpraxis bekommt, die er dringend braucht, um sein großes Karriereversprechen vielleicht doch noch einzulösen.

Sein Leihvertrag in Sittard läuft bis 2020. Dann wird mit Ashraf Hakimi ein Außenverteidiger Borussia Dortmund mit ziemlicher Sicherheit wieder verlassen. Und Piszczek wird auch nicht jünger. Womöglich bekommt Passlack beim BVB doch noch eine Chance zu zeigen, dass er das Trauma des Busanschlags hinter sich gelassen hat. 

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