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Bebé im Trikot von Manchester United
Bebé im Trikot von Manchester United © Getty Images
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Bebé schafft es aus dem Waisenhaus zum Fußball-Profi. Die Geschichte des Portugiesen ist bewegend und von einem seltsamen Wechsel geprägt.

Es lief die 75. Spielminute im Theater der Träume, wie das Old Trafford - Spielstätte von Manchester United - auch genannt wird, als der große Traum von Bebé einen unschönen Ausgang nahm. 

Sir Alex Ferguson, der an diesem kühlen Nachmittag im November 2010 noch United-Coach war, hatte genug gesehen. Er nahm seinen Neuzugang raus, obwohl er ihn zur 10. Spielminute wegen einer Verletzung von Owen Hargreaves erst eingewechselt hatte. Die Höchststrafe eines jeden Fußballers. 

In gewisser Weise erlöste die Trainer-Legende seinen 20 Jahre alten Schützling aber, denn Bebés Heim-Debüt in der Premier League für die Red Devils war eine einzige Katastrophe gewesen. Bebé wirkte von Beginn an völlig überfordert, er wusste nicht, wohin er laufen sollte und wenn er einmal den Ball hatte, schlug er ihn bei seinen Passversuchen zumeist auf die Tribüne.

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Der Spott war Bebé in den nächsten Tagen sicher, ob von Seiten der Fans oder der Medien. Sie alle stellten sich eine Frage: Wie hatte ManUnited fast neun Millionen Euro für diesen Spieler hinblättern können? Eine Ablöse, die ihn damals zu einem Top-20-Transfer machte. (Europa League: FC Sevilla - Manchester United heute ab 21 Uhr im LIVETICKER)

Vom Waisenkind zum United-Profi

Die Antwort auf diese Frage führt nach Portugal. Genauer gesagt in dessen Hauptstadt Lissabon. Dort wurde Bebé geboren und dort wuchs er auch auf, allerdings nicht bei seinen Eltern, sondern in dem Waisenhaus Casa do Gaiato 20 Kilometer nördlich der Metropole. 

Seine kapverdischen Eltern hatten ihn verlassen und bis er 12 Jahre alt war, hatte ihn seine Großmutter aufgezogen. Dann wurde Bebé per Gerichtsbeschluss in die Obhut der katholischen Kirche gegeben.

Im Waisenhaus kickte er zumeist auf betonierten Tennisplätzen, zum Wettbewerbs-Fußball kam er über eine Organisation, die eine portugiesische Obdachlosen-Nationalmannschaft aufgestellt hatte. Für diese lief der talentierte Teenager zwar nie auf, er spielte dadurch aber auf Turnieren - und diese sollten der Beginn seiner wundersamen Entwicklung werden.

Zunächst wurde ein Amateur-Klub auf ihn aufmerksam und bald der Drittligist CD Estrela. Als der Klub seinen Spielern kein Geld mehr zahlen konnte, sollte sich Bebé einen neuen Verein suchen. Diesen fand er in Vitoria Guimaraes, das ihm immerhin fast 300 Euro im Monat anbot.

Dem Spielerberater Goncalo Reis war das Talent des Offensivspielers aufgefallen, er wurde schließlich eine Art Vaterfigur für Bebé. Als das Talent aber in fünf Testspielen sechs Tore für Guimaraes erzielte, wurde eine deutlich größere Nummer im Fußballgeschäft auf ihn aufmerksam: der mächtige Spielervermittler Jorge Mendes. 

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Wenige Wochen später stand Bebé bei Manchester United unter Vertrag. Zunächst glaubt er noch an einen Scherz. Wie auch Carlos Queiroz, der zu dieser Zeit die portugiesische Nationalmannschaft trainierte.

"Bebé war nicht einmal in unserer Scouting-Datenbank", sagte er später einmal: "Sein Wechsel zu Manchester United überraschte mich. Ich rief meine Trainer an und fragte sie, was los war: 'Warum?' Er existierte schließlich nicht, ich wusste nichts über ihn."

Der einzige blinde Transfer von Ferguson

Da ging es ihm ähnlich wie Ferguson. Bebé gilt als der einzige Transfer der Trainer-Ikone, den er blind getätigt hat, also bei dem er einen Spieler vor dem Kauf weder live noch auf Video gesehen hat. "Wir haben bei dem Transfer gepokert", gab er in seiner Autobiografie zu. 

Doch warum ging United auf einen solch riskanten Deal ein? Darüber lässt sich bis heute nur spekulieren. Die wahrscheinlichste Möglichkeit ist, dass sich die Verantwortlichen der Red Devils mit Mendes gutstellen wollten, der bereits über hervorragende Kontakte verfügte.

Seltsam ist auch, dass der portugiesische Fußball-Verband nach dem Wechsel ermittelte, warum ist bis heute nicht bekannt.

Warum er auch immer in der englischen Arbeiterstadt landete, nach der Horror-Partie kam Bebé nur noch zu sechs weiteren Spielen für United, in denen er immerhin zwei Tore erzielte. Trotzdem war der Klub zwei bis drei Nummern zu groß für ihn. 

Vier Jahre lang lieh United den Portugiesen aus, bis er für drei Millionen Euro zu Benfica Lissabon verscherbelt wurde. Auch dort konnte sich Bebé allerdings nicht durchsetzen.

Rayo Vallecanos Bebé im Duell mit Valencias Jose Gaya im November 2018
Rayo Vallecanos Bebé im Duell mit Valencias Jose Gaya im November 2018 © Getty Images

In Spanien hatte sich der Flügelstürmer in den letzten Jahren seiner Karriere dann zu einem gestandenen La-Liga-Spieler entwickelt. Mit 30 Jahren spielt er heute bei Rayo Vallecano in der zweiten spanischen Liga. 

Und auch bei Manchester United hat Bebé bis heute einen Platz in den Geschichtsbüchern - als wohl seltsamster Transfer der Vereinsgeschichte.

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