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Zlatan Ibrahimovic begeistert mit 39 Jahren derart, dass er in die schwedische Nationalmannschaft zurückkehrt. Aus einem Spieler ist ein Phänomen geworden.

"Warum rennen, wenn du fliegen kannst."

Es war eine klassische Zlatan-Frage, die Zlatan Ibrahimovic am Sonntagabend auf seinem Twitter-Account stellte. Eine rhetorische Frage, versteht sich - was auch daran zu erkennen ist, das er sie ohne Fragezeichen absetzte. Kurz zuvor hatte der Schwede den AC Mailand mit seinem Treffer in der 83. Spielminute zum 2:1-Sieg bei Udinese Calcio geschossen.

Stilecht per Fallrückzieher. Im Alter von 39 Jahren. 

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Außergewöhnliches Comeback von Ibrahimovic

Nun hat Ibrahimovic in seiner Karriere schon einige legendäre Tore geschossen, denen er meistens auch einen seiner ikonischen Sprüche folgen ließ. Allerdings ist es fast unglaublich, dass ihm diese Tore und Leistungen mit 39 Jahren fast besser gelingen als je zuvor. 

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"Ich bin wie ein guter Wein", wagte er selbst schon öfter einen Erklärungsversuch. Bei den Zahlen wirkt das aber fast schon untertrieben.

In vier Partien in der Serie A hat Ibrahimovic in dieser Spielzeit - im mehr als gehobenem Fußballeralter - unglaubliche sieben Tore erzielt. Er ist der Hauptgrund dafür, dass Milan aus der Versenkung verschwunden ist und plötzlich wieder an der Tabellenspitze thront - wie in alten Zeiten. 

In den alten Zeiten hat Ibrahimovic auch schon getroffen. Das erste Tor erzielte er vor über 20 Jahren für Malmö FF, seitdem sind über 500 weitere hinzugekommen.

Mit fast 40 Jahren wird "Ibrakadabra" nun wohl auch noch ein denkwürdiges Comeback feiern: Über vier Jahre nach seinem Rücktritt aus der schwedischen Nationalmannschaft wird er vermutlich wieder für die Tre Kronor auflaufen - über 19 Jahre nach seinem Debüt.

Das deutete Ibrahimovic in einem Tweet am Montagmittag an, in dem er im Trikot der schwedischen Nationalmannschaft zu sehen ist - mit Kapitänsbinde. Dieses kommentierte er mit: "Lange nicht gesehen." 

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Der König von Schweden könnte also bei der Länderspielpause in gut einer Woche sein Comeback geben. Auf Instagram hatte Ibrahimovic einmal ein Foto mit der schwedischen Königin Silvia veröffentlicht, mit den Worten: "Die Königin und der König." Was Carl Gustaf XVI. - König von Schweden - dazu sagte, ist nicht überliefert. 

Der Benjamin Button des Fußballs

Bei seinen derzeitigen Leistungen und einem außergewöhnlichen Comeback drängt sich eine Frage auf: Wie kann es sein, dass der Torjäger in Zeiten, in denen Körperlichkeit und Fitness im Profifußball immer wichtiger werden - noch immer auf einem solchen Top-Niveau unterwegs ist?

Ibrahimovic hat dafür eine Theorie, die besser nicht zu ihm passen könnte: "Ich bin wie Benjamin Button. Ich beginne alt und sterbe jung", sagte er nach dem ersten Saisonspiel, in dem er beim 2:0-Sieg gegen den FC Bologna beide Tore erzielte. 

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Wie die Hauptfigur aus dem Film "Der seltsame Fall des Benjamin Button" also, in dessen Hauptrolle Brad Pitt als Benjamin Button als Greis auf die Welt kommt und als Säugling stirbt. 

"Der seltsame Fall des Zlatan Ibrahimovic" klingt auf jeden Fall nicht falsch, Ibrahimovic wäre ein solcher Titel für seine Biografie allerdings sicherlich zu wenig heroisch gewesen. So etwas in der Art gibt es ohnehin schon in doppelter Ausführung unter den Namen "Ich bin Zlatan" und "Ich bin Fußball". 

Ein Mittelstürmer als Phänomen

Die Verkaufszahlen seiner Bücher und die riesige Fanbase, die hinter dem exzentrischen Schweden steht, zeigen, dass aus einem verdammt guten Mittelstürmer längst ein Phänomen geworden ist. Ein Phänomen, das sich selbst als Gott bezeichnet und trotzdem nicht als überheblicher und unsympathischer Profifußballer abgestempelt wird, wie es zu Haufe der Fall ist. 

Seine Strahlkraft übertrifft womöglich alle anderen Spieler der Welt, obwohl Ibrahimovic in seiner Karriere zu fast keinem Zeitpunkt als bester Stürmer der Welt angesehen wurde.

Aus dem Spieler ist eine Marke geworden, die mit zlatanieren (übersetzt: stark dominieren) einen Eintrag im schwedischen Duden besitzt und die Massen als Fußballer, als Werbefigur und eben als Zlatan begeistert.

"Löwen vergleichen sich nicht mit Menschen", steht in seiner Twitter-Biografie. Viele Fans feiern ihn gerade wegen dieser Sätze. 

Diese Beliebtheit machte sich jüngst auch die Regierung der Lombardei zu Nutze. Der regionale Präsident spannte Ibrahimovic dazu ein, bei einem Video mitzuwirken, bei dem vor Corona gewarnt werden und auf die Regeln hingewiesen werden soll. Hintergrund ist, dass Ibrahimovic selbst an dem Coronavirus erkrankt war und deswegen auch einige Spiele in dieser Saison verpasste.

In dem Clip steht der Milan-Star auf einer Dachterrasse und lässt seinen Blick über bei strahlendem Sonnenschein über die Skyline von Mailand schweifen. "Das Virus hat mich herausgefordert und ich habe gewonnen", sagt er in die Kamera: "Aber du bist nicht Zlatan. Fordere das Virus nicht heraus. Benutz den Kopf, und respektiere die Regeln."

Ein klassischer Zlatan.

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