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München - Bei Atlético Madrid ist der Umbruch in vollem Gange. Mit Joao Félix hat Diego Simeone den Königstransfer bereits getätigt. Der Portugiese soll neues Herzstück werden.

Das im Fußball oft benutzte Wort "Umbruch" wäre in Bezug auf Atlético Madrids Transfersommer noch untertrieben.

Vielmehr kann man von einem Auseinanderbrechen des Teams von Diego Simeone sprechen. Dem 49-Jährigen bricht nahezu die gesamte Abwehrreihe weg. Die Verträge der in die Jahre gekommenen Außenverteidger Filipe Luís und Juanfran wurden nicht verlängert, gleiches gilt für Abwehrchef Diego Godín, der sich Inter Mailand angeschlossen hat. Zudem wechselte Lucas Hernández für 80 Millionen Euro zum FC Bayern.

Im Mittelfeld verabschiedete sich Rodrigo zu Manchester City, das Team von Pep Guardiola zog die 70 Millionen Euro schwere Ausstiegsklausel des 23 Jahre alten Spaniers. Der ausgeliehene Gelson Martins bleibt zudem bei der AS Monaco.

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Und dann ist da ja auch noch Antoine Griezmann. Der 28 Jahre alte Weltmeister verkündete bereits vor Wochen seinen Abschied von den Rojiblancos, der Wechsel zum FC Barcelona soll in der nächsten Woche verkündet werden. Auch Diego Costa liebäugelt Berichten zufolge mit einem China-Wechsel.

Atlético bekommt neues Gesicht

Simeone steht wohl vor einer der größten Herausforderungen seiner acht Jahre andauernden Trainertätigkeit bei Atlético. Die angestrebte Verjüngungskur dürfte nicht das Problem sein, Juanfran, Filipe Luis und Godin sind bereits alle jenseits der 30 Jahre. Vielmehr muss es Simeone schaffen, der Mannschaft ein neues Gesicht zu verpassen, ohne dabei seine Spielphilosophie nachhaltig zu verändern.

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Die Transferplanungen der Madrilenen sind trotz des Radikalumbruchs bereits zu großen Teilen abgeschlossen. Für die Mittelfeldzentrale kamen der ablösefreie Héctor Herrera und Marcos Llorente für 30 Millionen Euro vom Stadtrivalen Real, in der Innenverteidigung ersetzt Felipe Godín, der Brasilianer kam für 20 Millionen Euro vom FC Porto.

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Königstransfer von Simeones neuem Atlético ist aber ein anderer: Joao Félix, der am Mittwochabend für 126 Millionen Euro von Benfica Lissabon verpflichtet wurde und damit zum fünftteuersten Transfer der Fußball-Geschichte mutierte. Das ist fast die gleiche Summe, die die Madrilenen beim Griezmann-Verkauf einnehmen werden. Auch die neue Rückennummer des 19 Jahre alten Portugiesen Félix zeigt, wo die Reise hingehen soll. Er übernimmt die "7" des französischen Weltmeisters.

Félix soll Atléticos Herzstück werden

Mit der Verpflichtung eines der größten Talente des internationalen Fußballs schlug Simeone nicht nur der Konkurrenz ein Schnippchen. Vielmehr hofft der Argentinier, in Félix sein neues Herzstück gefunden zu haben, ähnlich wie es Griezmann jahrelang war.

Félix, der erst seit seiner famosen Rückrunde bei Benfica so richtig ins internationale Rampenlicht rückte, ist ähnlich flexibel einsetzbar wie Griezmann. Er kann nahezu alle Offensivpositionen bekleiden. Am stärksten ist er allerdings wohl auf der Zehn, doch die gibt es im von Simeone heißgeliebten 4-4-2 eigentlich nicht. Mutmaßlich wird der Portugiese daher als zweite Spitze neben Álvaro Morata fungieren. Dort hat er auch zuletzt bei Benfica häufiger agiert.

Doch nicht nur seine Position auf dem Feld soll Félix zum Schlüssel im Atlético-Spiel machen, sondern auch seine Rolle im Team. Das System von Simeone ist in erster Linie auf das Verteidigen ausgelegt, oft pressen die Rojiblancos schon die Abwehrreihe des Gegners an, um diesen zu Fehlern zu zwingen. Falls diese Taktik nicht funktioniert, lassen sich die Madrilenen oft zurückfallen und formieren einen Betonriegel, der in Europa seinesgleichen sucht. Sicherheit zuerst.

Ein Freigeist zwischen den Linien

Auch im Offensivspiel sind die Rollen in der Regel klar verteilt, Positionswechsel wie zum Beispiel das Vertauschen der Flügelpositionen sind eher eine Seltenheit. Doch Félix wird hiervon mutmaßlich ausgenommen sein. Ähnlich wie Griezmann soll er als Freigeist zwischen den Linien fungieren, seiner Kreativität freien Lauf lassen und so das Überraschungsmoment im Spiel von Simeone darstellen. Zugutekommen wird den Rojiblancos dabei die hohe Spielintelligenz, über die der Jungstar trotz seines Alters bereits verfügt.

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Sein Dribbling und seine Ballführung sind zusammen mit seiner Übersicht sein großes Plus, so kann er auch enge Situationen oftmals meistern. Oft sieht es so aus, als schwebe der 19-Jährige über das Spielfeld. Zudem zieht er gerne mit Tempo ins letzte Drittel, kann offene Räume sehr gut antizipieren und nutzen.

Doch allen Freiheiten zum Trotz ist Felix bei Atlético natürlich wie Griezmann auch als Torschütze gefragt. Dass er eiskalt vor dem Tor ist, bewies er in der vergangenen Spielzeit bei Benfica, als er wettbewerbsübergreifend 20 Tore erzielte, elf seiner 15 Ligatore schoss Félix dabei in der Rückrunde.

Es wird spannend zu sehen sein, wie Simeone sein neues Atlético einstellt. Mit Félix scheint das neue Herz des Atlético-Motors bereits gefunden. Wird er den immensen Erwartungen an seine Person gerecht, lässt er die Trauer der Fans über den Griezmann-Verlust sicher schnell vergessen.

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