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München - Die AS Monaco befindet sich in einer sportlichen Krise und reagiert mit großer Aktivität auf dem Transfermarkt. Dabei verliert der Klub seine Identität.

Die AS Monaco hat mit einem Kaufrausch auf die sportliche Krise reagiert.

Bislang wurden bereits Naldo (Schalke), Fode Ballo-Toure (Lille), Cesc Fabregas (Chelsea) und William Vainqueur (Antalya) im Winter verpflichtet. Weitere Transfers: nicht ausgeschlossen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der ehemalige BVB-Stürmer Michy Batshuayi bis Saisonende als Leihgabe vom FC Chelsea ins Fürstentum kommen soll.

Die Situation bei den Monegassen ist durchaus prekär: In der Liga rangiert der letztjährige Vizemeister nur auf Rang 19. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt drei Zähler. Mit den Neuzugängen soll nun in der Rückrunde der Klassenerhalt mit allen Mitteln gesichert werden.

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Doch nach zwei Remis zum Rückrundenstart (1:1 bei Olympique Marseille, 1:1 gegen OGC Nizza) setzte es jüngst ein derbes 1:5 gegen Racing Straßburg.

Und ausgerechnet die Neuen patzten: Naldo flog nach nur sieben Minuten mit Rot vom Platz, Fabregas leistete sich einen Ballverlust im eigenen Strafraum und leitete so das vorentscheidende 1:3 ein. Auch  im französischen Pokal gegen Metz setzte es am Dienstag eine 1:3-Pleite gegen Metz.

Die Neuzugänge im Winter sind also noch ohne positiven Effekt - schlimmer noch: Der Klub nimmt dabei auch eine Abkehr von seiner Identität in Kauf.

Mbappe und Silva als Erfolgsbeispiel

Rückblick: 2017 wird Monaco überraschend Meister und erreicht das Halbfinale der Champions League. Im Kader damals solch illustre Namen wie Kylian Mbappe oder Bernardo Silva. Ersterer entstammte der Jugendarbeit des Klubs, während Silva drei Jahre zuvor für 15,75 Millionen Euro von Benfica Lissabon ins Fürstentum wechselte.

Zwei Namen, die sinnbildlich für Monacos Kurs auf dem Transfermarkt standen. Denn nach der sensationellen Saison 2016/2017 wechselte Mbappe für 135 Millionen Euro zu Ligarivale Paris Saint-Germain und Silva verschlug es für 50 Millionen Euro auf die Insel zu Manchester City.

Diese Liste lässt sich noch beliebig fortsetzen und bescherte den Monegassen nach der abgelaufenen Saison ein Transferplus von 317 Millionen Euro durch neun Verkäufe. Ähnlich wie der FC Porto sieht sich Monaco als Ausbildungsverein, der Spieler günstig einkauft und nach intensiver Förderung für teures Geld an Top-Klubs weiterverkauft. 

Monaco brechen zu viele Säulen weg

Während dieses Modell in den vergangenen Jahren stets funktionierte, geriet es in dieser Saison ins Stocken. Mit Thomas Lemar (Atletico Madrid), Fabinho (FC Liverpool) und Terence Kongolo (Huddersfield Town) verließen in diesem Sommer drei weitere Stützen den Verein.

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Doch im Gegensatz zu den vorangegangenen Spielzeiten blieben diesmal die talentierten Neuzugänge hinter den Erwartungen zurück. WM-Star Aleksandr Golovin (kam für 30 Millionen Euro von ZSKA Moskau) zeigt mit nur zwei Vorlagen bisher zu wenig. Der Ex-Leverkusener Benjamin Henrichs, für 20 Millionen Euro verpflichtet, spielt zwar ordentlich, ohne aber zu überragen. 

"Andere Teams haben Monacos Transfer-Politik übernommen, die Konkurrenz ist größer. Jetzt muss Monaco noch jüngere Talente holen, die auf dem Platz häufiger Probleme bekommen", erklärte Monaco-Experte Rich Allen kürzlich im Podcast French Football Weekly.

Henry soll Wende einläuten

Die größte Enttäuschung ist der belgische Nationalspieler Nacer Chadli. Als Fabinho-Ersatz konnte er nicht an seine WM-Leistungen anknüpfen.

So ruhen die größten Hoffnungen auf Chadlis Landsmann Youri Tielemans, der im Mittelfeldzentrum die Fäden zieht. Mit fünf Treffern kann sich seine Torausbeute sehen lassen, eine Vorlage ist allerdings zu wenig für den Mittelfeldmann.

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Der sportliche Misserfolg gipfelte schließlich in der Entlassung von Meister-Coach Leonardo Jardim und der Verpflichtung von Trainer-Novize Thierry Henry. Doch auch die französische Legende konnte bis dato nicht den Umschwung herbeiführen und versucht nun auf dem Winter-Transfermarkt die Wende einzuläuten. 

Abstieg soll verhindert werden

Diesmal setzt man im Fürstentum aber auf Routine und Soforthilfe statt Entwicklungsfähigkeit und Perspektive - eine Veränderung der Identität. Der Abstieg in Liga zwei soll mit allen Mitteln vermieden werden.

Denn verheißungsvolle junge Talente lockt man nur in der ersten Liga an. Doch kurzfristig, so die Meinung der Monaco-Verantwortlichen, helfen nur erfahrene Kräfte, das Ziel Klassenerhalt zu erreichen.

Spätestens im Sommer könnte dann der nächste Kaufrausch bei den Monegassen folgen - dann aber wieder mit dem Fokus auf junge Talente.

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