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2018 machte sich Gianluigi Buffon auf nach Frankreich, um mit PSG die Champions League zu gewinnen. Nach nur einem Jahr ist das Abenteuer schon wieder beendet.

Nach nur einer Saison ist das Kapitel Gianluigi Buffon bei Paris Saint-Germain schon wieder beendet.

Dabei war der 41-jährige frühere italienische Nationaltorhüter mit großen Hoffnungen und Erwartungen in sein erstes Auslands-Abenteuer gestartet.

Vielen Fußballfans sind die dramatischen Szenen aus dem April 2018 noch in Erinnerung. Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions-League hatte Juventus Turin das Unmögliche geschafft und bei Real Madrid einen 0:3-Rückstand aus dem Hinspiel egalisiert.

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Dann lief die Nachspielzeit und statt einer Verlängerung folgte ein Foulelfmeter für die Königlichen - ein höchst strittiger, vor dessen Ausführung Juve-Keeper Gianluigi Buffon den Schiedsrichter Michael Oliver so sehr beleidigte, dass er des Feldes verwiesen wurde.

Buffons Champions-League-Trauma 

Kurz darauf riss sich Cristiano Ronaldo sein Trikot vom Leib, nachdem er vom Punkt die Nerven behalten und Madrid ins Halbfinale geschossen hatte.

Es schien, als sollte der großen und titelreichen Buffon-Karriere ein unrühmliches Ende gesetzt worden sein. Doch der damals 40-Jährige beschloss, seine Wohlfühloase Italien zu verlassen, um sich seinen großen Titel-Traum doch noch zu erfüllen.

Nach 17 Jahren und über 650 Spielen für Juventus Turin zog es den viermaligen Welttorhüter zu Paris Saint-Germain.

"Ich bin glücklich, zu Paris zu wechseln. Zum ersten Mal in meiner Karriere verlasse ich mein Heimatland", gab Buffon bei seiner Ankunft in der französischen Hauptstadt zu Protokoll. "Nur ein solch ambitioniertes Projekt hätte mich dazu bringen können", ergänzte er und allen war klar, von welchem Projekt die Rede ist: dem Henkelpott!

Weltmeister 2006, UEFA-Cup-Sieger 1999, neunfacher italienischer Meister, fünf Mal Pokalsieger Italiens - der 176-fache Nationalspieler hat nahezu alle großen Titel abgeräumt. Nur die Champions-League konnte er trotz dreier Finalteilnahmen (2003, 2015 und 2017) bis dato nicht gewinnen.

Und so war Buffon im Sommer 2018, nach seinem tränenreichen Abschied von Juventus, bei PSG und dessen Trainer Thomas Tuchel gelandet.

Rabenschwarzer Abend gegen United

Der Ex-BVB-Coach, ebenfalls mit einer Königsklassen-Titelambition angetreten, rief auf der Torhüterposition die Rotation aus und so fand sich Buffon ab dem dritten Spieltag der Ligue 1 erst einmal drei Wochen auf der für ihn völlig ungewohnten Ersatzbank wieder. Schlussendlich kommt der 41-Jährige auf 17 Liga-Einsätze – sein 15 Jahre jüngerer Kontrahent Alphonse Aréola auf 21.

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Seine Heimat Italien, sein geliebtes Juventus zu verlassen, um in Paris ein Job-Sharing-Modell vorzufinden? Das hatte sich Buffon, trotz seines fortgeschrittenen Alters, sicher anders vorgestellt. Immerhin war er in der Champions League gesetzt, nachdem er seine Drei-Spiele-Sperre aus der Vorsaison abgesessen hatte.

Und darum ging es ihm ja. Um den großen Titel, der ihm in nunmehr 22 (!) Profijahren bislang nicht vergönnt gewesen war.

Die Gruppenphase beendete PSG souverän vor dem FC Liverpool sowie SSC Neapel auf dem ersten Platz. Dann wartete Manchester United im Achtelfinale und Buffon flog mit einem 2:0-Auswärtserfolg im Gepäck gemeinsam mit seinen Teamkollegen zurück nach Paris.

Sein Traum von Europas Krone – er lebte!

Als Thilo Kehrer im Rückspiel nach gerade einmal 120 Sekunden eklatant patzte, war Buffon noch chancenlos. Als Uniteds Marcus Rashford nach einer halben Stunde aus 30 Metern abzog, erlebte der Italiener vielleicht den Schlüsselmoment seines Ausland-Abenteuers. Der 41-Jährige ließ den Schuss nach vorne abprallen, Manchesters Romelu Lukaku staubte ab und brachte die Engländer wieder in Führung, nachdem Juan Bernat zwischenzeitlich ausgeglichen hatte.

Meisterschaft mit PSG ein schwacher Trost

Der rabenschwarze Abend für Buffon und PSG nahm seinen Lauf.

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Nachdem die Tuchel-Elf, trotz drückender Überlegenheit, den abermaligen Ausgleichstreffer verpasst hatte, brach die Nachspielzeit an. Und Buffon dürfte sich plötzlich in den April 2018 rückversetzt gefühlt haben.

Wieder ein umstrittener Elfmeterpfiff gegen seine Mannschaft. Wieder kassierte er den brutalen K.o. in der Nachspielzeit, nachdem dieses Mal Rashford vom Punkt die Nerven behielt.

Apropos Nerven: Immerhin bewahrte der italienische Schlussmann im März 2019 die Fassung und ließ sich zu keiner Schiedsrichterbeleidung hinreißen.

Dennoch wird an diesem denkwürdigen Abend im Pariser Parc des Princes der Grundstein für sein kurzes Auslands-Intermezzo gelegt. Die Monate später gewonnene französische Meisterschaft konnte eine enttäuschende Saison nicht retten. Weder für Paris, noch für Buffon.

Buffons rührende Abschiedsworte

Das große Titelziel war ein anderes und so wurden die Weichen des Buffon-Abschiedes spätestens dann gestellt, als Trainer Tuchel ankündigte, in der kommenden Spielzeit im Tor nicht mehr zu rotieren.

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"Vielen Dank für alles, was ich in Paris erleben durfte", wurde der Italiener auf der PSG-Webseite zitiert. Zwar glücklich ob der gesammelten Erfahrungen, die ihn haben wachsen lassen, so stellte der 41-Jährige klar, dass sein "Abenteuer außerhalb Italiens" zu Ende sei.

Sein unvollendetes Kapitel – einer sonst so beeindruckenden Karriere.

Ob sich Buffon nach ein paar Tagen Bedenkzeit gemeinsam mit seiner Familie für einen weiteren Auslands-Anlauf entscheidet? Geht es nach dem Gianluca Di Marzio,  könnte er zum FC Barcelona wechseln und hinter Marc-Andre ter Stegen die Nummer 2 werden. Eine Spur führe sogar in die Bundesliga, schreibt der Transfermarkt-Guru.

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