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München - Niko Kovac, Ex-Trainer des FC Bayern, soll den AS Monaco wieder nach oben führen. Zuletzt herrschte dort Chaos, auch große Namen wurden verschlissen.

Es ist ein reizvoller Arbeitsplatz, schon rein räumlich.

Monaco, das Glamour-Fürstentum und Formel-1-Epizentrum an der traumhaften Cote d'Azur, Umschlagplatz der Reichen und Schönen, der Stars und Steuersparer.

Für Niko Kovac, den im November entlassenen Ex-Trainer des FC Bayern München, hat sich nun dort offenbar eine Gelegenheit ergeben, sich als Coach zu rehabilitieren. Der 48-Jährige soll den AS Monaco zu neuem Glanz führen, wie Frankreichs führendes Sportmedium L'Equipe berichtet.

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Der Job in Monte Carlo ist attraktiv, aber auch verzwickt. Er hat sich in den vergangenen Jahren als Schleudersitz erwiesen, in dem sich auch der einstige Star-Stürmer Thierry Henry nicht hatte halten können.

SPORT1 skizziert, was Kovac im Reich der Grimaldis erwartet.

AS Monaco erlebte turbulente Jahre

Der achtmalige französische Meister hat eine turbulente jüngere Vergangenheit hinter sich: Nach einem zwischenzeitlichen Abstieg 2011 fand Monaco in dem von einigen dunklen Schatten begleiteten russischen Milliardär Dmitri Rybolovlev einen potenten Investor.

Dmitri Rybolovlev (l., mit Cesc Fabregas) zieht beim AS Monaco die Fäden
Dmitri Rybolovlev (l., mit Cesc Fabregas) zieht beim AS Monaco die Fäden © Getty Images

Mit Mega-Transfers wie Falcao und Kovac' späterem Bayern-Schützling James Rodriguez schien man sich auch international große Ziele zu setzen. Es kam aber doch alles etwas anders.

Weil Rybolovlev sich nicht als unendlich spendierfreudig erwies, suchte sich der Klub - der auch von finanziellen Konflikten um den Steuer-Status innerhalb der französischen Liga gebremst wurde - eine andere Nische: Er tat sich als Talentschmiede hervor, die junge Verheißungen entwickelte und für teures Geld weiterverkaufte.

Das klappte eine Weile sehr gut, 2017 formte Coach Leonardo Jardim aus Falcao, Kylian Mbappé und Co. sogar ein Meisterteam, das es bis ins Halbfinale der Champions League schaffte. Den darauffolgenden personellen Aderlass konnte Monaco aber auf Dauer nicht auffangen.

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Thierry Henry floppte total

In der Saison 2018/19 stürzte Monaco völlig ab, ein Trainerwechsel von Jardim auf Ex-Superstar Thierry Henry half ebenso wenig wie ein strategischer Bruch in der Transferpolitik mit der Verpflichung etablierter Routiniers wie Cesc Fabregas und Naldo. Weil Henry als Coach auf ganzer Linie enttäuschte, wurde Jardim sogar auf seinen Posten zurückbefördert. Monaco beendete die Ligue-1-Saison auf Platz 17.

Auch in der vergangenen Saison kehrte keine Kontinuität ein: Jardim musste wieder gehen, der als Spanien-Coach unter rätselhaften Umständen ausgebootete Robert Moreno übernahm, holte den Klub aber auch nicht aus dem Mittelmaß, beschloss die wegen Corona abgebrochene Spielzeit als Neunter.

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In den anhaltenden Wirren erlebte auch der 2018 von Bayer Leverkusen nach Monaco verkaufte und nun an RB Leipzig verliehene Nationalspieler Benjamin Henrichs zwei recht verlorene Karriere-Jahre.

Im Sommer wurde dann der Engländer Paul Mitchell, früherer Kaderplaner von RB Leipzig, als neuer Sportdirektor installiert, scheinbar weiter mit Moreno an seiner Seite. Der Spanier war noch dabei, als Mitchell vor zwei Wochen vor Hochglanzkulisse vorgestellt wurde, stand auch beim ersten Vorbereitungsspiel an der Seitenlinie. Nun haben sich die Pläne also wohl wieder recht spontan geändert.

Vizepräsident Oleg Petrov (l.), Sportdirektor Paul Mitchell (r.) und der nun doch ausgebootete Trainer Robert Moreno
Vizepräsident Oleg Petrov (l.), Sportdirektor Paul Mitchell (r.) und der nun doch ausgebootete Trainer Robert Moreno © Getty Images

Warum Kovac?

Warum fällt die Wahl nun auf Kovac?

Monacos Mannschaft gilt tendenziell als Team von Schönspielern. Kovac soll die Lust an der Arbeit bei ihnen wecken.

Die Entscheider wünschen sich außerdem eine Mannschaft, die hoch presst, die aggressiv spielt - und sie glauben, dass Kovac der richtige Mann für so ein Spielsystem ist.

Niko Kovac vor komplizierter Mission - kommt auch Mario Götze?

Kovac hat als Nachfolger einiges an Arbeit vor sich: Er muss eine verunsicherte Mannschaft aufrichten.

Gut für Kovac ist, dass er die Möglichkeit hat, mit seinem Bruder Robert und seinem Trainerstab zu arbeiten.

Zusammen mit Mitchell muss er aber auch eine klare Linie in den Kader bringen, nachdem die Transferpolitik der vergangenen Jahre mal so und mal so lief.

Eine wesentliche Frage ist zum Beispiel, ob der Klub Stürmer Wissam Ben Yedder - zusammen mit dem nun bei PSG aktiven Mbappé Torschützenkönig der vergangenen Saison - halten oder adäquat ersetzen kann.

Als möglichen Neuzugang hatte die Bild gerade eben auch erst den bei Borussia Dortmund verabschiedeten Mario Götze ins Gespräch gebracht.

Paul Mitchell: Ähnliche Ambitionen wie RB Leipzig

Egal, wie die offenen Transferfragen gelöst werden: Die Ansprüche an Kovac werden aber dieselben sein, die der Klub bei Mitchells Präsentation ausformuliert hat.

Der 38 Jahre alte Mitchell erklärte, er sei "ein ehrgeiziger Mensch", der gemerkt habe, dass Monaco ähnlich große Ambitionen verfolge wie Ex-Klub Leipzig.

Der geschäftsführende Vizepräsident Oleg Petrov ergänzte: "Wir wollen Monaco wieder dorthinbringen, wo es hingehört: an die Spitze!"

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