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David Wagner über Huddersfield Town und Borussia Dortmund
David Wagner startete 2007 seine Trainerkarriere als U19-Coach bei der TSG Hoffenheim © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/Getty Images
Lesedauer: 7 Minuten
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München - Nach dem Aufstieg mit Huddersfield Town in die Premier League spricht Trainer David Wagner bei SPORT1 über seine Ziele, Ex-Klub Borussia Dortmund und seine Zukunft.

David Wagner hat ein kleines Fußball-Märchen geschafft.

Am Dienstag stieg der 45 Jahre alte Trainer mit seinem Klub Huddersfield Town in die Premier League auf. Nachdem ihm einst schon der Aufstieg mit den Amateuren des BVB gelungen war, ist es nun der größte Erfolg in der noch jungen Trainerkarriere von Wagner.  

Im SPORT1-Interview spricht er über seine Ziele in der Premier League, die Situation bei Ex-Klub Borussia Dortmund, Kumpel Jürgen Klopp - und verrät seine Zukunftspläne.

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SPORT1: Herr Wagner, mit zwei Tagen Abstand, wie fühlen Sie sich?

David Wagner: Das ist noch immer wie in einem Film, weil alles rasend schnell an mir vorübergegangen ist. In der Medienwelt spielt sich das rückblickend dauernd vor mir ab, aber es ist natürlich absolut schön. Um ehrlich zu sein, ist das alles etwas surreal - wenn auch extrem aufregend und wahnsinnig toll. Ich bin jedenfalls total happy.

SPORT1: Wie hoch war der Alkohol-Pegel bei Ihnen?

Wagner: Ganz ehrlich? Ich bin nicht der beste Trinker. Bei mir ist relativ wenig nötig, damit es sich dann relativ gut anfühlt. (lacht) Diesen Moment hätte ich auch ohne Alkohol sehr gut genießen können. Den brauche ich nicht, um mich auf einen höheren Trip zu bringen.

SPORT1: Der Aufstieg ist Ihr größter Erfolg in Ihrer noch jungen Trainerkarriere. Was bedeutet dieser Erfolg für Sie?

Wagner: Nach dem Aufstieg mit der zweiten Mannschaft des BVB ist das jetzt schon mein größter Erfolg als Trainer und er macht mich unglaublich stolz. Der Aufstieg in die Premier League wird aber mit mir als Mensch genauso wenig machen wie der Erfolg damals mit dem BVB. Die nächsten zwei Wochen werden für mich auf jeden Fall sehr arbeitsintensiv und kurz darauf geht auch schon wieder die Vorbereitung auf die neue Saison los.

SPORT1: Was war der Hauptgrund für dieses Aufstiegsmärchen?

Wagner: Das ist nicht ein einzelner und bedeutender Grund, der dafür gesorgt hat, dass Huddersfield nächste Saison in der Premier League spielen wird. Da gab es hunderte von Kleinigkeiten, die zusammengeführt wurden und die die Jungs gut angenommen haben. Aber ganz sicher ist das eine Mannschaft, die einen riesigen Charakter hat und über das Kollektiv kommt. Bei uns gibt es nicht den einen Superstar. Wir haben eine sehr junge Truppe, unser ältester Spieler im Finale war 28 Jahre alt. Viele sind so um die 24. Es ist einfach eine hungrige Mannschaft, die ihre Chance in diesem Fußballerleben gesehen und genutzt hat.

SPORT1: Christopher Schindler war mit seinem Elfmetertor der Held. Er steigt jetzt auf und sein Ex-Klub 1860 München ist abgestiegen. Wie war das für ihn?

Wagner: Als wir gerade auf der Parade waren und feierten, kam die Nachricht rein, dass 1860 München abgestiegen ist. Da hat man Traurigkeit in seinem Gesicht gesehen. Das hat ihn mitgenommen und getroffen. Er war in der abgelaufenen Saison einer meiner konstantesten Spieler. Er ist zudem ein herausragender Mensch und eine absolute Persönlichkeit auf dem Platz. Darüber hinaus hat Chris sich fußballerisch enorm weiterentwickelt und hat sich an diese physische, schnelle Liga sehr schnell gewöhnt.

SPORT1: War klar, dass er den entscheidenden Elfmeter schießen soll?

Wagner: Als es darum ging, den Schützen für den entscheidenden Elfmeter zu finden, hatte ich ihn gar nicht im Kopf, aber auf einmal stand er vor mir und sagte: 'Ich nehme den Fünften.' Ich schaute ihn dann ungläubig an, dann verließ ihn kurz der Mut, als er mein Gesicht sah. Aber wenn einer so viel Selbstvertrauen hat, dann sage ich nur: 'Mach es!' Dass er dann den entscheidenden Elfmeter reinschießt, ist der Wahnsinn.

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Christopher Schindler verwandelte den entscheidenden Elfmeter © Getty Images

SPORT1: Was muss sich ändern, damit Huddersfield die Premier League gleich annimmt?

Wagner: Wir sind nicht blöd. Wir wissen schon, dass von den letzten 25 Aufsteigern gleich wieder 15 direkt abgestiegen sind. Die letzten fünf Aufsteiger, die im Finale standen, mussten alle wieder runter. Dass wir jetzt nicht durch die Liga marschieren, ist uns schon klar. Alles, was Nichtabstieg betrifft, ist für uns dann noch mal ein Sahnehäubchen auf das, was wir jetzt geschafft haben. Und dafür werden wir von der ersten Sekunde an fighten. Für uns bleibt weiter das Motto: 'Setz dir keine Grenzen! No Limits!' Wohlwissend, dass wir der größte Außenseiter sein werden.

SPORT1: Jürgen Klopp hat sich sicher bei Ihnen gemeldet, oder?

Wagner: Natürlich. Er hat mir gleich nach dem Schlusspfiff eine sehr emotionale Video-Nachricht geschickt. Und am nächsten Morgen haben wir gleich telefoniert. Er freut sich riesig für mich. Und jetzt fiebern wir beide dem Wiedersehen an der Anfield Road entgegen. (lacht laut) Die Premier League ist prinzipiell ein Brett und dann weiß ich schon, dass es in England nicht so viele deutsche Trainer gibt. Dass dann der Einzige, den es mit mir noch gibt, mein bester Kumpel ist und er der Trainer vom FC Liverpool ist, das ist schon ziemlich cool.

SPORT1: Wenn man Sie so hört, dann ist es abwegig, dass David Wagner in der nächsten Saison Bayer Leverkusen oder Borussia Dortmund trainiert. Oder?

Wagner: Natürlich gehen meine Gedanken jetzt zu 100 Prozent in die Premier League, das ist doch gar keine Frage. Ich habe Huddersfield im Kopf und so gehe ich auch in die Gespräche mit dem Besitzer rein. Wenn das nicht so sein sollte, dann wäre es sicher eine Überraschung, auch für mich. Es geht ganz klar dahin, dieser Geschichte, die jetzt zu einem Happy End geführt hat, ein nächstes Kapitel dranzusetzen. Nur das habe ich in meinem Kopf.

SPORT1: Man könnte es den Fans und den Spielern auch schwer verkaufen, wenn Sie den Klub jetzt verlassen würden…

Wagner: Das ist für mich in weiter Ferne. Es gibt Schlimmeres, als sich mit seiner ersten Saison in der Premier League zu beschäftigen. Eine Trennung ist nicht in meinen Gedanken.

SPORT1: Was sagen Sie zu der Trennung vom BVB und Thomas Tuchel?

Wagner: Die sportlichen Ziele hat Thomas Tuchel absolut erfüllt. Ich weiß aber auch, dass Hans-Joachim Watzke (BVB-Geschäftsführer, Anm. d. Red.) und Michael Zorc (BVB-Sportchef, Anm. d. Red.) zwei Menschen sind, denen der BVB unendlich am Herzen liegt. Die Entscheidungen werden nur zum Wohle des Vereins getroffen. Sie machen nichts, wo sie nicht wissen, dass es das Beste für Schwarz-Gelb ist. Dementsprechend glaube ich, dass alle viel zu wenig Insider-Wissen haben und dass sich alle gar kein Urteil erlauben können über die Beziehung Tuchel/BVB. Die Vereinsführung hat fachlich und menschlich eine so hohe Qualität, dass das Sinn ergibt. Ich denke, die Situation wird sich aufgrund der Kompetenz der Führung und dem großen Zusammenhalt beim BVB sehr schnell beruhigen.

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