Ilbay schonungslos offen: Das ist das größte Problem des deutschen Boxens
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München - Deutschlands Box-Hoffnung Deniz Ilbay erklärt, warum es im deutschen Boxen hakt, was seine Pläne für die Zukunft sind und ob sein Sohn boxen darf.

Deniz Ilbay bestreitet am Samstag (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) in Gummersbach gegen Denis Krieger den Titelkampf um die deutsche Meisterschaft.

Der Weltergewichtler blickt bereits auf eine ereignisreiche Laufbahn zurück, so bestritt er bereits im Alter von vier (!) Jahren seinen ersten Kampf. Außerdem ist er seit kurzem mit der Schwester von Köln-Profi Marcel Risse verheiratet und erwartet mit ihr ein Kind.

Im SPORT1-Interview spricht er über die ungewöhnliche Vorbereitung auf seinen Kampf gegen Krieger, die Probleme des deutschen Boxens und seine Pläne für die Zukunft.

SPORT1: Herr Ilbay, erst einmal Gratulation zur Hochzeit mitten in der Vorbereitung auf den Kampf gegen Denis Krieger. Wie lief das ab?

Deniz Ilbay: Die letzten vier Wochen vor dem Kampf liefen wie gewohnt ab. Davor hatte ich etwas Hochzeitsstress. Aber das ist alles Training gewesen, ich sehe immer das Positive in allem. Diesmal war es eine ungewohnte Vorbereitung in den ersten sechs Wochen.

SPORT1: Aber wäre es nicht besser gewesen mit der Hochzeit zu warten, bis nach dem Kampf?

Ilbay: Natürlich hätte ich gerne mit meinen Freunden und meiner Familie gefeiert. Aber ich habe mir gedacht, es gibt Wichtigeres, als zu feiern. Wir haben trotzdem gefeiert und Spaß gehabt. Ich denke, es war genau so eine Hochzeit, wie meine Frau und ich uns das vorgestellt haben.

SPORT1: Sie werden auch Eltern, gibt es schon einen Namen für das Kind?

Ilbay: Der Kleine heißt mit Rufnamen Lio - der Löwe - und mit Zweitnamen Deniz.

Deniz Ilbay: "Die Halle in Gummersbach ist super"

SPORT1: Darf Ihr Sohn später einmal boxen?

Ilbay: Wenn ich sehe, dass er mehr Talent hat als ich, dann werde ich ihn unterstützen, so gut ich kann. Aber er soll etwas machen, womit er leichter Geld verdient und weniger auf den Kopf bekommt.

SPORT1: Wie schwer ist es den eigenen Vater als Trainer zu haben?

Ilbay: Alle guten Boxer haben einen Familienteil im Team. Klar haben wir manchmal unterschiedliche Meinungen. Aber meistens merke ich, dass mein Vater doch Recht hat. Mein Gegner boxt im Ring nicht alleine gegen mich, sondern mein Vater ist noch hinten dran.

Deniz Ilbay v Egidijus Kavalliauskas
Deniz Ilbay bei seinem Kampf gegen Egidijus Kavalliauskas aus Litauen in Las Vegas © Getty Images

SPORT1: Was wissen Sie von ihrem Gegner Dennis Krieger?

Ilbay: Über meinen Gegner kann ich nicht viel sagen. Ich habe seinen Kampf gegen Baraou kommentiert. Ich stelle mich auf jeden Gegner neu ein und das macht er genauso. Wir verstehen uns gut außerhalb des Rings. Ich will das, was andere nicht geschafft haben, schaffen: Ich will den Kampf vorzeitig beenden.  

SPORT1: Krieger ist gefürchtet für seine Schlaghärte, sie kommen eher über die Schnelligkeit. Könnte das ein taktisches Mittel sein?

Ilbay: Auch bei den Boxern heißt es "Geben ist seliger als nehmen". Ich bin nicht der große Draufhauer. Meine K.o-Siege entstehen immer aus dem Kampf heraus. Wenn ich sehe, dass er taumelt, versuche ich ihn auszuknocken. Ich werde ihn nicht unterschätzen. Aber ich will auch nicht unterschätzt werden. Ich sehe nicht so muskulös aus, aber meine Schlagwerte sagen andere Dinge. Ich habe schon die Schlagkraft eines Schwergewichtlers. 

"Kampf in Las Vegas war ein Meilenstein"

SPORT1: Sie haben bereits viele Titel eingesammelt in Ihrer Karriere und auch schon in Las Vegas geboxt. War das der wichtigste Kampf in Ihrer bisherigen Laufbahn?

Ilbay: Der Kampf in Vegas war ein Meilenstein in meiner Karriere. Ohne diesen Kampf wäre ich nicht zu dem geworden, der ich bin.  Allein aus der Vorbereitung in den USA habe ich sehr viel mitgenommen. Ich wurde oft gefragt, wer mein Wunschkampf ist. Das ist ganz klar Jose Ramirez gegen den ich damals Sparring geboxt habe und der jetzt WBC-Weltmeister ist. Ich habe ihm damals schon Probleme bereitet. Ich habe in den USA gesehen, dass ich mit den Top-Boxern mithalten kann.

SPORT1: Was ist das Problem im deutschen Boxen?

Ilbay: Viele Boxer, die in Deutschland boxen haben Angst die "Null" in ihrem Kampfrekord zu verlieren - das Mayweather-Syndrom. Wir könnten den deutschen Boxsport viel populärer machen, wenn es auch stallinterne Duelle geben würde und nicht immer irgendwelche arme tschechische Busfahrer rüberholen, und dann 20 Mal ungeschlagen bleiben. Anschließend boxen sie um den Titel und verlieren dann. Ich finde es schade, es gibt so viele gute Boxer in Deutschland, aber die haben einfach Angst, ihre Null-Bilanz zu verlieren. Ich habe das nicht. Als ich nach Amerika gefahren bin, habe ich mir gesagt: 'Wenn du verlierst, dann verlierst du.' Damals war ich 20. Die Boxer von denen ich rede sind 25. Ich weiß nicht, wovor sie Angst haben. Auf dem Planeten gibt es nur zwei, drei Boxer, die ihre Null behalten dürfen oder können.

Ilbay spricht sich für deutsches Box-Turnier aus

SPORT1: Warum kämpfen Sie nun um die deutsche Meisterschaft, immerhin waren Sie schon Junioren-Weltmeister?

Ilbay: Als wir mit Sauerland gesprochen haben, meinte ich, dass sie mir gerne gleich einen Titelkampf geben können. Aber es wurde besprochen, dass wir es langsam angehen. Nun hatte ich einen Aufbaukampf und jetzt kämpfe ich um die Deutsche Meisterschaft. Das liegt daran, dass die Titelverteidiger der Weltverbände bereits kurz vor mir oder kurz nach mir boxen. Ich bin froh mich dann nicht nur Junioren-Weltmeister nennen zu können, sondern auch deutscher Meister zu sein. Nächstes Jahr werden wir wieder international angreifen.

SPORT1: Wie reizvoll wäre es für Sie in einem deutschen Weltergewichts-Turnier mitzumischen?

Ilbay: Ich boxe jeden Gegner, der mich nach vorne bringt. So ein Turnier könnte man richtig groß herausbringen. Gerade mit einem starken Fernsehsender wie SPORT1 im Hintergrund, was gibt es besseres. Das wäre für den deutschen Boxsport das Beste was passieren könnte.

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