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München und Brooklyn - Die frühere UFC-Queen Ronda Rousey hat WWE im Sturm erobert. Wie lange sie der Wrestling-Liga noch erhalten bleibt, ist ungewiss: Sie will auch Kinder.

Ihre erfolgreiche UFC-Karriere endete nach zwei klaren Niederlagen krachend, den Wrestling-Ring hat Ronda Rousey dafür im Sturm erobert.

Beim WWE SummerSlam 2018 im August in Brooklyn sicherte sie sich ihren ersten Titel in der Showkampf-Liga, sie nahm Alexa Bliss den Damengürtel der Montagsshow Monday Night RAW ab, nur vier Monate nach ihrem Debüt bei WrestleMania.

Die mit Kriegsbemalung antretende Rousey durfte den bisherigen Champion praktisch überrollen, nach wenigen Minuten geriet Bliss in einen Armbar-Aufgabegriff und klopfte sofort ab. Nach dem Match stürzte sie sich in die Arme ihres im Publikum sitzenden Ehemanns Travis Browne (selbst MMA-Kämpfer), dem sie einen wilden Kuss verpasste.

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Seitdem durfte Rousey alle Herausforderinnen aus dem Weg räumen: Sie gewann ein Rückmatch gegen Bliss, bezwang Nikki Bella und Nia Jax. Für WrestleMania 35 ist ein großer Dreikampf gegen Charlotte Flair und Becky Lynch im Gespräch, der womöglich sogar zum ersten Frauen-Hauptkampf der Mega-Show wird.

Ronda Rousey ist Gold wert für WWE

Rouseys schneller Aufstieg zeigt, wie wichtig sie schon jetzt für WWE geworden ist: Vor dem SummerSlam wurde sie mindestens genauso offensiv wie die männlichen Topstars vermarktet, hinterher verschickte die Liga fast doppelt so viel Bildmaterial von Rousey wie von allen anderen Kämpfen an die Medien.

Rouseys weltweite Popularität ist Gold wert für die Promotion von Vince McMahon, sie dürfte sich mittelfristig zur kommerziell erfolgreichsten Wrestlerin aller Zeiten entwickeln.

Was ihr ebenfalls zugute kommt: Rousey - die schon vor ihrem WWE-Deal großer Fan der Liga war - hat sich im Ring als Naturtalent erwiesen, das die Feinheiten des speziellen Gewerbes früh verinnerlicht hat und vor allem bei den Großveranstaltungen glänzt, für die mehr Zeit zum Einstudieren ihrer Fights hat. Mit ihrem explosiven, charismatischen Auftreten hat sie die Herzen vieler WWE-Fans gewonnen, die bei Quereinsteigern oftmals skeptisch sind.

Das athletische Können der früheren Judoka (Olympia-Bronze im Mittelgewicht 2008) ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Rowdy Roddy Piper ist ihr Idol

Rouseys Bedeutung für die immer mehr an Relevanz gewinnende Frauen-Division bei WWE ist kaum hoch genug einzuschätzen. Schon ihr Erfolg bei UFC, wo sie 2018 in die Hall of Fame einzog, gilt als Faktor der "Women's Revolution" bei WWE.

Rousey war der erste weibliche Topstar der MMA-Liga, sie bewies, dass ernstzunehmende Frauenkämpfe ein größeres Publikum interessieren. WWE-Boss Vince McMahon hatte das lange nicht glauben können, behandelte seine Frauendivision eher als Beiwerk.

Das Vorbild Rousey trug dazu bei, diesen Glauben ad absurdum zu führen - zumal Rouseys Popularität bei der UFC auch damit zusammenhing, dass sie schon dort ihr Faible für WWE zur Schau trug: Rouseys Idol ist die 2015 verstorbene WWE-Legende "Rowdy" Roddy Piper, von der sie den Spitznamen übernahm (und bei WWE auch den Schottenkilt).

Auch ihren spektakulärer Einzug zum Punk-Song "Bad Reputation" von Joan Jett & The Blackhearts bestritt sie schon bei der UFC. Er inspirierte Ende 2018 auch den Einmarsch von WWE-Fan Paul Nicholson bei der Darts-WM zu demselben Theme.

Engagement auf Zeit - Rousey will Kinder

Rousey und WWE: Es ist eine Traumkombination - und es sieht so aus, als ob sie WWE auch länger erhalten bleibt als ursprünglich gedacht.

Die 1987 geborene Rousey ist bei WWE eigentlich nur auf Zeit engagiert, sie möchte eine Familie gründen. Vor dem SummerSlam sagte sie jedoch bei ESPN, dass sie sich über die konkrete Ausgestaltung "nicht mehr so sicher" sei und den eigentlich verabredeten Zeitplan überdenke: "Ich habe hier mehr Spaß, als ich je gedacht hätte."

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