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Dean Ambrose (l.) wurden bei WWE Monday Night RAW ein böser Kommentar über Roman Reigns in den Mund gelegt
Dean Ambrose (l.) wurden bei WWE Monday Night RAW ein böser Kommentar über Roman Reigns in den Mund gelegt © Getty Images
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München - WWE schreibt böse Anspielungen auf die Krebserkrankung von Roman Reigns und den Fall Khashoggi ins Drehbuch. Auch WrestleMania soll sich um Reigns drehen.

WWE überschreitet Geschmacksgrenzen - das ist an sich keine überraschende Neuigkeit.

Die Wrestling-Liga verfolgt ein Geschäftsmodell, in dem es darum geht, mit den Emotionen der Fans zu spielen. Und immer wieder zeigte sich, dass sie nicht davor zurückschreckt, auch reale Tragödien auszuschlachten.

Nur wenige Monate nach dem frühen Tod von Eddie Guerrero legte die Promotion ihrem Bösewicht Randy Orton die Worte "Eddie ist in der Hölle" in den Mund. Auf ähnliche Weise wurde auch der Tod des langjährigen Undertaker-Manager Paul Bearer zu Story-Material, oder auch der von Reid Flair, dem Sohn von Ric und Bruder von Charlotte Flair.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass WWE auch Montag bei der TV-Show Monday Night RAW nach den Survivor Series 2018 diesen Weg einschlug. Bemerkenswert war allerdings doch, in welchem Ausmaß es geschah. Gleich auf mehrere reale Dramen gab es da schwer verdauliche Anspielungen: die Krebserkrankung ihres früheren Champions Roman Reigns und auf den Mord an dem saudi-arabischen Regimekritiker Jamal Khashoggi.

Inzwischen ist zudem durchgesickert: Reigns' Leukämie-Diagnose soll auch Thema beim Jahreshöhepunkt WrestleMania 35 im kommenden April werden.

Dean Ambrose spielt auf Roman Reigns' Leukämie an

Bei RAW war es Dean Ambrose, der das Thema aufbrachte. Der "Lunatic Fringe" war Partner von Reigns in der Gruppierung The Shield und legte noch am selben Abend, als dieser die Diagnose Leukämie bei RAW öffentlich machte, einen "Heel-Turn" hin, wechselte mit einer Attacke auf den dritten Shield-Kollegen Seth Rollins vom Helden- ins Schurkenfach.

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Schon das empfanden viele Zuschauer als reichlich kaltschnäuzigen Zug von WWE, diese Woche vergrößerte sich die Kritik, als Ambrose direkten Bezug auf Reigns' Schicksal nahm: Zusammen mit Rollins und Reigns hätte er zu Shield-Zeiten schlimme Dinge getan, Reigns müsse sich dafür nun "beim Mann da oben verantworten".

Mit anderen Worten: Ambrose, der Show-Charakter, stellte das reale Schicksal seines Freundes als selbst verschuldete Gottesstrafe hin.

Für zusätzliche Kritik sorgte, dass Ambrose bei der Show in Los Angeles auch plötzlich mit einem Taschentuch in der Hand über einen "Geruch" in der Arena zu klagen begann, was sich als Bezug auf die Rauchwolken deuten ließ, die von den Waldbränden in Nordkalifornien stammen. Brände, bei denen über 80 Menschen ums Leben gekommen sind.

WWE-Chef Vince McMahon direkt verantwortlich

Ambroses Kommentare schlugen nicht ganz so hohe Wellen wie die eingangs erwähnten Storys, wohl auch, weil sie eher um die Ecke formuliert waren. Als unangebracht wurden sie dennoch von vielen empfunden - was ja auch das Ziel von WWE war.

In der Theorie sollten die Kommentare dafür sorgen, dass Ambrose in seiner Rolle stärker ausgebuht wird. Praktisch war stattdessen vor allem peinliche Berührung bei den Fans vor Ort zu beobachten, die wissen, dass nicht Ambrose, sondern die WWE-Oberen hinter der Provokation stecken - allen voran der 73 Jahre alte Firmenchef Vince McMahon, bei dem die kreativen Fäden der Flaggschiff-Show RAW noch immer direkt zusammenlaufen.

WWE-Chef Vince McMahon beaufsichtigt noch immer seine wichtigsten TV-Shows
WWE-Chef Vince McMahon beaufsichtigt noch immer seine wichtigsten TV-Shows © Getty Images

Ob Reigns einverstanden ist mit dem Spiel mit seinem Namen? Es ist nicht bekannt, aber sehr wahrscheinlich: In der Regel bemüht sich WWE in solchen Fällen um Absicherung. In den oben genannten Kontroversen hatte sich WWE zumindest von Teilen der Familie der Verstorbenen das Okay für ihre Segmente eingeholt (wenngleich etwa Reid Flairs Mutter Kritik übte). Es ausgerechnet bei Topstar Reigns nicht zu tun, wäre überraschend.

Wie der Wrestling Observer berichtet, ist Reigns' Partner Rollins aktuell als Herausforderer von Universal Champion Brock Lesnar bei WrestleMania eingeplant, auch diese Story soll mit Verweisen auf Reigns' Erkrankung "gewürzt" werden.

Übler Kommentar von Stephanie über Khashoggi

Bei Khashoggis Familie wird WWE dagegen kaum die Erlaubnis eingeholt haben - und nicht nur deshalb war die Anspielung auf seinen Tod ein noch stärkeres Stück.

Ausgesprochen wurde sie zu Beginn der Sendung, als Vinces Tochter Stephanie McMahon, WWE-Vorstandsmitglied und bei RAW Darstellerin der Showchefin, mit Braun Strowman sprach. Es ging um die Art des Kampfes gegen dessen Rivalen Baron Corbin, die Strowman sich aussuchen durfte. Stephanie wie sie in dem Zusammenhang darauf hin, dass sie ihm da nicht alle Wünsche erfüllen könne: "Bei Zerstückelung bekommt die Firma Haftungsschwierigkeiten."

Zur Erinnerung: WWE ist Geschäftspartner des saudischen Regimes, das nach internationalen Geheimdiensterkenntnissen verantwortlich dafür ist, dass Khashoggi in der saudischen Botschaft in Istanbul (wo er sich Dokumente für seine Hochzeit holen wollte) brutal ermordet und zerstückelt wurde - und macht nun sarkastische Witze darüber, dass ihre lukrative Veranstaltungsreihe in Saudi-Arabien wegen des Falls Khashoggi unter öffentlichen und politischen Druck geriet.

Zumindest im Nachhinein scheint den dafür Verantwortlichen nicht mehr ganz wohl dabei zu sein: Aus dem YouTube-Zusammenschnitt der Szene wurde Stephanies Zerstückelungs-Spruch herausgeschnitten.

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